Nachbarschaftshilfe Schweich: „Frau Elbert, ich warte auf Sie“: Warum 16 Männer anderen Menschen helfen

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Nachbarschaftshilfe Schweich: „Frau Elbert, ich warte auf Sie“: Warum 16 Männer anderen Menschen helfen

Nachbarschaftshilfe Schweich „Frau Elbert, ich warte auf Sie“: Warum 16 Männer anderen Menschen helfen

Schweich · Unmögliches möglich machen: Das will eine Gruppe aus Schweich. Sie unterstützt ein außergewöhnliches Projekt. Wer hinter der Initiative steckt und warum sie alle glücklich macht.

24.08.2026 , 08:13 Uhr

Bruno Christmann hilft Elke Elbert ins Auto. Die 80-Jährige ist dankbar für den Fahrservice der Nachbarschaftshilfe Schweich.

Foto: TV/Verona Kerl

Bruno Christmann ist ein umtriebiger Mensch. Was hat er alles angepackt, als er noch jung war: Stets war der Moselaner auf Achse. Vielleicht ein bisschen zu viel, denkt er heute. Inzwischen ist der 77-Jährige zwar ruhiger geworden, aber lange still sitzen kann er immer noch nicht. Seit einiger Zeit begeistert der Rentner mit einer Idee, die immer mehr Anhänger findet.

Als Bruno Christmann sein großes Haus in Riol verkauft und mit seiner Frau in eine Wohnung nach Schweich-Issel zieht, sucht er Anschluss. Er findet ihn beim Männertreff in der Pfarrei Schweicher Land Sankt Martinus. Dort treffen sich einmal im Monat Männer, um zu quatschen, Aktionen zu planen oder gemeinsam Sport zu machen.

Christmann fühlt sich pudelwohl in Schweich. Er sagt: „Es geht uns so gut. Da hatte ich die spontane Idee, etwas für die Allgemeinheit zu tun. Viele Menschen scheuen sich davor, um Hilfe zu bitten.“ Aber was würde passieren, wenn sich Leute engagieren, die ihre Dienste aktiv anbieten, fragte er erst sich und dann die Männer beim Treff.

Die lassen sich schnell von seinem Einfall inspirieren. Innerhalb von vier Wochen findet sich im Januar eine schlagkräftige Truppe zusammen, der sich auch Männer von außerhalb anschließen. Mittlerweile sind es 16. Ihre Aktion benennen sie nach dem, was sie tun: Nachbarschaftshilfe.

Bruno Christmann koordiniert die Einsätze der Nachbarschaftshilfe

Wenn es die nicht gäbe, sähe der Alltag für Elke Elbert anders aus. Die 80-Jährige lebt allein in ihrer Wohnung in Schweich. Sie ist noch recht fit, doch mit dem Laufen hapert es. Einen Führerschein besitzt sie nicht und Busfahren mit ihrem Rollator kommt nicht infrage. Oft fährt ihre Familie sie zu den regelmäßigen Arztterminen. Aber nicht immer. Dann ruft sie Bruno Christmann an.

Er koordiniert die Helfer und springt gerne selbst ein. „Die Männer sind sehr freundlich, sehr höflich. Man kommt ins Gespräch. Sie haben auch eine gewisse Empathie für ältere Menschen“, sagt sie. Und erzählt, wie sie einmal zu einem Termin beim Orthopäden in Konz musste und ihr Fahrer fragte, wie lange es denn dauern würde. „Mit einer Selbstverständlichkeit sagte er zu mir: Frau Elbert, ich warte auf Sie.“

Elke Elbert fand diese Geste großartig. Überhaupt, diese ganze Initiative. „Es ist bewundernswert, dass Männer Hilfe anbieten für Menschen, die nicht so beweglich sind.“ Was Bruno Christmann verlegen sagen lässt: „Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit.“ Ein Einwand, den die 80-Jährige resolut vom Tisch wischt. „Sie müssen das nicht unter den Teppich kehren, Herr Christmann. Das ist so.“

30 Cent bezahlt sie für jeden gefahrenen Kilometer, Parkgebühren extra. So wie alle Menschen, die das Hilfsangebot in Anspruch nehmen. „Für sozial schlechter gestellte Personen finden wir eine andere Lösung“, beruhigt Christmann. Für Spenden ist er daher immer dankbar.

Manche Fahrgäste rundeten auf oder leisteten einen extra Obolus, der dann für weniger gut Betuchte verwendet werde. Elke Elbert gibt gerne mal was dazu: „Bei der Tour nach Konz habe ich was draufgelegt. Ich weiß ja, was es kostet.“ Für die Taxifahrten, die sie während der Sommerhitze zum Einkaufen nutze, berappe sie erheblich mehr.

16 Männer sind aktuell für die Nachbarschaftshilfe rund um Schweich im Einsatz

Die Nachfrage an der Nachbarschaftshilfe wächst. 15 hilfsbedürftige Menschen betreuen die 16 Männer zurzeit, die meisten davon sind Rentner. „Seit März hatten wir 50 Einsätze in unserem Einzugsgebiet, der Pfarrei Schweicher Land“, berichtet Christmann. „Im August etwa zehn Einsätze pro Woche.“

Ein vorläufiges Fazit, auf das Gemeindereferent Rüdiger Glaub-Engelskirchen mit unverhohlenem Stolz blickt. Er unterstützt die Initiative, wo er kann. „Die Pfarrei hat die Flyer erstellen lassen und sie finanziert. Und wir haben geholfen, sie an relevanten Orten auszulegen. Sankt Martin, der Schutzpatron unserer Pfarrei, ist ja bekannt dafür, anderen zu helfen“, sagt er augenzwinkernd. Dabei, so betont er, spiele die Konfession keine Rolle.

Im Angebot der Nachbarschaftshilfe: Gespräche, Hilfe beim Schriftverkehr oder Einkaufen

Eine Sache ist Bruno Christmann, bei dem alle Fäden zusammenlaufen, aufgefallen. „Meistens melden sich Frauen. Beim ersten Anruf unterhalte ich mich länger mit ihnen, um Einzelheiten abzuklären.“ Denn die Nachbarschaftshilfe bietet nicht nur Fahrten an, obwohl 90 Prozent aller Anfragen darauf hinauslaufen. Auf ihrer Agenda stehen: Besuche und Zeit zum Gespräch, Unterstützung bei Besorgungen oder Einkäufen, Hilfe beim Schriftverkehr und Begleitung zu Behörden.

Zahlreiche Kilometer schrubben die Helfer dabei. Denn ihr Einsatzgebiet umfasst die Orte Bekond, Kirsch, Fastrau, Longuich, Fell, Naurath, Föhren, Riol, Issel, Schweich und Kenn. „Manchmal müssen die Fahrer bereits um 6.30 Uhr auf der Matte stehen“, sagt Christmann. „Und manchmal müssen sie den Weg zwei Mal fahren. Etwa dann, wenn es beim Arzt zu lange dauert, um zu warten. Dann kriegen sie aber auch zwei Mal Kilometergeld.“

Bruno Christmann hat mit seiner Idee offenbar ins Schwarze getroffen. Wer die Nachbarschaftshilfe einmal in Anspruch nimmt, tut es immer wieder. Denn, so stellt Elke Elbert unumwunden fest: „Man fühlt sich einfach gut aufgehoben.“