Nach Insolvenz: Maschinenbauer seit 1907 verwurzelt – jetzt fällt fast jede dritte Stelle weg

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Nach Insolvenz: Maschinenbauer seit 1907 verwurzelt – jetzt fällt fast jede dritte Stelle weg

Stand: 03.10.2026, 12:24 Uhr

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Seit 1907 ist der Familienbetrieb im Sauerland verwurzelt. Nun scheint seine Zukunft gesichert – doch für einen erheblichen Teil der Belegschaft hat die Rettung einen hohen Preis.

München – Die Sanierung des Sauerländer Traditionsunternehmens Paul Köster fordert einen hohen Preis. Der insolvente Maschinenbauer aus Medebach baut 90 Arbeitsplätze ab. 212 Stellen sollen nach Angaben der begleitenden Restrukturierungsberater erhalten bleiben. Damit verliert ein erheblicher Teil der Belegschaft seinen Arbeitsplatz.

Paul Köster in Medebach: Der insolvente Sondermaschinenbauer baut im Zuge seiner Sanierung 90 Arbeitsplätze ab. 212 Stellen sollen am Sauerländer Standort erhalten bleiben.

Paul Köster in Medebach: Der insolvente Sondermaschinenbauer baut im Zuge seiner Sanierung 90 Arbeitsplätze ab. 212 Stellen sollen am Sauerländer Standort erhalten bleiben. © Bernd Weißbrod/dpa

Der Stellenabbau sei notwendig, um die Kosten an die künftig erwarteten Umsätze anzupassen und den Betrieb fortführen zu können. Für die Betroffenen soll eine Transfergesellschaft eingerichtet werden. Dort sollen sie unter anderem durch Weiterbildungen und Unterstützung bei der Jobsuche möglichst schnell eine neue Beschäftigung finden.

Paul Köster streicht 90 Stellen – 212 Arbeitsplätze bleiben

Ganz ohne Perspektive steht der 1907 gegründete Familienbetrieb damit allerdings nicht da. Nach Angaben der Sanierungsberater ist es gelungen, den Geschäftsbetrieb während des Insolvenzverfahrens vollständig aufrechtzuerhalten. Nun soll das Unternehmen mit einer deutlich kleineren Kostenstruktur fortgeführt werden.

Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags im Juni beschäftigte Paul Köster noch rund 320 Menschen. Aktuell sollen nach dem Stellenabbau 212 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Die Sanierung ist allerdings noch nicht abgeschlossen. In den kommenden Wochen soll ein Insolvenzplan vorgelegt werden, mit dem das Verfahren nach derzeitiger Planung im Januar 2027 beendet werden könnte.

Maschinenbauer beantragte im Juni Insolvenz in Eigenverwaltung

Paul Köster hatte am 8. Juni beim Amtsgericht Arnsberg ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Hintergrund war damals eine drohende Zahlungsunfähigkeit. Zum 1. September wurde das Verfahren offiziell eröffnet und die Eigenverwaltung angeordnet.

Dabei bleibt die Geschäftsführung im Amt und führt das Unternehmen selbst weiter, wird aber von Restrukturierungsexperten begleitet und von einem gerichtlich bestellten Sachwalter überwacht. Ziel war von Beginn an, den Standort Medebach und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

Gleichzeitig soll das Geschäftsmodell breiter aufgestellt werden. Paul Köster ist auf Sondermaschinenbau spezialisiert und entwickelt unter anderem Anlagen für Dichtheitsprüfungen, Montagetechnik und Automation. Ein erheblicher Teil des Geschäfts hängt bislang an der Automobilindustrie.

Auftragsrückgang aus Autoindustrie brachte Paul Köster in Not

Genau diese Abhängigkeit wurde in den vergangenen Monaten zum Problem. Das Unternehmen nennt einen erheblichen und plötzlich eingetretenen Auftragsrückgang vor allem aus der Automobilindustrie als zentralen Auslöser der finanziellen Schwierigkeiten.

Hinzu kamen höherer Preisdruck, gestiegene Kosten und eine schrumpfende Kundenbasis. Mehrere Stammkunden waren in den vergangenen zwei Jahren selbst in die Insolvenz geraten. Für einen Sondermaschinenbauer, dessen Anlagen häufig speziell für einzelne Kunden und Produktionsprozesse entwickelt werden, lassen sich solche Ausfälle nicht kurzfristig durch andere Aufträge ersetzen.

Paul Köster rechnet deshalb auch in den kommenden Jahren mit niedrigeren Umsätzen. Die Kosten müssen entsprechend sinken. Der Abbau der 90 Stellen ist Teil dieser Anpassung.

Auszubildende dürfen bei Paul Köster bleiben

Für eine Gruppe innerhalb der Belegschaft gibt es dagegen eine wichtige Zusage: Sämtliche bestehenden Ausbildungsverhältnisse sollen fortgeführt werden. Die jungen Beschäftigten können ihre Ausbildung bei Paul Köster damit trotz Insolvenz und Personalabbau beenden.

Auch das deutet darauf hin, dass die Geschäftsführung langfristig mit einer Fortführung am Standort Medebach plant. Gleichzeitig soll die Produktpalette verbreitert werden, um neue Kunden außerhalb der bisherigen Schwerpunkte zu gewinnen und die Abhängigkeit von einzelnen Branchen zu reduzieren.

Für die 90 Beschäftigten, deren Stellen wegfallen, ändert diese Perspektive allerdings wenig. Die geplante Transfergesellschaft soll ihnen den Übergang erleichtern und durch Qualifizierungen sowie Unterstützung bei Bewerbungen neue Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnen. (Quellen: Paul Köster GmbH, WDR) (mare)