(+) Eimsbüttels grüne Oase weg? Nachbarn laufen Sturm
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Hamburg
Neubau im Hinterhof geplant: Anwohner kämpfen um ihre ruhige Oase
Mitten in einem ruhigen Hinterhof in Eimsbüttel soll ein Neubau mit 49 Wohnungen entstehen. Bei den Nachbarn sorgt das für Unmut. Sie kämpfen um ihre grüne Oase.
Es ist eine ruhige Oase mitten in Eimsbüttel: der Hinterhof der Sillemstraße 48 a+b mit vielen Bäumen und einem freien Blick auf den Himmel. Doch nun soll dort ein Neubau mit fünf Geschossen und 51 Wohnungen entstehen. Den Anwohnern ist das Bauprojekt der Firma Otto Wulff ein Dorn im Auge. Sie sprechen von einem „Betonklotz“ und formieren sich zum Widerstand.
Es ist gerade einmal sechs Jahre her, als es am gleichen Ort schon einmal Proteste gab. Damals befand sich in dem Hinterhof noch eine Künstlerkolonie, die durch einen Neubau mit 28 Eigentumswohnungen vertrieben zu werden drohte.
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Damals berichtete die MOPO über eine Unterschriftenaktion der Anwohner, die schließlich dazu führte, dass die Stadt das Gelände von der Liste der geplanten Wohnungsbauflächen strich. Nun hat der Eigentümer gewechselt, die Künstler sind weg, und das nächste Projekt ist mit fast doppelt so vielen Wohnungen weitaus gigantischer als das vorherige.
„Wir dachten, die Sache hätte sich erledigt“, sagt Anwohnerin Gisela Wiechern, die damals schon zu den Protestierenden zählte. „Doch nun ist es noch schlimmer als vorher.“
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Wiechern hat die Initiative „Sillem48“ gegründet, deren Mitglieder unter dem Motto „Grüne Oase in Gefahr“ vor dem Bauprojekt warnen. „Angesichts von Klimawandel und weiteren prognostizierten Hitzewellen brauchen wir mehr Grünflächen und keine Verdichtung durch mehr Beton!“, heißt es in einem Schreiben an die Mieter, Eigentümer und Hausverwaltungen der den Innenhof umschließenden Straßen Hellkamp, Sillemstraße und Roombergstraße.
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Die Stadtväter hätten sich schon etwas dabei gedacht, als sie die Bestandshäuser 1907 um diesen Innenhof errichtet hätten. „Hier gibt es Licht, Luft, Sonne, Eichhörnchen, Piepmätze und Fledermäuse“, beschreibt die rüstige 80-Jährige ihr Idyll. „Der Neubau zerstört unsere Lebensqualität!“
Unterstützung bekommen die Anwohner von Mikey Kleinert von den Linken in der Bezirksversammlung Eimsbüttel: „Die Sommer werden immer wärmer, und im Kerngebiet verschwinden nach und nach immer mehr Grünflächen. Wir sollten endlich anfangen, uns Gedanken darüber zu machen, wie man die letzten Kühlinseln im Kerngebiet planerisch sichern kann, bevor sie vollständig verschwunden sind“, so der Bezirkspolitiker.
Auch planungskonzeptionell sei das Projekt fragwürdig. „Betrachtet man moderne Planung, findet man in den Hinterhöfen regelmäßig großzügige Begrünung, teilweise Spielplätze oder andere Nutzungen, die gemeinschaftlich sinnvoll sind“, so Kleinert. „Warum dies bei Neubauplanungen ein Ziel ist, im Bestand jedoch nicht, ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Er plädiert für eine Aufstockung bestehender Gebäude.
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Ein Sprecher des Unternehmens Otto Wulff widerspricht den Darstellungen. Das Bauvorhaben sehe eine Entsiegelung des bisher fast vollständig asphaltierten Grundstücks vor. „Geplant sind begrünte Innenhof- und Dachflächen mit Regenwasserrückhaltung, die insbesondere in den Sommermonaten zu einem besseren Mikroklima beitragen können“, so Erik Schulze. Zusätzlich sei eine bodengebundene Fassadenbegrünung vorgesehen.
Auch bei der technischen Ausstattung liege der Fokus auf Nachhaltigkeit. Vorgesehen seien unter anderem eine moderne Heiztechnik, Photovoltaik sowie eine langlebige und energieeffiziente Gebäudehülle.
Gisela Wiechern ist das nicht genug. Sie und ihre Initiative kritisieren, dass hier nur „Luxus-Eigentumswohnungen“ gebaut würden. „Das treibt die Mieten im Stadtteil hoch und verhindert eine Durchmischung der Sozialstrukturen“, meint Wiechern.
Ob der Protest noch etwas nützt, ist fraglich. Laut des Sprechers des Bezirksamts Eimsbüttel ist der im September 2025 gestellte Bauantrag nach mehreren Änderungen und Nachreichung fehlender Unterlagen am 17. Juli genehmigt worden.
„Ziel ist es, noch in diesem Jahr mit den ersten Maßnahmen zu starten“, so Otto-Wulff-Sprecher Erik Schulze. Schon 2028 soll das Gebäude nach den Plänen bezugsfertig sein.
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