Neuer Bürgermeister zapft an: Münsterer Oktoberfest feiert 44. Auflage
Marcus Milligan hat beim Feuerwehr-Oktoberfest in Münster seinen ersten Fassanstich absolviert – und brauchte nur zwei Schläge. 28 Mitglieder der Dieburger Feuerwehr kamen als Gäste in die Nachbargemeinde.
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Stand: 09.10.2026, 07:21 Uhr
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Marcus Milligan hat beim Feuerwehr-Oktoberfest in Münster seinen ersten Fassanstich absolviert – und brauchte nur zwei Schläge. 28 Mitglieder der Dieburger Feuerwehr kamen als Gäste in die Nachbargemeinde.
Münster – „Die Schleife an der Hüfte des Dirndls lässt sich so binden, dass man sofort sieht, ob ledig oder verheiratet“, erklärte eine Besucherin ihrem Freundeskreis beim jüngsten Oktoberfest der Feuerwehr Münster. Rechts bedeutet vergeben, links zu haben und auf der Rückseite Bedienung oder verwitwet. Frauen, die vorn mittig schnüren, würden sich als Jungfrauen ausweisen. Wie viele Mannsbilder mit diesem Wissen ins Feuerwehrhaus gingen und es zum Flirten nutzten, lässt sich nicht genau sagen.

Fakt ist aber, dass die „Nacht in Tracht“ 2026 wieder hervorragend angenommen wurde. Schon beim Einlass bildete sich eine lange Schlange. Entweder wollten die Frühstarter ganz nah an der Musik sitzen oder keine Zeit beim Feiern verlieren. Die verpflichtete Band hieß wie im Vorjahr „Die Frankenräuber“. Beim Fassanstich trat zum ersten Mal Marcus Milligan als neuer Bürgermeister an und erledigte seine Aufgabe professionell: Mit zwei Schlägen haute er den Zapfhahn rein, „der dritte Schlag war lediglich zur Sicherheit“, erläuterte der Verwaltungschef.
Bei einer Sache, die gut läuft, muss man nichts ändern.
In der Oktoberfest-Geschichte der Münsterer Wehr hatte es bei einigen Bürgermeistern bereits mächtig gespritzt. Auch der Krug wurde schon einmal zerdeppert, als komplett vorbeigeschlagen wurde. Der ehemalige Wehr-Vorsitzende Stefan Hebeling reagierte vor ein paar Jahren darauf mit einem „Ostfriesennerz“, also einem leuchtend gelben Regenschutz. Ehrengemeindebrandinspektor Franz Orth lieferte die bisher lustigste Einlage: Er schlüpfte in einen Taucheranzug und zeigte sich als Froschmann gut geschützt.
Die Frage an die Verantwortlichen, ob das Oktoberfest 2026 einschneidende Neuerungen bietet, beantwortete der aktuelle Gemeindebrandinspektor Florian Kisling ganz direkt: „Bei einer Sache, die gut läuft, muss man nichts ändern.“ Michael Sühl, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, wies trotzdem auf eine kleine Neuerung hin. So wurden Haspel nach Vorbestellung zum Abholen angeboten. Damit konnte man am Samstagabend schlemmen, ohne Gast des Abends zu sein und sieben Euro Eintritt zu bezahlen. Insgesamt gingen 23 Vorbestellungen ein.
Das Oktoberfest der Wehr, an das sich sonntags noch ein Mittagessen anschließt, blickt auf eine lange Tradition: Mit dem Bau des Feuerwehrhauses, das 1978 fertiggestellt wurde, kam zum ersten Mal die Idee auf, dass sich Münster in Lederhosen und Dirndl schmeißt. Keine blau-weiße Sause fand während des Irak-Krieges und zu Corona-Zeiten statt. „Damit verbuchen wir in diesem Jahr die 44. Auflage“, weiß Michael Sühl. Der nun hervorragende Zuspruch hing nicht unwesentlich mit dem Oktoberfest des Dieburger Karnevalsvereins zusammen, das 2026 nicht auf den gleichen Abend fiel. In der Folge kamen zahlreiche Dieburger in die Nachbargemeinde, darunter 28 Mitglieder der Dieburger Feuerwehr.
Deckel schützen vor Wespe und Nachbar
Über die Jahre haben sich beim lokalen Oktoberfest viele bayerische Bräuche etabliert, darunter das eigene Getränk mit einem Bierglasdeckel zu schützen. Meist aus Holz, bewahrt die runde Scheibe im Freien vor Bienen und Wespen. Indoor hilft sie, dass der Nachbar nicht aus einem fremden Humpen trinkt. Gerd Girbig fiel mit einem ganz besonderen Deckel auf: Auf dem war zusätzlich eine Figur des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß mit grimmigem Blick verankert. „Deckel und Figur gibt’s in München“, verriet Girbig. Die logische Annahme, dass er das „O’zapft is“ schon auf der Theresienwiese erlebte, verneint er: „Nein, den habe ich mir mitbringen lassen.“
Für die Wehr ist es stets eine Augenweide, wenn das Gros der Besucher in Tracht kommt. „Die meisten unserer Gäste tragen Dirndl und Lederhose, Personen in Zivil sind die Ausnahme. Die Münsterer sind mittlerweile sehr gut ausgestattet“, sagt Michael Sühl. Trotzdem waren natürlich ein paar Gäste auszumachen, die keine Tracht besitzen oder tragen wollen, darunter eine 18-jährige Schülerin. „Ich finde das cool. Damit steche ich aus der Masse raus“, führte sie an. Der Coolness-Preis ging trotzdem an eine andere Besucherin: Sie schickte sich an, ein rot-kariertes Hemd mit einem blau-grün karierten Schottenrock zu kombinieren. „Das ist ein Blickfang“ und „Auf diese Idee muss man erst mal kommen“, lauteten die Stimmen der Beobachter, die diese Zusammenstellung positiv bewerteten.