Nach der Schlappe im Ständerat: Das UBS-Lager plant einen neuen Kompromiss
Nach der Schlappe im Ständerat: Das UBS-Lager plant einen neuen Kompromiss – die Börse wettet auf einen WegzugBürgerliche Nationalräte nehmen einen weiteren Anlauf im Streit um das Eigenkapital. Sie kritisieren...
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Nach der Schlappe im Ständerat: Das UBS-Lager plant einen neuen Kompromiss – die Börse wettet auf einen Wegzug
Bürgerliche Nationalräte nehmen einen weiteren Anlauf im Streit um das Eigenkapital. Sie kritisieren die «unverhältnismässigen Mehrkosten» für die Grossbank.
26.09.2026, 21.45 Uhr
4 Leseminuten

Der UBS-Chef Sergio Ermotti hat im Ständerat eine Niederlage eingefahren.
Andreas Becker / Keystone
Ausgerechnet am Abend vor dem Showdown im Eigenkapitalstreit begegneten sich der UBS-Chef Sergio Ermotti und Finanzministerin Karin Keller-Sutter im Zürcher Kongresshaus. Die Bundesrätin verfolgte am Dienstag Ermottis Auftritt aus dem Publikum. Der Bankchef verliess das Gebäude anschliessend kommentarlos durch den Hinterausgang. Vielleicht ahnte er da bereits, dass Keller-Sutter nicht nur am Finance-Forum, sondern auch am nächsten Tag im Ständerat das letzte Wort haben würde.
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Dort triumphierte die Bundesrätin. Mit 33 zu 10 Stimmen bei 2 Enthaltungen votierten die Ständeräte für einen harten Kurs.
Keller-Sutter sieht sich durch das deutliche Votum bestätigt. Am Samstag legte die Bundesrätin im Interview mit der CH-Media-Gruppe nach. Die Bank sei «auf Tutti gegangen», indem sie die Vorschläge des Bundesrats als extrem bezeichnet habe. «Wahrscheinlich in der Annahme, dass sie sich im Parlament ohnehin durchsetzt. Das war ja früher immer so.»
Doch das letzte Wort in der Debatte dürfte noch nicht gesprochen sein. Im bürgerlichen Lager des Nationalrats formiert sich bereits Widerstand gegen den Entscheid des Ständerats.
Das UBS-Lager im Parlament plant den Gegenschlag
Mehrere FDP- und SVP-Parlamentarier wollen in der Wintersession Anfang Dezember den eingeschlagenen Kurs korrigieren, wenn die grosse Kammer die Lex UBS voraussichtlich als Zweitrat debattiert. Ein langjähriges Ratsmitglied sagt, die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerates (WAK-S) habe mit ihrem gescheiterten Kompromissvorschlag keine gute Figur gemacht.
Das neue Ziel des UBS-Lagers lautet: ein Kompromiss, der irgendwo zwischen der Lösung der WAK-S (50 Prozent Eigenmittelunterlegung von Auslandtöchtern) und dem Vorschlag des Ständerates (90 Prozent) liegt. Der Zürcher FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann hat bereits einen Vorschlag geschrieben, den er demnächst der freisinnigen Bundeshausfraktion vorlegen will. Dieser sieht vor, die Auslandsbeteiligungen zu 75 statt zu 90 Prozent mit hartem Eigenkapital zu unterlegen.
Der Politiker mit jahrelanger Bankenerfahrung sagt gegenüber der «NZZ am Sonntag», viele seiner Ratskollegen wollten weg von den beiden Extrempositionen: «Es gibt den Wunsch nach einem echten Kompromiss.»
Die umstrittenen AT1-Krisenanleihen bleiben in Portmanns Vorschlag Teil der Lösung. Sie sollen jedoch die Eigenkapitalbasis der gesamten Bank stärken – unabhängig davon, in welchem Geschäftsbereich die Krise ausbricht. «Es war ein Fehler, dass sich die Ständeratskommission nur auf die ausländischen Beteiligungen konzentriert hat», sagt er. Eine Finanzkrise könne auch im Inland ihren Anfang nehmen, etwa am Schweizer Immobilienmarkt.

Hans-Peter Portmann.
Keystone
Portmann fordert zudem, dass die Kapitalvorschriften für alle systemrelevanten Banken der Schweiz gälten – also neben der UBS auch für die Zürcher Kantonalbank, Postfinance und Raiffeisen.
Auch der FDP-Nationalrat Marcel Dobler drängt auf einen neuen Kompromiss. Er sitzt in der Wirtschaftskommission, die sich am 26. und 27. Oktober mit der «Lex UBS» befassen wird, und sagt: «Der Ständerat geht mir mit den 90 Prozent Eigenkapitalunterlegung zu weit.» Für hypothetisch mehr Sicherheit entstünden «unverhältnismässige Mehrkosten». Es sei ein Irrglaube, dass eine 100-prozentige Eigenkapitalunterlegung der Auslandtöchter auch 100 Prozent Sicherheit schaffe. «Bei einem Bankrun hilft auch das nicht.»
Dobler betont, er habe sich noch nicht mit seinen Fraktionskollegen abgesprochen und werde sich seine abschliessende Meinung erst nach den Anhörungen bilden. «Aber wenn ich heute einen Kompromiss vorschlagen müsste, würde ich auch bei einer Unterlegung von 75 Prozent landen.»
Ebenfalls in Stellung bringt sich die SVP. Laut dem Nationalrat und Bankunternehmer Thomas Matter erwägt die Partei einen eigenen Kompromissvorschlag. Matter fordert zudem, dass die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrates neben Keller-Sutter auch die UBS und Vertreter der Finanzbranche noch einmal anhöre. Die Finanzplatzvertreter sollen darlegen, welche Folgen der Entscheid des Ständerates hätte.
Wegzug, Übernahme oder Kröte schlucken?
Die UBS selbst muss sich aber schon jetzt mit ihrem Worst-Case-Szenario auseinandersetzen: einer Niederlage auch im Nationalrat. Denn die grosse Kammer gilt kaum als finanzplatzfreundlicher als die kleine. Auf Anfrage der «NZZ am Sonntag» wollte sich die Bank nicht zu ihrem weiteren Vorgehen äussern.
Je kleiner die Hoffnung auf einen politischen Ausweg wird, desto drängender stellt sich für die Bank die Frage, wie sie mit den Konsequenzen umgehen will.
Am Ende bleiben der UBS voraussichtlich drei Möglichkeiten: Sie schluckt die Kröte. Sie verlegt ihren Sitz ins Ausland – aus eigener Kraft oder durch einen Zusammenschluss mit einer ausländischen Bank. Oder sie wird zum Übernahmeziel.
Viel Spielraum, ihre Kapitalsituation zu optimieren, bleibt der UBS laut Experten nicht. Einige technische Hebel gebe es zwar noch. Doch allzu aggressive Optimierungsmanöver dürften rasch die Behörden und Rating-Agenturen auf den Plan rufen.
Das Szenario eines Zusammenschlusses, etwa mit Morgan Stanley, bewegte am Freitag die Börse, nachdem das amerikanische Nachrichtenportal «Semafor» darüber berichtet hatte. «UBS considers an exit from Switzerland», schrieb das Portal in einer knappen Meldung. Der Aktienkurs der UBS stieg darauf um 3,5 Prozent.
Eine eigentliche Übernahme wäre für eine Konkurrentin allerdings teuer: Die UBS wird derzeit deutlich über ihrem Buchwert bewertet.
Die Möglichkeit eines Umzugs hat die Bank bisher öffentlich von sich gewiesen. Sie betonte stets, ihre Zukunft in der Schweiz zu planen. Auch Keller-Sutter glaubt nicht an einen Wegzug der UBS. «Wenn sie die Schweiz verlassen würde, wäre das viel teurer und rechtlich sehr komplex. Dann wäre sie auch keine Schweizer Bank mehr.»
Gespräche der «NZZ am Sonntag» mit Quellen aus dem Umfeld der Bank zeigen jedoch, dass ein Wegzug hinter den Kulissen zumindest aus finanzieller Sicht keineswegs als undenkbar gilt. Es gebe durchaus Möglichkeiten, den Hauptsitz zu verlagern, ohne dass die Kosten aus dem Ruder liefen, sagt eine gut informierte Person.
Natürlich wären steuerliche, rechtliche und organisatorische Probleme zu lösen. Unüberwindbar seien diese Hürden aber nicht. Schweizer Unternehmen hätten immer wieder Strukturen geschaffen, bei denen Geschäftsaktivitäten über mehrere Länder verteilt seien.
Wie kostspielig ein Wegzug für die UBS würde, hängt allerdings nicht allein von den Eigenkapitalvorschriften ab. Denn diese sind bei weitem nicht der einzige Streitpunkt. Je schärfer das Parlament auch bei den übrigen Vorschriften vorgeht, desto attraktiver könnte ein anderer Standort aus Sicht der UBS-Aktionäre werden.
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