„Keine ungefilterte Bühne“ für „Rechtsextreme“: Schüler fordern Stopp von logo!-AfD-Interview

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„Keine ungefilterte Bühne“ für „Rechtsextreme“: Schüler fordern Stopp von logo!-AfD-Interview

Nach AfD-Vorfall im KiKa: Petition vor Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern gestartet

Stand: 13.09.2026, 18:54 Uhr

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ZDF-Kindernachrichten logo! interviewten einen AfD-Politiker – jetzt hagelt es Beschwerden, Kritik vom Auschwitz-Komitee und eine Schüler-Petition.

Mainz – Die Frage, wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit extremen Parteien umgehen soll, ist keineswegs neu. Doch nach der Ausgabe der KiKa-Kindernachrichten logo! zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht das ZDF erneut unter starkem Druck. Grund dafür ist ein Gespräch mit dem sachsen-anhaltinischen AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund, das besonders in sozialen Medien scharfe Kritik auslöste.

Ulrich Siegmund (AfD), Spitzenkandidat und Co-Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt spricht im Wahlstudio des ZDF in der Messe. Am Sonntag (06.09.2026) wurde in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt.

Das Interview der Kindernachrichten logo! mit Ulrich Siegmund löste Kritik aus. (Archivbild) © Hendrik Schmidt/picture alliance/dpa

Trotz der Welle an Eingaben beim ZDF-Fernsehrat verteidigt die Redaktion ihre Sendung. Während Schülervertretungen bereits Konsequenzen für anstehende Wahlberichterstattung fordern, hat das ZDF offenbar die nächste Ausgabe mit dem AfD-Abgeordneten Enrico Schult geplant, wie das Kollektiv von Schülern angibt.

Kinderkanal und AfD: So lief das Interview mit Siegmund ab

Die beiden Kandidaten Sven Schulze (CDU) und Ulrich Siegmund (AfD) wurden von der sachsen-anhaltinischen Landesschülersprecherin Lucienne Balke separat interviewt. Später wurden die Antworten auf weitgehend gleichgestellte Fragen gegengeschnitten. Nachdem beide die Fragen nach ihren Lieblingsschulfächern beantwortet hatten, behandelte das Interview besonders die Schwerpunkte Homeschooling und Lehrermangel. Auch die Forderung der AfD, geflüchtete Kinder in Sonderklassen zu unterrichten, wurde in dem Interview erfragt. Initiativen wie etwa die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Berlin sahen in derartigen Forderungen die Gleichstellung von geflüchteten Kindern verletzt. Die Perspektive wurde redaktionell nicht in das Interview eingebracht.

Nach einer kleinen Meinungsumfrage zwischen den Spitzenkandidaten zu den Jugendwörtern des Jahres begründet Moderator Sherif Rizkallah die Entscheidung, einen Vertreter der AfD einzuladen. Die Partei spiele in Sachsen-Anhalt eine „große Rolle“, gleichzeitig sei sie „sehr umstritten“. Als er die Einstufung des Verfassungsschutzes für den Landesverband als gesichert rechtsextremistisch anspricht, verspricht er sich kurz und verweist auf die logo!-Website, auf welcher die Zuschauer dann herausfinden könnten, „was das genau bedeutet“.

Logo!-Interview mit AfD sorgt für Druck auf das ZDF

Der Beitrag stieß auf teils heftige Kritik: Wie die Berliner Zeitung berichtet, seien beim Fernsehrat des Senders mehr als 100 Beschwerden innerhalb von nur fünf Tagen eingegangen. Auf Plattformen wie X befinden sich unter anderem Kommentare, die das Interview als neuen „medialen Tiefpunkt“ erklären.

Auch Christoph Heubner äußerte heftige Kritik: „Herr Siegmund von der AfD darf nun auch im öffentlich-rechtlichen Kinderkanal von ARD und ZDF die dreisten und hetzerischen Angriffe seiner Partei gegen die Erinnerungskultur in Deutschland fortsetzen.“ Heubner ist Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, eines Zusammenschlusses von Auschwitz-Überlebenden und ihren Organisationen. Gegenüber der Jüdischen Allgemeinen betont er: „Die Überlebenden des Holocaust sind über die manipulativen Behauptungen Siegmunds ebenso entsetzt wie über die Leichtfertigkeit der Verantwortlichen beim Kinderkanal, einem ausgewiesenen Rechtsextremen dieses Forum zu bieten.“ Die Leiterin der ZDF-Kindernachrichten, Constanze Knöchel, bezog bereits auf LinkedIn Stellung.

Leiterin der logo!-Kindernachrichten bezieht Stellung: „Wir ringen um Formulierungen“

Auf der Plattform LinkedIn erklärt sie das Dilemma des ZDF: Wenn logo! mit Siegmund spreche, gebe es „empörte Mails, vielleicht Programmbeschwerden, wahrscheinlich ein Shitstorm“, werde er nicht eingeladen, drohe „Shitstorm 2.0“. Sie erklärt, dass Nachrichtenjournalismus über politische Entwicklungen informieren müsse, selbst wenn Parteien politisch umstritten seien. Knöchel betont: „Natürlich bedeutet das nicht, dass wir die AfD unkommentiert stehen lassen, natürlich ordnen wir ein, liefern Kontext und benennen Fakten.“

Zugleich deutet sie an, mit welcher Vorsicht berichtet werde: Die Redaktion beschäftige sich seit Wochen mit den Landtagswahlen. Sie erklärt: „Wir ringen um Formulierungen, wägen jedes Wort ab, drehen und wenden jeden Satz. Denn unser Anspruch ist hoch: Wir wollen politische Themen für Kinder verständlich machen, vereinfachen, ohne sie zu verfälschen. Klar, aber nicht wertend.“

AfD bei logo! – Schüler fordern Konsequenzen

Das „Kollektiv an Schüler*innen“ scheint damit nicht zufrieden zu sein. Auf der Website WeAct, übt das Kollektiv harsche Kritik: Schülersprecherin Lucienne sei medienpraktisch nicht auf die Interviewsituation vorbereitet worden. Die logo!-Redaktion habe Fragen vorgegeben, auf Faktenchecks verzichtet und die „Schülerin damit allein“ gelassen.

Nun sei geplant, anlässlich der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ein weiteres Interview nach demselben Prinzip zu führen. Laut der Petition sei der Interviewpartner AfD-Landeschef Enrico Schult. Der Landesschüler*innenrat (LSR) MV, hat Bedingungen an das ZDF formuliert, die das zweite Interview erfüllen muss. Diese habe das ZDF jedoch nicht rechtzeitig umsetzen können, weswegen der LSR das Interview abgesagt habe. Daraufhin sei die logo!-Redaktion selbst eingesprungen.

Die Petition fordert „politische Bildung, die Kinder wirklich stärkt. Vor und hinter der Kamera.“ Deswegen sollten KiKa und das ZDF das Interview aus Mecklenburg-Vorpommern nicht ausstrahlen. „Rechtsextreme Politiker dürfen in Kindernachrichten keine ungefilterte Bühne bekommen.“ Konkret fordern die Initiatoren eine Prüfung der Aussagen und journalistische Einordnung. (BZ, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, X, LinkedIn, WeAct, ZDF, logo!, LSR, Jüdische Allgemeine) (kox)