Nach EU-Kritik an LNG-Hilfe für Russland: Jetzt schlägt die dänische Werft zurück

Der Streit um die dänische Werft Fayard spitzt sich zu. Jüngste Schiffsverfolgungsdaten des Anbieters MarineTraffic deuten darauf hin, dass bereits der nächste Spezialtanker für Russlands LNG-Exporte vor einem ...

  • 5 min read
Nach EU-Kritik an LNG-Hilfe für Russland: Jetzt schlägt die dänische Werft zurück

Der Streit um die dänische Werft Fayard spitzt sich zu. Jüngste Schiffsverfolgungsdaten des Anbieters MarineTraffic deuten darauf hin, dass bereits der nächste Spezialtanker für Russlands LNG-Exporte vor einem Werftaufenthalt steht.

Demnach liegt der Arc7-Eisbrecher-Tanker „Georgiy Brusilov“ derzeit in der Nähe der dänischen Stadt Munkebo vor Anker, wo sich auch die Fayard-Werft befindet. Die Werft gilt als letzte in der EU, die noch immer Wartungsarbeiten an Schiffen durchführt, die Flüssigerdgas aus der russischen Yamal-Anlage transportieren.

Gleichzeitig eskaliert der öffentliche Konflikt zwischen der Werft und mittlerweile 105 Europaabgeordneten aus 17 Ländern. Während die Politiker Fayard auffordern, keine weiteren Tanker für Russlands LNG-Exporte mehr zu warten, verteidigt die Werft ihre umstrittenen Arbeiten erstmals ausführlich. Der Berliner Zeitung liegen sowohl das Schreiben des Unternehmens als auch die Reaktion der Parlamentarier vor.

Zweiter Arc7-Tanker erreicht dänische Gewässer

Derzeit liegt der Arc7-Tanker „Rudolf Samoylovich“ im Trockendock zur Wartung in der Fayard-Werft. Die „Georgiy Brusilov“ befindet sich jedoch in unmittelbarer Nähe. Laut der Umweltorganisation Urgewald spricht dies dafür, dass die „Georgiy Brusilov“ unmittelbar nach Abschluss der laufenden Arbeiten in die Werft einlaufen könnte. Bestätigt ist dies bislang jedoch nicht.

Die Arc7-Tanker gelten als Rückgrat der russischen LNG-Exporte aus der Arktis. Dank ihrer speziellen Eisbrecher-Technik können sie ganzjährig das Yamal-LNG-Projekt in Sibirien anlaufen. Weltweit existieren lediglich 16 dieser Spezialtanker. 14 werden für die Yamal-Anlage eingesetzt, zwei weitere für Arctic LNG 2. Laut Urgewald werden viele der Tanker von westlichen Unternehmen betrieben, versichert oder logistisch unterstützt. Denn wegen ihrer hoch spezialisierten Technik können sie nur auf wenigen Werften gewartet werden.

105 Europaabgeordnete fordern Wartungsstopp

Da Wartungsarbeiten an diesen Schiffen nach den EU-Sanktionen ab dem 1. Januar 2027 verboten werden, bewerten Politiker die gegenwärtigen Dockaufenthalte als besonders kritisch. Inzwischen haben 105 Abgeordnete aus 17 europäischen Ländern einen offenen Brief an Fayard unterzeichnet. Darunter befinden sich nach Angaben der Initiatoren auch vier Vizepräsidenten des EU-Parlaments sowie Vertreter von sechs Fraktionen.

Die Abgeordneten fordern die Werft auf, keine weiteren Wartungsarbeiten an den Arc7-Tankern anzunehmen. Nach ihrer Ansicht könnten die heutigen Wartungen die Tanker noch über Jahre einsatzfähig halten. Sie würden damit auch nach Inkrafttreten des vollständigen EU-Verbots für russisches LNG und entsprechende Wartungsarbeiten weiterfahren können.

„Hier geht es nicht nur um wirtschaftliche Belange. Es geht um die Sicherheit Europas, die Glaubwürdigkeit Dänemarks und die Solidarität mit der Ukraine“, heißt es in dem offenen Brief.

105 Abgeordnete aus 17 europäischen Ländern – darunter vier Vizepräsidenten des EU-Parlaments (siehe Bild) – fordern Fayard auf, die Wartungen an Arc7-Tankern zu stoppen.

105 Abgeordnete aus 17 europäischen Ländern – darunter vier Vizepräsidenten des EU-Parlaments (siehe Bild) – fordern Fayard auf, die Wartungen an Arc7-Tankern zu stoppen.

© Virginia Mayo/AP/dpa

Dänische Werft Fayard weist die Vorwürfe zurück

In einem Schreiben an die Unterzeichner des offenen Briefes weist Fayard die Kritik entschieden zurück. Die Werft betont, sämtliche Arbeiten erfolgten im Einklang mit geltendem EU-Recht. Man unterhalte keine Geschäftsbeziehungen mit Russland und erbringe auch keine Dienstleistungen für die sogenannte russische Schattenflotte.

Stattdessen verweist das Unternehmen auf die fortgesetzten LNG-Importe der EU. Tatsächlich importierte die EU im ersten Halbjahr 2026 so viel LNG aus Yamal wie nie zuvor. Solange Europa russisches Flüssigerdgas aus dem Yamal-Projekt importiere, müssten die dafür eingesetzten Schiffe aus Gründen der Sicherheit und des Umweltschutzes regelmäßig gewartet werden, erklärt Fayard.

„Als privates Unternehmen legen wir weder die Außen- noch die Energiepolitik fest. Wir richten uns nach den Entscheidungen, die Sie als Politiker treffen“, schreibt Fayard. Die Werft argumentiert zudem, nicht sie halte den Handel mit russischem LNG aufrecht, sondern die EU als Käufer des Gases. „Die Schiffe der Arc7-Flotte, die wir gewartet haben, befinden sich im Besitz von amerikanischen, europäischen und/oder asiatischen Reedereien und werden von diesen betrieben.“

Das LNG aus dem russischen Yamal-Projekt, das die Schiffe importierten, wurde „an Sie in Frankreich, an Sie in Belgien und an Sie in den Niederlanden geliefert, bevor das Schiff bei Fayard eintraf“, schreibt Fayard in seiner Antwort an die Politiker.

Zugleich widerspricht das Unternehmen dem Vorwurf, als einzige europäische Werft entsprechende Arbeiten auszuführen. Auch andere Werften in Europa hätten Schiffe gewartet, die Energieprodukte wie Öl und Gas sowie Stahl und Eisen aus Russland transportierten. Im Einklang mit den beschlossenen EU-Regeln werde Fayard die Wartung entsprechender LNG-Tanker jedoch „noch in diesem Jahr einstellen“, versicherte die dänische Werft.

EU-Politiker kontern: „Legal und legitim nicht dasselbe“

Die Abgeordneten zeigen sich von dieser Argumentation offenbar nicht überzeugt. Der dänische Europaabgeordnete Villy Søvndal räumt zwar ein, dass Fayard derzeit legal handle und seine frühere Einordnung der Arc7-Tanker als Teil der russischen Schattenflotte falsch gewesen sei.

Dennoch hält er an seiner Kritik fest. „Legal und legitim sind nicht dasselbe“, schreibt Søvndal in einem Beitrag auf Facebook. Die EU-Sanktionen spiegelten häufig lediglich den kleinsten gemeinsamen Nenner der Mitgliedstaaten wider. Dass eine Tätigkeit derzeit noch erlaubt sei, bedeute nicht automatisch, dass sie politisch oder strategisch sinnvoll sei.

Nach Ansicht der Parlamentarier handelt es sich bei den Arbeiten in Munkebo zudem nicht um kurzfristige Sicherheitsreparaturen, sondern um planmäßige Generalüberholungen. Gerade deshalb seien sie so bedeutsam: Nach Einschätzung von Urgewald werden die Arc7-Tanker etwa alle drei Jahre umfassend gewartet. Eine Überholung im Sommer 2026 könnte die Schiffe deshalb noch über Jahre einsatzfähig halten – und damit weit über den Beginn des EU-Verbots hinaus.

Ob die „Georgiy Brusilov“ tatsächlich als nächstes Schiff in das Trockendock einlaufen wird, ist bislang offen. Sollte dies geschehen, dürfte der politische Druck auf Fayard jedoch weiter zunehmen.

Lesen Sie mehr zum Thema