Iran: Neue US-Angriffe, Teheran mit Gegenschlägen
Die US-Armee hat nach eigenen Angaben erneut Ziele im Iran angegriffen. Das folge auf „versuchte Angriffe“ der iranischen Revolutionsgarde „auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus und auf in der Region stationierte US-Soldaten“, teilte das für die Region zuständige US-Militärkommando Centcom am Dienstag mit. Der Iran soll laut iranischen Medien mit Vergeltungsschlägen reagiert haben.
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Iran
Die US-Armee hat nach eigenen Angaben erneut Ziele im Iran angegriffen. Das folge auf „versuchte Angriffe“ der iranischen Revolutionsgarde „auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus und auf in der Region stationierte US-Soldaten“, teilte das für die Region zuständige US-Militärkommando Centcom am Dienstag mit. Der Iran soll laut iranischen Medien mit Vergeltungsschlägen reagiert haben.
Online seit gestern, 20.43 Uhr
(Update: gestern, 22.44 Uhr)
Das staatliche iranische TV meldete mehrere Explosionen auf der Insel Keschm im Süden des Landes nahe der Straße von Hormus. Die Nachrichtenagentur Nour News meldete Detonationen in den Hafenstädten Bandar Abbas und Tschabahar. Auch in Dschask und Sirik seien Explosionsgeräusche zu hören, hieß es von der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA.
Nach iranischen Angaben soll im Zuge eines US-Luftangriffs ein Haus in der Stadt Kuhestak im Süden des Iran getroffen worden sein, in dem gerade eine Hochzeitsfeier stattfand. Vier Menschen seien getötet und über 50 verletzt worden, teilte der Iranische Rote Halbmond auf der Plattform X mit. Offiziell sind diese Angaben nicht überprüfbar.
Tasnim: Iran reagiert mit Angriffen auf US-Stützpunkte
Wie iranische Medien berichteten, führt der Iran Vergeltungsangriffe auf US-Stützpunkte in der Region aus. Die Armee habe einen „entscheidenden“ Militäreinsatz gestartet, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim. „Stützpunkte und Interessen der USA in der Region werden von iranischen Raketen und Drohnen angegriffen“, hieß es weiter. Details gab es keine.
Mehrere Staatsmedien berichteten, Ziel der Angriffe seien erneut US-Stützpunkte in Jordanien gewesen – Explosionen seien zu hören gewesen. Laut Reportern des Senders al-Jazeera seien Raketen abgefangen worden. Aus Jordanien gab es dazu zunächst keine Reaktion.
Zuvor war verlautbart worden, dass die USA „ihre neuen Angriffe bereuen“ werden, wie Hossein Mohebi, einen Sprecher der Revolutionsgarde, in iranischen Medien zitiert wurde. „Die Aggressoren erwartet eine schwere Bestrafung“, teilte Mohebi zudem auf X mit. Tansim zitierte eine hochrangige Militärquelle, wonach die iranische Reaktion „um ein Vielfaches stärker“ ausfallen werde.
Auch Trump droht
US-Präsident Donald Trump meldete sich über seine Plattform Truth Social und stellte die neuen US-Angriffe auch als Reaktion auf den jüngsten iranischen Raketenbeschuss auf Stützpunkte des US-Militärs in Jordanien dar, der erfolgreich abgewehrt worden sei.
„Wenn die gescheiterte Nation Iran für diesen sehr gerechtfertigten Angriff Vergeltung übt, wird sie erneut getroffen werden, auf einer viel härteren und höheren Stufe.“ Zugleich drohte er mit dem „größten Angriff von allen“. Wenn dieser vorbei sei, „wird sehr wenig von der Islamischen Republik Iran übrig sein“, sagte Trump.
Axios: Angriffe folgen Plan
Das US-Nachrichtenportal Axios schrieb unter Berufung auf US-Beamte, die Angriffe seien Teil eines Plans, den Trump und seine ranghohen Berater in den vergangenen Tagen in Erwägung gezogen hätten. Dieser sehe begrenzte Angriffe in der Straße von Hormus vor, um den Iran daran zu hindern, seine Radar- und Raketenkapazitäten zum Angriff auf Schiffe wieder aufzubauen.
Der Plan sei in der vergangenen Woche von Centcom ausgearbeitet worden. Die Idee dahinter sei, das Risiko iranischer Angriffe auf Öltanker sowie Schiffe und Flugzeuge des US-Militärs zu verringern, zitierte das Nachrichtenportal einen US-Beamten.
Gegenseitige Angriffe
Am Sonntagabend hatte die US-Armee erstmals seit mehr als einem Monat Ziele im Iran angegriffen. Die US-Streitkräfte attackierten Raketenwerfer auf der iranischen Insel Larak in der Straße von Hormus. Nach US-Angaben sollten die Angriffe verhindern, dass der Iran weitere Seeminen in der Meerenge deponiert.
Teheran reagierte eigenen Angaben zufolge mit Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Ziele in Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Trump-Behauptungen vs. Wirklichkeit
Zuletzt war es im US-Krieg gegen den Iran ruhig geworden. Sowohl militärisch als auch auf diplomatischer Ebene wurden keine Fortschritte bekannt. Zwar behauptete Trump seither bei vielen öffentlichen Auftritten, dass Teheran bezwungen worden und die für den weltweiten Ölhandel wichtige Meerenge geöffnet sei. Dem widerspricht aber die Tatsache, dass auch weiterhin – wie schon seit Monaten – nur wenige Schiffe durch die Straße von Hormus fahren.
Zuletzt rief Trump einen „Wirtschaftskrieg“ gegen den Iran aus und ließ sein Finanzministerium Sanktionen gegen bestimmte Personen und Unternehmen verkünden, wie sie bereits seit Wochen immer wieder veröffentlicht werden.
Bessent: Werden Iran „wirtschaftlich ersticken“
„Wir werden wahrscheinlich diese Woche Sanktionen gegen eine Bank ankündigen und in der darauffolgenden Woche weitere“, sagte US-Finanzminister Scott Bessent am Dienstag bei einem G-20-Treffen im Bundesstaat North Carolina. Zudem prüfe die Regierung in Washington Strafmaßnahmen gegen Flugzeugleasinggesellschaften und andere Unternehmen, die mit der Revolutionsgarde Geschäfte machen. „Wir zeigen null Toleranz. Wir werden dieses Regime wirtschaftlich ersticken.“
Konkrete, tiefgreifende Maßnahmen, die die Einnahmequellen des Machtapparats in Teheran tatsächlich nachhaltig versiegen lassen würden – etwa die Sanktionierung chinesischer Banken –, fehlen allerdings nach wie vor.