Neue E-Auto-Prämie: Drei Viertel der Anträge aus unteren Einkommensgruppen

Seit 19. Mai sind schon knapp 104.000 Anträge auf Förderung eines E-Autos beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle eingegangen. Rund drei Viertel aller bislang gestellten Förderanträge stammen aus Hau...

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Neue E-Auto-Prämie: Drei Viertel der Anträge aus unteren Einkommensgruppen

Seit 19. Mai sind schon knapp 104.000 Anträge auf Förderung eines E-Autos beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle eingegangen. Rund drei Viertel aller bislang gestellten Förderanträge stammen aus Haushalten mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von maximal 60.000 Euro. Knapp die Hälfte der Bewilligungen entfällt sogar auf die unterste Einkommensklasse bis 45.000 Euro. Das neue, sozial gestaffelte E-Auto-Förderprogramm des Bundes erreicht offenbar die gewünschte Zielgruppe.

Wie das Bundesumweltministerium mitteilte, gilt die Förderung für Neuzulassungen ab dem 1. Januar 2026 und läuft bis Ende 2029. Das Programm ist mit 3 Milliarden Euro ausgestattet und auf circa 800.000 geförderte Fahrzeuge ausgelegt. Förderfähig sind reine Batterieelektrofahrzeuge, Brennstoffzellenfahrzeuge sowie Plug-in-Hybride und Range-Extender-Modelle, sofern diese maximal 60 Gramm CO₂ pro Kilometer ausstoßen oder mindestens 80 Kilometer elektrische Reichweite bieten.

Die Basisförderung beträgt 3000 Euro für reine Elektroautos und 1500 Euro für förderfähige Plug-in-Hybride. Zusätzlich greift eine soziale Staffelung: Haushalte mit einem zu versteuernden Einkommen bis 60.000 Euro erhalten einen Zuschlag von 1000 Euro, bei maximal 45.000 Euro kommen weitere 1000 Euro hinzu. Pro Kind unter 18 Jahren gibt es zusätzlich 500 Euro für maximal zwei Kinder. Im besten Fall summiert sich die Förderung für ein reines E-Auto damit auf 6000 Euro. Förderberechtigt sind Privathaushalte mit einem zu versteuernden Einkommen bis 80.000 Euro; diese Grenze erhöht sich pro Kind um 5000 Euro auf maximal 90.000 Euro.

Laut Daten des Bundesfinanzministeriums liegen rund 42 Prozent aller Einkommensteuerpflichtigen unter der 45.000-Euro-Schwelle während etwa 54 Prozent weniger als 60.000 Euro zu versteuerndes Einkommen verdienen. Die bisherigen Antragszahlen legen nahe, dass nahezu das gesamte Programmvolumen von 3 Milliarden Euro an einkommensschwächere und mittlere Haushalte fließen dürfte. Bis Anfang August 2026 gingen über 52.000 Anträge aus der niedrigsten Einkommensklasse ein, weitere rund 22.500 aus der mittleren Stufe.

Gebrauchtwagenmarkt unter Druck

Die Neuwagenförderung lässt gebrauchte Elektroautos deutlich an Wert verlieren. DAT-Chef Jens Nietzschmann warnt, der Wertverlust bei gebrauchten E-Autos dürfte „höher ausfallen als das Förderbudget von drei Milliarden Euro“. Laut DAT lag der Restwert dreijähriger Elektroautos Ende 2025 bei nur 49 Prozent des Listenpreises, während Diesel auf 61 Prozent, Benziner auf knapp 63 Prozent kamen. Der Medianpreis gebrauchter E-Autos fiel Anfang 2026 erstmals seit über einem Jahr unter 30.000 Euro. Für Haushalte, die sich keinen Neuwagen leisten können, sinken zwar die Einstiegspreise beim Gebrauchtkauf, doch gleichzeitig tragen sie ein höheres Wertverlustrisiko beim Wiederverkauf.

Zweifel an der Klimaeffizienz

Auch die Klimawirkung steht in der Diskussion. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zur vorangegangenen Kaufprämie ergab, dass nur rund 40 Prozent der geförderten Elektroauto-Neuzulassungen tatsächlich durch die Prämie ausgelöst wurden, der Rest wäre auch ohne Förderung verkauft worden. Die geschätzten Vermeidungskosten lagen bei etwa 870 Euro pro Tonne CO₂ für batterieelektrische Autos und rund 2470 Euro pro Tonne für Plug-in-Hybride. Ab Juli 2027 soll die CO₂-Bewertung stärker auf Realemissionen umgestellt werden, was die Förderbedingungen für Hybride verschärfen könnte. Geförderte Hybride oder Autos mit sogenannten Range Extendern dürften allerdings schon heute keine großen Effekte auslösen, da die aktuelle Prämie inzwischen ohnehin bereits zu über 90 Prozent für batterieelektrische Autos beantragt wird.

Besonders Volumenhersteller mit günstigen Elektroauto-Modellen profitieren von der Subvention. Gleichwohl bleibt es nicht aus, dass Handel und Hersteller ihre Rabatte reduzieren, um damit einen Teil der Fördergelder abzuschöpfen. Premium-Anbieter mit elektrischen oder Hybridautos, die überwiegend im höheren Preissegment liegen, haben nur wenig von der Prämie. Sie können immerhin weiter von der günstigen Dienstwagenbesteuerung von 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises profitieren, die seit Mitte 2025 für E-Fahrzeuge bis 100.000 Euro gilt. Die neue Kaufprämie richtet sich ausschließlich an Privatpersonen.

Stadt gegen Land: Unterschiedliche Voraussetzungen

Ob sich die Prämie stärker auf dem Land oder in der Stadt auswirkt, hängt maßgeblich von der Ladeinfrastruktur ab. Ländliche Haushalte mit längeren Pendelstrecken und weniger ÖPNV-Alternativen erfüllen laut Mobilitätspanel häufiger die Wirtschaftlichkeitsbedingungen für E-Autos. In Städten hingegen bremst fehlende Ladeinfrastruktur in Mehrparteienhäusern den Umstieg, hier soll ein neues Bundesprogramm mit 500 Millionen Euro Fördermitteln für Ladepunkte an Wohngebäuden Abhilfe schaffen, mit bis zu 1500 Euro Zuschuss pro Ladepunkt und 2000 Euro für bidirektionale Lademöglichkeiten.

(fpi)