Nach 182 Jahren am Ende: Traditionshersteller schließt wegen hoher Energiekosten

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Nach 182 Jahren am Ende: Traditionshersteller schließt wegen hoher Energiekosten

Nach 182 Jahren: Preisgekröntes Traditionsunternehmen macht dicht – Energiekosten als Hauptgrund

Stand: 08.10.2026, 19:47 Uhr

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Ein Kahla-Mitarbeiter im Jahr 2005: Das Thüringer Traditionsunternehmen blickt auf eine über 180-jährige Geschichte zurück, steht nun aber vor dem endgültigen Aus.

Ein Kahla-Mitarbeiter im Jahr 2005: Das Thüringer Traditionsunternehmen blickt auf eine über 180-jährige Geschichte zurück, steht nun aber vor dem endgültigen Aus. © Photo2000 / Imago

Nach 182 Jahren muss die Thüringer Porzellanmanufaktur Kahla endgültig schließen. Hohe Energiekosten und Kaufzurückhaltung besiegeln das Aus für fast 100 Beschäftigte.

Kahla – Die Thüringer Porzellanmanufaktur Kahla (Kahla/Thüringen Porzellan GmbH) steht nach 182 Jahren Unternehmensgeschichte vor dem endgültigen Aus. Wie Insolvenzverwalter Rolf Rombach mitteilte, konnten die Verhandlungen mit zwei potenziellen Investoren aus der Türkei zu keinem erfolgreichen Abschluss gebracht werden. Damit verlieren alle 98 verbliebenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.

Hohe Energiekosten und Kaufzurückhaltung als Hauptursachen

Als entscheidende Gründe für das Scheitern nennt die Insolvenzverwaltung die anhaltend hohen Energiekosten sowie den deutlichen Nachfragerückgang. Die Herstellung von Hartporzellan ist extrem energieintensiv: Industrielle Brennöfen müssen rund um die Uhr bei Temperaturen von über 1.400 Grad Celsius betrieben werden. Die gestiegenen Gas- und Strompreise trafen das Unternehmen daher besonders hart.

Gleichzeitig hielten sich sowohl private Verbraucher als auch Kunden aus der Gastronomie- und Hotelbranche mit Neubestellungen zurück. Die Messesaison verlief deutlich schwächer als kalkuliert, sodass trotz solider Auslastung zu wenig rentabler Umsatz erzielt werden konnte.

Vom DDR-Großkombinat zur preisgekrönten Design-Ikone

Gegründet im Jahr 1844 von Christian Eckardt, entwickelte sich das Unternehmen über Generationen hinweg zu einem zentralen Pfeiler der deutschen Porzellanindustrie. Zu DDR-Zeiten bildete Kahla das Herzstück eines riesigen Kombinats mit zeitweise bis zu 18.000 Beschäftigten in 17 Werken. Das weiße Gebrauchsgeschirr prägte fast jeden ostdeutschen Haushalt.

Nach der Wende und einer ersten Insolvenz 1993 gelang dem früheren Rosenthal-Manager Günther Raithel ein bemerkenswerter Neuanfang: Mit innovativen Konzepten wie dem samtig beschichteten, wärmeisolierenden „Touch!“-Porzellan erwarb sich Kahla weltweites Renommee und gewann über 100 internationale Designpreise.

Im Jahr 2020 übernahm Daniel Jeschonowski (Senator-Gruppe) das Unternehmen nach einer erneuten Schieflage. Trotz Restrukturierung und Neuausrichtung auf den Online- und Direktvertrieb blieb die wirtschaftliche Lage angespannt. Ende Februar 2026 musste die Geschäftsführung beim Amtsgericht Gera erneut Insolvenz anmelden.

Geordneter Rückzug bis zum Frühjahr

Die Abwicklung des Betriebs am Traditionsstandort Kahla bei Jena soll nun schrittweise erfolgen:

  • Reguläre Produktion: Wird bis Ende des laufenden Monats fortgeführt.
  • Veredelung und Dekoration: Die Arbeiten laufen noch bis zum Ende des Jahres.
  • Werks- und Onlineverkauf: Bleiben voraussichtlich noch bis März geöffnet, um verbleibende Bestände abzuverkaufen.

Krise der Keramik- und Porzellanindustrie in Deutschland

Das Aus von Kahla ist kein Einzelfall, sondern reiht sich in eine Serie von Werksschließungen und Pleiten in der deutschen Keramik- und Porzellanbranche ein. Auch andere renommierte Betriebe stehen unter enormem Druck: Der oberfränkische Großhersteller BHS tabletop schließt sein Traditionswerk in Schönwald aufgrund untragbarer Energiekosten. Die traditionsreiche Könitz Porzellan GmbH in Thüringen meldete nach 116 Jahren Insolvenz an. Auch der traditionsreiche sächsische Fliesenhersteller Panariagroup in Leisnig geriet durch Energiekostensprünge in Bedrängnis. (Quellen: Kahla/Thüringen Porzellan GmbH, tonline, Frankfurter Rundschau) (nmr)