Nach Drohnenangriff in Leipzig: Ein Draht nach Moskau
Gibt es belastbare Kontakte nach Russland? Um eine ungewollte militärische Eskalation zu vermeiden, reicht es nicht, nur auf Abschreckung zu setzen. Alle Wege führen nach Rom, alle Drähte wohl nach ...
- 3 min read
Gibt es belastbare Kontakte nach Russland? Um eine ungewollte militärische Eskalation zu vermeiden, reicht es nicht, nur auf Abschreckung zu setzen.
Foto: Ulf Mauder/dpa
D ie Bundesregierung reagiert durchaus maßvoll auf die Geschehnisse am Leipziger Flughafen, für die sie nun Russland verantwortlich macht. Es ist richtig, dass die Beratungen im Nato-Rat am Mittwoch nicht als Konsultationen nach Artikel 4 des Militärbündnisses bezeichnet wurden – obwohl die Gespräche praktisch auf dasselbe hinausliefen. Man mag dies für reine Symbolik halten, doch genau darauf kommt es an, wenn man das Risiko weiterer militärischer Eskalation so gut es geht minimieren möchte.
Wenn wirklich Russland hinter dem versuchten Angriff in Deutschland steckt, steht deshalb noch eine größere Frage im Raum: Gibt es belastbare informelle Gesprächskontakte der deutschen Sicherheitsbehörden nach Russland? Wie begegnet die Regierung der nicht zu unterschätzenden Gefahr einer ungewollten militärischen Eskalation des Ukrainekriegs auf ganz Europa?
Eine Sicherheitspolitik, die ausschließlich auf Abschreckung zielt, wird keine Sicherheit bieten. Denn wenn man eine Sache aus dem Kalten Krieg gelernt hat, dann ist es doch die, dass allem Zündeln zum Trotz der Griff zum Telefon schreckliche Tragödien verhindern kann. Steht so ein Telefon auch in Deutschland irgendwo?
Einem Irren wie Wladimir Putin, der von einem Atomschutzbunker aus einen blutrünstigen Krieg gegen die Ukraine führt und sich darin längst verrannt hat, ist mit Abschreckung nicht beizukommen – er ist schon paranoid. Doch nicht alle im russischen Sicherheitsapparat werden so suizidal unterwegs sein wie der Präsident. Kontakt zu denen, die anders denken, muss der Westen suchen – für die Ukraine und für die eigene Sicherheit.
Wir leben erstmals wieder in einer Zeit ohne irgendeine Form der gegenseitigen Rüstungskontrolle zwischen Russland und der Nato. Aus einem Drohnen-Überflug, einem gescheiterten Angriff wie in Leipzig, aber auch aus einem Missverständnis heraus könnte eine Kaskade entstehen, die nicht mehr einzufangen ist. Um das zu verhindern, tragen auch Deutschland und der Westen eine Verantwortung.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion.
Jetzt unterstützen
Cem-Odos Güler
Redakteur
Berichtet seit 2023 als Korrespondent im Parlamentsbüro der taz über Verteidigungsthemen und die SPD. Studium der Sozialwissenschaften und Volkswirtschaftslehre in Köln, Moskau und London.
Sanktionen gegen Russland
Viel Druck, wenig Wirkung
Nach dem Drohnenfund in Leipzig möchte Deutschland den Druck auf Putins Schattenflotte erhöhen. Bisher blieb der Druck auf Russlands Energiegeschäft begrenzt.
Von Mathias Brüggmann
Bundesregierung beschuldigt Russland
Kein Krieg, aber Kriegsziel
Vier Wochen nach dem gescheiterten Sprengstoffanschlag in Leipzig nennt die Bundesregierung Russland als Verantwortlichen. Überrascht ist kaum jemand.
Von Frederik Eikmanns und Tanja Tricarico
Drohnen auf Leipziger Flughafen
Bundesregierung: Russland steckt hinter Sprengstoff-Drohne
Die Bundesregierung macht Russland für den versuchten Anschlag in Leipzig verantwortlich. Berlin verhängt deshalb neue Strafmaßnahmen gegen Russland.
10 Ausgaben für 10 Euro
Die Wochenzeitung mit taz-Blick
Wir schauen den Superreichen auf die Finger. Unsere wochentaz bietet jeden Samstag Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die woanders nicht gehört werden.
- Jeden Samstag als gedruckte Zeitung frei Haus
- Zusätzlich digitale Ausgabe inkl. Vorlesefunktion
Jetzt kennenlernen