Nach Landtagswahl: Hendrik Wüst warnt vor AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt

„Entzaubern“ funktioniert nicht, sagt der NRW-Regierungschef Wüst. Die SPD attestiert der Union ein „Merz“-Problem. Die AfD wiederum will im Wahlkampf nun auch auf mehr Personalisierung setzen. So blickt NRW auf die Wahl in Sachsen-Anhalt.

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Nach Landtagswahl: Hendrik Wüst warnt vor AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt

Nach Landtagswahl Hendrik Wüst warnt vor AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt

07.09.2026 · 19:59 Uhr

 Stefan Evers (r.), CDU-Spitzenkandidat in Berlin, und Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, geben nach einem Wahlkampftermin am Brandenburger Tor ein Pressestatement.

Stefan Evers (r.), CDU-Spitzenkandidat in Berlin, und Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, geben nach einem Wahlkampftermin am Brandenburger Tor ein Pressestatement.

Foto: Fabian Sommer/dpa/Fabian Sommer

Düsseldorf · „Entzaubern“ funktioniert nicht, sagt der NRW-Regierungschef Wüst. Die SPD attestiert der Union ein „Merz“-Problem. Die AfD wiederum will im Wahlkampf nun auch auf mehr Personalisierung setzen. So blickt NRW auf die Wahl in Sachsen-Anhalt.

Am Tag nach der historischen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben weite Teile der nordrhein-westfälischen Landespolitik mit Bestürzung auf den Erdrutschsieg der AfD reagiert. Im bevölkerungsreichsten Bundesland wird im kommenden April ein neuer Landtag gewählt. In Berlin äußerte sich NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) bei einem Wahlkampfbesuch: „Wir dürfen jetzt nicht naiv sein und glauben, die AfD würde sich irgendwie schon von selbst entzaubern“, warnte er. „Wir haben gestern oft das Wort der Zäsur gehört“, sagte er. Es könne jetzt „kein Zurück zur Normalität, zum Alltag geben“, mahnte der NRW-Regierungschef. „Dass die Bundespolitik eine große Rolle gespielt hat, ist ja nicht zu leugnen.“

Wüst bemühte sich jedoch, Debatten um personelle Konsequenzen – auch mit Blick auf Kanzler Friedrich Merz (CDU) – zu unterbinden. „Die Konsequenz muss sein, dass wir alle jetzt uns mal ein Stück weit sammeln, dieses Ergebnis wirklich ernstnehmen und zum Anlass nehmen, nachzudenken.“

Der Chef der Jungen Union in NRW, Kevin Gniosdorz, sagte unserer Redaktion: „Der Reflex nach solchen Abenden ist aber immer derselbe: Wir hätten unsere Politik nur besser erklären müssen. Das ist so bequem wie falsch. Uns fehlt nicht die bessere Erklärung, sondern das bessere Ergebnis.“ Er zog für Nordrhein-Westfalen drei Schlüsse: „Wir müssen die AfD jeden Tag zwingen, eigene Vorschläge auf den Tisch zu legen, statt nur auf Missstände zu zeigen. Wir müssen liefern, was im Alltag ankommt.“ Zugleich forderte er Präsenz dort, wo Menschen zusammenkommen — im Sportverein, in der Feuerwehr, in der Kirchengemeinde. „Wo eine Partei im Alltag nicht mehr stattfindet, fehlt sie auch im Wahlkampf."

CDU „hat ein Merz-Problem“

Die SPD-Co-Landesvorsitzende Sarah Philipp verlangte, jetzt müssten alle aufstehen, die die Demokratie verteidigen wollen. Sie gratulierte den Parteifreunden in Sachsen-Anhalt zwar zu deren Abschneiden, fügte aber hinzu: „Ein einstelliges Ergebnis kann und darf nicht unser Anspruch sein.“ Philipp sieht die CDU als klare Verliererin dieser Wahl. „Und sie hat ein Merz-Problem, das längst auf die Bundesregierung ausstrahlt. Handwerkliche Fehler und irritierende Äußerungen des Kanzlers lassen bei immer mehr Menschen Zweifel wachsen. Unter Merz ist ‚Reform‘ zum Synonym für einseitige Kürzungen geworden.“ Das sei der falsche Weg für das Land. „Wenn die AfD bei über 40 Prozent liegt, kann niemand einfach weitermachen wie bisher. Deshalb ist es richtig, dass wir den bisherigen Reformkurs der Bundesregierung auf den Prüfstand stellen. Dabei werden wir aus NRW weiter Druck machen.“ Klar sei aber auch: „Sachsen-Anhalt ist nicht NRW. Ausgangslage und politische Kultur sind unterschiedlich – deshalb verbieten sich einfache Übertragungen.“

Der nordrhein-westfälische Landeschef der AfD wiederum, Martin Vincentz, nannte den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt „inspirierend für künftige Kampagnen“ und stellte auch für NRW mehr Personalisierung in Aussicht. „Für die Landtagswahl 2027 stellt die AfD NRW erstmals einen Ministerpräsidentenkandidaten und wird mit zahlreichen Direktkandidaten so persönlich präsent wie nie zuvor sein. Forderungen kann man zustimmen, Gesichtern vertrauen. Beides ist wichtig.“ Er hob die Bedeutung des Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt hervor und erklärte, in NRW habe man schon bei der Kommunalwahl „deutlich auf die Persönlichkeit unserer vielen Kandidaten gesetzt“.

NRW-AfD will „in großartigen Landtagswahlkampf“ ziehen

Mit Blick auf die interne Zerstrittenheit seiner Partei in Nordrhein-Westfalen erklärte er, die AfD stehe für „Zuversicht, Optimismus und eine positive Zukunftsvision“. Das schließe Meinungsverschiedenheiten nicht aus. Er sei sicher, „dass unsere AfD NRW geschlossen in einen großartigen Landtagswahlkampf ziehen wird“, so Vincentz.

Ähnlich wie die SPD dutete auch der Parteichef der FDP in NRW, Henning Höne, den Wahlausgang als Abrechnung mit der, so Höne, „Merz-Regierung“. „Keine Reformen, kein Anpacken, keine Entlastungen und sogar mehr Steuern: Das ist die Quittung für die Enttäuschung Friedrich Merz.“ Von der Bundesebene schwenkte er damit ins eigene Bundesland und somit vom Kanzler zum Ministerpräsidenten: „Hendrik Wüst stützt diesen Kanzler und seinen Kurs“, kritisierte Höne. „Dabei brauchen wir auch in NRW große Veränderungen, zu denen Wüst und Merz nicht in der Lage sind.“

„Reformen mit Kürzungen verwechselt“

Die Landesparteivorsitzenden der Grünen, Yazgülü Zeybek und Tim Achtermeyer, wollten einen optimistischen Ton setzen. „Politik muss Hoffnung und Lust auf Zukunft machen. Nur so lässt sich Rechtsextremen und Rechtspopulismus etwas Gewinnendes entgegensetzen“, erklärten sie in einer gemeinsamen Stellungnahme. In NRW mache man das mit Investitionen in Bildung, Verkehr oder eine klimaneutrale Wirtschaft. „Wir sind überzeugt, dass das Leben der Menschen so besser werden kann“, und in NRW arbeite man daran ohne viel Tamtam, aber mit einem klaren Plan. „Der allgemeine Eindruck von Politik wird aber vor allem aus Berlin geprägt“, stellten die beiden fest. „Wer Reformen mit Kürzungen verwechselt, macht keine überzeugende Politik.“

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