Nach neun Jahren: Krailling wird Fairtrade-Kommune Nummer 951
StartseiteLokalesWürmtalKraillingStand: 13.10.2026, 18:49 UhrKommentareUns auf Google folgenAuf dem Kraillinger Wochenmarkt überreichte Fairtrade-Ehrenbotschafter Manfred Holz (l.) Kraillings Bürgermeister Stef...
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Stand: 13.10.2026, 18:49 Uhr
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Neun Jahre hat es vom ersten Beschluss bis zur Umsetzung gedauert. Am Dienstag war es dann so weit: Krailling wurde mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet – als vierte Gemeinde im Würmtal. Nur Neuried fehlt jetzt noch.
Krailling – Krailling ist offiziell Fairtrade-Kommune – die 951. in Deutschland und die 288. in Bayern. Am Dienstagmorgen überreichte Fairtrade-Ehrenbotschafter Manfred Holz aus Wuppertal Bürgermeister Stefan Göttlinger die Fairtrade-Town-Urkunde auf dem Kraillinger Wochenmarkt. Damit ist es amtlich: Krailling setzt sich für fairen Handel ein und hat es geschafft, die lokale Wirtschaft, Vereine und Schulen erfolgreich auf dieser Basis zu vernetzen.
Göttlinger zeigte sich erfreut und sprach von einem erreichten Meilenstein. Jetzt müsse man „pragmatisch dranbleiben und Fairtrade für die Menschen noch greifbarer machen“. Die Urkunde erlaubt es Krailling, zwei Jahre lang den Titel „Fairtrade-Gemeinde“ zu führen. Danach wird geprüft, ob unverändert alle Kriterien eingehalten werden.
Manfred Holz sagte in seiner Laudatio, es brauche tatsächlich Zeit, bis die Konsumenten das Gütesiegel Fairtrade nicht als gelegentliches Beruhigungsmittel für das eigene Gewissen verstehen. 90 Prozent der Deutschen würden allerdings das Fairtrade-Siegel kennen und es als vertrauenswürdig bewerten. Jeder Bundesbürger konsumiere „faire“ 38 Euro im Durchschnitt, berichtete Holz weiter. Damit sei allerdings noch Luft nach oben. Die Österreicher seien schon bei 88 Euro und die Schweizer lägen mit 130 Euro an der Spitze der Fairtrade-Konsumenten.
„Die Menschen kaufen die teuersten Kaffeemaschinen, geben jedoch nur wenig für Kaffeebohnen aus“, sagte der Fairtrade-Experte. Fair sei eben nicht, billig einzukaufen, wofür andere teuer bezahlen. Mit dem Kauf von Fairtrade-Produkten gebe man nämlich keine Spende ab, sondern leiste einen nachhaltigen Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern und bekämpfe so aktiv eine der Fluchtursachen, so Holz.
Für Christine Papst, die Klimaschutzmanagerin der Gemeinde, ist das Zertifikat vor allem ein „Statement“, Fairtrade im Ort sichtbarer zu machen, sagte sie auf Nachfrage. Die Gemeinde plane mit Vereinen, Schule und Kindertagesstätten gemeinsame Aktionen. Insbesondere natürlich auch mit dem Gewerbe, so Papst. „Anfang nächsten Jahres wird zum Beispiel wieder das ,Faire Frühstück‘ mit Unternehmern im Rathaus stattfinden.“
Besonders wichtig ist Christine Papst die Zusammenarbeit mit den anderen zertifizierten Würmtal-Gemeinden: Gauting, Gräfelfing und Planegg. Neuried sei derzeit noch im Bewerbungsprozess, weiß die Kraillinger Klimaschutzmanagerin. „Wir müssen uns in Sachen Fairtrade als Würmtaler aufstellen.“ Denn Krailling sei als Ort sehr klein, mit wenigen Geschäften, und fast alle Bürger nutzten die Infrastruktur in Planegg oder Gauting mit. Ein gemeinsames Projekt laufe schon. Ende Oktober soll es „Die faire Würmtal-Schokolade“ zu kaufen geben, berichtet Papst. Die Fairtrade-Schokolade in der Würmtal-Edition könne insbesondere beim Stockdorfer Edeka, aber auch bei anderen teilnehmenden Händlern erstanden werden. Die Würmtal-Motive auf den Tafeln stammen von hiesigen Schulkindern.
Bis zur Zertifizierung war es für Krailling ein längerer Weg. Bereits 2017 votierte der damalige Gemeinderat für eine Fairtrade-Kommune. Doch vorangetrieben wurde das Projekt nicht. 2021 gab es wieder einen Ratsbeschluss zum Thema. Dieser war inhaltlich zu schwammig formuliert und ließ nicht den eindeutigen Schluss zu, dass man tatsächlich Fairtrade-Kommune werden wollte. Erst im November 2024 gab es einen endgültigen Beschluss. Das Votum war denkbar knapp. Fast die Hälfte des Rates stimmte mit dem Argument dagegen, dass die Sache zu aufwendig für die Verwaltung sei, zu teuer sowie ein reines Marketing-Tool, welches keinen Mehrwert für die Gemeinde habe.
Carolin Högel