Nach dem 11. September 2001: Wie der ganze Landkreis Ebersberg mit den USA fühlte
Ein Blick ins Archiv der Ebersberger Zeitung zeigt, wie der Landkreis auf die Terroranschläge reagierte. Sechs Befragte waren sich einig: Absagen wäre ein Kniefall vor den Terroristen.
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Stand: 11.09.2026, 07:32 Uhr
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Ein Blick ins Archiv der Ebersberger Zeitung zeigt, wie der Landkreis vor 25 Jahren auf die Terroranschläge reagierte, die die Welt verändern sollten.
Landkreis – Am Morgen des 11. September 2001 war die Welt noch in Ordnung. Die Ebersberger Zeitung berichtete heute vor 25 Jahren über den Schulanfang und die Fortschritte beim Bau des Grafinger Seniorenhauses. Einen Tag später, am 12. September, war die Welt eine andere, auch im Landkreis. „Schock nach Horror-Anschlägen“ lautete die Überschrift im Lokalteil. Ein Blick ins Archiv zeigt, wie groß die Betroffenheit und Solidarität mit den terrorgebeutelten Vereinigten Staaten damals war.
Schockierte Rettungskräfte
Die Ebersberger Zeitung besucht noch am Tag der Anschläge die Bereitschaft des Roten Kreuzes, um ein Stimmungsbild der Retter einzufangen, die mit den Gedanken bei den Opfern und ihren Kollegen in den USA sind. Tenor: Dass die Sicherheitskräfte vor Ort vor „einer fast unlösbaren Aufgabe stehen“. „Der pure Wahnsinn, was dort passiert“, sagt einer dem EZ-Reporter von damals.
Über die nächsten Tage drückt der gesamte Landkreis seine Betroffenheit aus. Die Gemeinderäte von Poing, Egmating und Aßling etwa gedenken in ihren Sitzungen der Opfer. Grafing und Markt Schwaben legen Kondolenzbücher aus, Glonn veranstaltet einen Schweigemarsch. Der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde in Ebersberg äußert sich entsetzt über die islamistisch motivierten Gewalttaten: „Diese Leute machen die ganze Welt kaputt. Damit wollen wir nichts zu tun haben.“ Die damals noch bestehende Basis der US-Streitkräfte im nahen Bad Aibling igelt sich völlig ein, lässt auf absehbare Zeit niemand Externes aufs Gelände.
Gedenkveranstaltungen und die einhellige Meinung: Das Oktoberfest soll stattfinden
In Kirchseeon findet noch am Abend des 11. September 2001 ein Gottesdienst für die Opfer und deren Angehörige statt. Das Grafinger Gymnasium veranstaltet eine Gedenkfeier und plant, eine Erinnerungstafel aufzustellen. In der Ebersberger Realschule wollte Rektor Dieter Kämpf die Anschläge im Unterricht besprechen. Die Schüler der Steinhöringer Volksschule brechen zu einem Schweigemarsch auf und die Schüler der Poinger Realschule erstellen durch Briefe und Bilder ein „Buch der Betroffenheit“ für das amerikanische Konsulat in München.
Die SPD Vaterstetten verschiebt ihr Herbstfest, das alte Kino in Ebersberg sagt sein Saisoneröffnungsfest ab. Die Ebersberger Zeitung macht eine Umfrage: „Die Wiesn absagen?“ Die sechs Befragten sind sich aber einig: Die Wiesn solle nicht ausfallen. Das würde einem „Kniefall vor den Terroristen gleichkommen“, findet etwa ein Student aus Vaterstetten.
Auch in den Folgetagen gibt es immer wieder Aktionen, die ein Zeichen gegen den Terror setzen. Der damalige Forstinninger Diakon Dietmar Pohl verfasst für die EZ ein Wort zum Sonntag. „Blindwütige Rache“ sei die „unheilvollste Reaktion der Machthaber“, warnt er. Wer etwas gegen Terrorismus tun wolle, der müsse sich „für Freiheit, Gerechtigkeit und Verwirklichung der Menschenrechte einsetzen“.