Nach Horror-Sturz im Training: Hamburger kämpft bei Ironman-WM um den Titel

KI-Stimme. InfoNoch sind nicht alle Wunden verheilt. „Ein paar Schürfwunden sieht man noch“, berichtet Lars Wichert, viermaliger Ruderweltmeister im Leichtgewicht, von seinem noch immer lädierten Körper. „Am El...

  • 4 min read
Nach Horror-Sturz im Training: Hamburger kämpft bei Ironman-WM um den Titel

KI-Stimme. Info

Noch sind nicht alle Wunden verheilt. „Ein paar Schürfwunden sieht man noch“, berichtet Lars Wichert, viermaliger Ruderweltmeister im Leichtgewicht, von seinem noch immer lädierten Körper. „Am Ellenbogen ist noch eine, die durch die Bewegung immer wieder aufgeht. Das ist vor allem beim Schwimmen noch nicht optimal.“

Der 39-Jährige ist nach seiner aktiven Karriere zum Triathlon gewechselt und hat sich auf der Langdistanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,195 Kilometer Laufen) zu einem der besten Amateursportler der Welt entwickelt. 2021 und 2024 gewann er den Ironman in Hamburg. An diesem Sonnabend (19 Uhr/Livestream im ZDF) steht er bei der Weltmeisterschaft auf Hawaii an der Startlinie. Dass er es bis dahin schaffen würde, war vor Kurzem noch mehr als fraglich.

Ironman-WM: Hamburger Lars Wichert kämpft auf Hawaii um den Titel

Bei einer Trainingsfahrt in der Nähe seiner Heimat Asendorf touchierte ihn ein Motorradfahrer, als Wichert gerade mit 55 Kilometern pro Stunde bergabfuhr, und brachte ihn damit zu Fall. Es ist ein kleines Wunder, dass sich der gebürtige Berliner bei dem Sturz „nur“ einige Prellungen und schwere Hautabschürfungen zugezogen hat. Das Krankenhaus in Winsen konnte er nach einer Nacht wieder verlassen. Nach einer kurzen Zwangspause konnte er langsam wieder ins Training starten.

„Das hätte deutlich schlimmer ausgehen können“, weiß er. Die rechtlichen Fragen des Unfalls müssen noch geklärt werden. Wichert meint, der Motorradfahrer habe ihn mit zu geringem Abstand überholt, und hat einen Anwalt eingeschaltet. Bei dem Sturz zerbrach sein Helm, der ihm womöglich das Leben rettete. Außerdem wurde sein 18.000 Euro teures Rennrad beschädigt.

Unfall im Training: 18.000 Euro teures Rennrad beschädigt

Weil das Sportgerät Teil des Verfahrens und noch nicht repariert worden ist, hat Wichert von einem Hersteller ein neues gestellt bekommen. „Die Vorbereitung lief natürlich nicht optimal, aber ich bin froh, halbwegs gesund hier zu sein.“ Unter den Nicht-Profis, den sogenannten „Agegroupern“, gehört der ehemalige Olympionike trotzdem zu den Favoriten auf die vorderen Plätze. Manche Prognosen zählen ihn sogar zu den Topanwärtern auf den WM-Titel.

„Es schmeichelt mir, aber ich sehe mich nicht als Favoriten. Mein Ziel ist es, unter die besten fünf zu kommen. Das wäre in diesem Jahr ein riesiger Erfolg für mich“, sagt Wichert. „Jeder weitere Schritt nach oben wäre dann umso schöner. Ich möchte ein Rennen machen, auf das ich hinterher zufrieden zurückblicken kann.“

Ironman-Weltmeister Stornes stürzte im Training schwer

Wichert startet zum vierten Mal bei der Ironman-WM, die in diesem Jahr wieder als gemeinsames Rennen der Männer und Frauen stattfindet. In den vergangenen Jahren fand die Weltmeisterschaft abwechselnd für ein Geschlecht in Nizza statt. Wichert, der mit 7:50:42 Stunden die zweitbeste Zielzeit eines Agegroupers hält, ist zum dritten Mal auf Hawaii am Start.

Triathlon Lars Wichert

Lars Wichert gewann 2024 den Ironman in Hamburg. Auch 2021 war er der Sieger.© WITTERS | Frank Peters

„Die Windbedingungen sind aktuell extrem, das macht die Abfahrten wirklich gefährlich“, befürchtet er. Die stürmischen Böen hatten in den vergangenen Tagen bereits für einige Stürze auf der Insel gesorgt. Der prominenteste Ausfall war der des Norwegers Casper Stornes. Der Titelverteidiger brach sich ein Schlüsselbein und einen Lendenwirbel.

Ironman-WM auf Hawaii: Wichert schwört auf Pizza Diavola und Nudeln

Wichert und die anderen Athleten sind also gewarnt. Dabei ist der Norddeutsche nicht nur privat, sondern zumindest in Teilen auch beruflich auf der Insel. Als Mitarbeiter der Firma Topteam, die unter anderem Sportreisen für Triathleten organisiert, hat er in den vergangenen Tagen zeitweise die 30 Sportler, die mit dem Unternehmen vor Ort sind, betreut.

„Dadurch war echt viel los, aber jetzt kurz vor dem Rennen ist es etwas ruhiger geworden.“ Sein Hauptfokus liegt jetzt vor allem auf einer Tätigkeit: essen. „Die Kohlenhydratspeicher müssen gefüllt werden“, sagt er, der aber aus der Ernährung keine Wissenschaft macht, sondern mit einer Mischung aus Gefühl und Erfahrung den Teller füllt. Hauptspeise sind dabei vor allem Nudeln.

Lesen Sie auch

„Eigentlich esse ich am Abend vor einem Rennen immer eine Pizza Diavola. Mal gucken, ob ich die hier auch bekomme“, sagt er und lacht. Einen Tag nach dem Rennen steigt er schon wieder ins Flugzeug in Richtung Heimat. „In Niedersachsen beginnen am Montag die Herbstferien – und da freuen sich meine drei Kinder auf ihren Papa.“