Neu-Isenburg bekommt französische Straßenschilder im Alten Ort

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Neu-Isenburg bekommt französische Straßenschilder im Alten Ort

Stand: 25.07.2026, 05:57 Uhr

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An einigen Stellen hängen bereits französische Schilder, die auf die Geschichte des Alten Orts hinweisen.

An einigen Stellen hängen bereits französische Schilder, die auf die Geschichte des Alten Orts hinweisen. Der Verein Pour l’Yseboursch hatte diese selbst herstellen lassen, um für die Idee zu werben. © Leo F. Postl

Im Spätsommer werden 18 zusätzliche Schilder mit historischen Namen montiert. Das Luftgäßchen heißt dann auch Ruelle Reviol – nach einem ehemaligen Bürgermeister.

Neu-Isenburg – Die historischen Ursprünge der Hugenottenstadt werden bald ein Stück sichtbarer. Wie die Stadt mitteilt, sollen voraussichtlich im Spätsommer zusätzliche Schilder mit französischen Straßennamen in den Gassen des Alten Ortes angebracht werden.

Ihren Ursprung hat die Aktion im Neu-Isenburger Heimatverein Pour l’Yseboursch. „Wir machen jedes Jahr seit 2019 Vorschläge zur historisierenden Gestaltung des Alten Orts“, sagt Werner Stahl, Vereinsvorsitzender und Anwohner. Auf die Idee der historischen Straßenschilder machte der Verein 2023 gesondert aufmerksam, als er eigene Schilder herstellen ließ und an interessierte Anwohner verkaufte. „Einige haben sie an ihre Häuser angebracht“, sagt Stahl. Weitere Vorschläge des Vereins umfassen die thematische Gestaltung der Stromkästen im Alten Ort sowie die Einrichtung eines offenen Klassenzimmers in den Konturen des abgerissenen Hugenottenrathauses.

Wir haben geschaut, was Anfang bis Mitte des 18. Jahrhunderts realistisch war.

Während diese Vorschläge bisher nicht in den Plänen der Stadt aufgegriffen wurden, hat die Stadtverordnetenversammlung bereits im vergangenen Jahr einem Beschluss für die Montage der frankophonen Straßenschilder zugestimmt. Nun hat der Ausschuss für Kultur, Ehrenamt und Vielfalt ein Konzept für die Beschilderung genehmigt.

In der Zwischenzeit gab es jedoch einiges zu klären. Eine Arbeitsgruppe, an der neben Werner Stahl auch der Neu-Isenburger Stadtarchivar Andreas Greim beteiligt war, befasste sich etwa mit der Frage, welche Namen die Straßen schlussendlich bekommen sollen. „Die Abstimmung war gar nicht so einfach“, sagt Bürgermeister Gene Hagelstein dazu. Nach einer umfassenden Recherche des Stadtarchivars gebe es keine aussage- und beweiskräftigen historischen Quellen, die tatsächlich belegten, wie die Straßen geheißen hätten. Es sei nun allerdings eine Liste erarbeitet worden, die den historischen Gegebenheiten Rechnung trage.

Diese sieht wie folgt aus: Die Löwengasse erhält den Zusatznamen Rue de Francfort. Die Pfarrgasse soll künftig auch als Rue d’Offenbach zu finden sein. Die Kronengasse bekommt ein Schild mit der Aufschrift Rue de Sprendlingen. Bei der Hirtengasse wurde sich für Rue du four entschieden. Außerdem werden das Brionsgäßchen zur Ruelle Brion, das Nollgäßchen zur Ruelle Pasquay, das Kirchgäßchen zur Ruelle du temple und das Luftgäßchen zur Ruelle Reviol. Der historische Marktplatz soll künftig auch Place de la Communauté heißen.

„Wir haben geschaut, was Anfang bis Mitte des 18. Jahrhunderts realistisch war“, sagt Werner Stahl. Bei einigen der französischen Namen beziehe man sich auf die damaligen Besitzer einschlägiger Grundstücke in den entsprechenden Straßen. So etwa bei einer Frau Pasquay, die dem Nollgäßchen ihren zusätzlichen Namen verleiht. „Das war damals etwas Besonderes, dass eine Frau Grund besaß.“ Das Luftgäßchen erhält seine neue Bezeichnung von einem ehemaligen Bürgermeister namens Reviol. Für die Benennung des Marktplatzes als Place de la Communauté beruft sich Stahl auf ein Dokument des Heimatforschers Karl Nahrgang, in dem der Platz so bezeichnet wird. „Das ist bei Weitem das Glaubhafteste.“

Kosten belaufen sich auf etwa 2.200 Euro

Für die Gestaltung der neuen Straßenschilder hat die Stadt unterschiedliche Vorschläge von Fachfirmen eingeholt. Dabei sei viel Wert darauf gelegt worden, dass auch das Aussehen der Schilder den historischen Bezug erkennen lasse. Ursprünglich sollten die Zusätze mit den neuen Namen lediglich an die bereits vorhandenen Straßenschilder mit den heutigen Namen angebracht werden. Da diese jedoch teilweise verblichen sind, hat sich die Stadt entschieden, komplett neue Schilder anzubringen. Insgesamt 18 Stück sollen im Alten Ort angebracht werden. Die Maßnahme soll rund 2.200 Euro kosten.

Werner Stahl freut sich darüber, dass die Idee seines Vereins nun Realität wird. „Da können wir nur den Hut vor der Stadt ziehen“, sagt er. Auch die Zusammenarbeit mit der Verwaltung habe in dieser Angelegenheit gut funktioniert. Im Herbst soll es dann mit der Umgestaltung des Alten Ortes weitergehen, wenn die Stadt die Entwürfe für den Umbau des Marktplatzes vorstellen will. „Da wollen wir gerne beratend mit dabei sein“, sagt Stahl.