Neubeginn mit Fragezeichen: Nach vier Monaten Pause meldet sich Carlos Alcaraz bei den US Open zurück
Das typisch breite Lächeln ist bereits zurück. Vor seinem Comeback nach mehr als vier Monaten Pause präsentiert sich Carlos Alcaraz bester Laune – und doch wird der Titelverteidiger bei den US Open von vielen F...
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Das typisch breite Lächeln ist bereits zurück. Vor seinem Comeback nach mehr als vier Monaten Pause präsentiert sich Carlos Alcaraz bester Laune – und doch wird der Titelverteidiger bei den US Open von vielen Fragen begleitet. Ist der 23-Jährige ohne jede Matchpraxis wirklich fit genug, um trotz seiner langwierigen Verletzung am Handgelenk seiner Favoritenrolle gerecht zu werden?
Zumindest sein deutscher Widersacher Alexander Zverev rechnet fest mit Alcaraz als Titelanwärter. „Ich erwarte, dass er im ersten oder zweiten Spiel vielleicht etwas eingerostet sein wird, aber sobald er das hinter sich hat, wird er hier sicherlich ein ernstzunehmender Konkurrent sein“, sagte Zverev vor seinem eigenen Erstrundenmatch gegen den Italiener Lorenzo Sonego am Dienstag.
Ohne den Tennis-Weltranglistenersten Jannik Sinner, der wegen einer Knieverletzung fehlt, sehen auch die Buchmacher Alcaraz noch vor Zverev in der Top-Position für den Gewinn seines achten Grand-Slam-Titels. „Es wäre aber absolut utopisch, wenn er seine absolute Bestform schon jetzt wieder bei den US Open erreichen würde“, warnt jedoch Boris Becker.
Alcaraz selbst nennt als Vorbilder für seinen ersten Auftritt seit Mitte April die Größten des Tennissports, die nach langwierigen Verletzungen erfolgreich zurückkehrten. „Ich denke, viele haben es bewiesen“, sagte er. „Federer, Nadal und viele andere haben gezeigt, dass es möglich ist. Wir werden versuchen, an dem Glauben festzuhalten, dass es auch für uns möglich ist.“
Es wäre aber absolut utopisch, wenn er seine absolute Bestform schon jetzt wieder erreichen würde.
Boris Becker über Carlos Alcaraz
Diese Zuversicht hatte er jedoch nicht immer. Im ersten Monat nach seiner Verletzung habe er seinen rechten Arm gar nicht nutzen können, berichtete Alcaraz und sprach von einer Zeit, die „ziemlich schwierig“ für ihn gewesen sei. „Belastende Gedanken“ hätten ihn dabei in begleitet.
In New York ist davon zumindest äußerlich nichts mehr zu spüren. Beim Mixed-Auftritt mit Serena Williams steckte Alcaraz die US-Legende mit seinem Lachen an. Vor seinem ersten Training im riesigen Arthur-Ashe-Stadion genoss er sichtlich wieder den Jubel der Fans.
„Ich vermisse alles. Ich vermisse den Platz, ich vermisse das Publikum, ich vermisse die Ballkinder. Ich denke, dass es keinen besseren Ort geben könnte als hier, um wieder zu starten“, rief Alcaraz emotional über das Stadionmikrofon.
Der Spanier mit den kraftvollen Schlägen wirkt weniger muskulös als vor seiner Pause, auch bei seiner Frisur setzt er mit längeren Haaren das Zeichen eines Neubeginns. Ein Versprechen gibt der Weltranglistendritte jedoch: „Ihr werdet Carlitos so spielen sehen, wie er es immer getan hat“, sprach Alcaraz von sich selbst. „Ich werde mir kein Limit setzen.“
Knifflige Aufgabe in erster Runde
Über Monate fühlten sich die großen Turniere im Männertennis an wie ein langes Warten auf das unvermeidliche Final-Duell zwischen Sinner und Alcaraz - so entrückt waren die beiden Ausnahmekönner vom Rest des Felds. Nun steht der dritte Grand Slam in Serie an, in dem einer von beiden fehlen wird. „Wir werden uns jetzt wohl sechs, sieben Monate nicht sehen“, sagte Alcaraz über seinen Langzeitkontrahenten Sinner. „Ehrlich gesagt ist das eine ziemlich seltsame Situation.“
Der Titelkampf ist damit so offen wie lange nicht mehr. Zumal Alcaraz eine äußerst knifflige Auslosung erwischt hat. Am Montag geht es in der ersten Runde gegen Roman Safiullin. Der Russe ist dafür bekannt, auch große Namen vor Schwierigkeiten stellen zu können. Im Wimbledon-Achtelfinale hatte auch Novak Djokovic vier Sätze lang mit dem 29-Jährigen zu kämpfen.
Doch einen Vorteil schreibt auch Zverev seinem Kontrahenten zu: „Ich glaube, er ist wahrscheinlich auf dem gleichen, wenn nicht sogar einem besseren körperlichen Niveau, weil er in den letzten vier, fünf Monaten wahrscheinlich viel körperlich gearbeitet hat.“ (dpa)