Neues Forschungszentrum für moderne Gen-Therapien: So setzte Edeltraud (85) ihren Krebs schachmatt

tzMünchenStand: 23.09.2026, 14:19 UhrKommentareUns auf Google folgenProf. Marion Subklewe verabreichte Krebspatientin Edeltraud Becker (85) eine hochmoderne Krebstherapie. © Astrid SchmidhuberKrebs heilen ohne ...

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Neues Forschungszentrum für moderne Gen-Therapien: So setzte Edeltraud (85) ihren Krebs schachmatt

Stand: 23.09.2026, 14:19 Uhr

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Klinikum Großhadern, MünchenProf Marion Subklewe, Poliklinik III, Leukämiemit Patientin 01.07.2026Foto: Astrid Schmidhuber

Prof. Marion Subklewe verabreichte Krebspatientin Edeltraud Becker (85) eine hochmoderne Krebstherapie. © Astrid Schmidhuber

Krebs heilen ohne Operation – das klingt nach Pseudomedizin. Aber in Wirklichkeit ist es das Gegenteil. Im neuen Gen-Forschungszentrum am LMU-Klinikum wird an gentechnischen Therapien gegen Volkskrankheiten geforscht.

Immer mehr Therapien heute arbeiten mit einem Trick: Sie verändern das körpereigene Immunsystem und schaffen es, dass es selbst gegen den Krebs ankämpft, ihn vernichtet und das Wiederauftreten verhindert. Wir erzählen, wie eine 85-jährige Münchnerin mit einer hochmodernen CAR-T-Zell-Therapie ihren aggressiven Lymphdrüsenkrebs bekämpfte.

So setzte Edeltraud (85) ihren Krebs schachmatt

Als wir Patientin Edeltraud Becker Ende Juli im LMU-Klinikum in Großhadern kennenlernten, war die Münchner Seniorin von ihren Gefühlen gebeutelt. Sie stand kurz vor der Infusion von gentechnisch veränderten Immunzellen, die ihrem Lymphdrüsenkrebs den Garaus machen sollten. „Ich bin sehr froh, dass sie mich hier als Patienten genommen haben, trotz meines Alters“, sagte sie. Und erzählte, dass sie den aggressiven Lymphdrüsenkrebs ein Jahr zuvor bei ihrem Urlaub auf Teneriffa zum ersten Mal spürte.

„Ich war müde, hatte keine Kraft und merkte, da stimmt etwas nicht.“ Wieder zu Hause in München, ging sie zu ihrem Hausarzt – und der nahm Blut ab und schaute mit moderner Bildgebung, genau gesagt per Magnetresonanztomografie (MRT) in ihren Körper – ohne Ergebnis. Aber dann bestätigte eine Gewebeprobe den Verdacht des Lymphknotenkrebses. Ein Onkologe verordnete der Seniorin eine Chemotherapie, die sie bei ihm ambulant bekam, ebenso wie eine Antikörpertherapie. „Die Zeit war nicht einfach, einmal war mein ganzer Oberschenkel stark geschwollen, aber ich habe nie den Mut verloren“, erinnert sich die Seniorin. Mit Ihrem Enkel Melville (21) ging sie trotzdem viel spazieren. „Er sagt immer: ‚Oma, auf geht’s, wir müssen uns bewegen‘, und motiviert mich, wenn es mir nicht so gut geht“, erzählt sie. „Er hat mich dazu gebracht, dass ich täglich 10.000 Schritte laufe“, erzählt die 85-Jährige.

Neues Gen-Forschungszentrum am LMU-Klinikum in München

Klinikum Großhadern, MünchenProf Marion Subklewe, Poliklinik III, Leukämiemit Patientin 01.07.2026Foto: Astrid Schmidhuber

Klinikum Großhadern, MünchenProf Marion Subklewe, Poliklinik III, Leukämiemit Patientin 01.07.2026Foto: Astrid Schmidhuber © Astrid Schmidhuber

Prof. Subklewe leitet das neue Zell- und Gentherapiezentrum, das am LMU Klinikum in Großhadern geschaffen wurde. Es bündelt Fachwissen aus verschiedenen Bereichen und hat zum Ziel, Patienten mit unterschiedlichsten Erkrankungen einen strukturierten, sicheren und schnellen Zugang zu modernen Zell- und Gentherapien zu ermöglichen. Die moderne Krebsmedizin setzt zunehmend auf personalisierte Zell- und Gentherapien wie CAR-T-Zelltherapien. Laufend werden neue Schwachstellen identifiziert und Möglichkeiten gefunden, die Krebszellen an diesen anzugreifen und zu vernichten. Stellvertretender Leiter ist Prof. Stylianos Michalakis, der an der LMU-Augenklinik tätig ist. Sein Ziel sind Gentherapien, um das Sehvermögen von Patienten wiederherzustellen.

Klinikum Großhadern, MünchenProf Marion Subklewe, Poliklinik III, Leukämiemit Patientin 01.07.2026Foto: Astrid Schmidhuber

Klinikum Großhadern, MünchenProf Marion Subklewe, Poliklinik III, Leukämiemit Patientin 01.07.2026Foto: Astrid Schmidhuber © Astrid Schmidhuber

Ihr Enkel und ihre Tochter haben sie dann auch ermutigt, die ihr am LMU-Klinikum in Großhadern empfohlene CAR-T-Zell-Therapie zu wagen. „Ich bin froh, dass ich mich das trotz meines Alters noch getraut habe, auch wenn mir ganz bang dabei geworden ist, als ich las, welche Nebenwirkungen auftreten können“, resümiert die Seniorin. Denn die CAR-T-Zell-Therapie ist eine hochinnovative Immuntherapie gegen bestimmte Formen von Blutkrebs und Tumoren. Als Nebenwirkung kann eine starke Immunreaktion, ein sogenannter Zytokin-Sturm, auftreten. Zudem kann das Nervensystem betroffen sein, und es beispielsweise zu Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder undeutliche Sprache kommen.

Ich bin froh, dass ich mich in meinem Alter noch getraut habe, die Therapie mit CAR-T-Zellen zu machen

Prof. Marion Subklewe war in Deutschland eine der ersten, die vor sieben Jahren die damals noch neue Therapie anwendete. „Heute gelingt es uns, mit ihr mehr als die Hälfte der Patienten zu heilen“, sagt die renommierte Immuntherapie-Expertin. Sie leitet künftig in München am LMU-Klinikum das neue Zentrum für Zell- und Gentherapien (siehe Kasten). „Mit der CAR-T-Zell-Therapie machen wir das körpereigene Immunsystem durch gentechnische Veränderungen zur Waffe gegen den eigenen Krebs, den sie zuvor übersehen haben“, sagt die Expertin für zelluläre Immuntherapien.

Bei der CAR-T-Zell-Therapie wird dem Patienten Blut entnommen, erklärt sie. Aus diesem werden körpereigene T-Zellen gefiltert, das sind Abwehrzellen des Immunsystems. Diese werden im Labor gentechnisch verändert. Einfach gesagt wird ihnen ein künstlicher Rezeptor angefügt, in der medizinischen Fachsprache nennt man diesen einen „chimären Antigenrezeptor, kurz CAR“. Die so veränderten T-Zellen können Tumorzellen zielgenau erkennen und zerstören. Dann werden sie wieder in den Körper injiziert, wo sie sich vermehren und auf die Krebszellen im Blut losgehen.

Klinikum Großhadern, MünchenProf Marion Subklewe, Poliklinik III, Leukämiemit Patientin 01.07.2026Foto: Astrid Schmidhuber

Lässt sich den Lebensmut nicht nehmen: Edeltraud Becker. © Astrid Schmidhuber

Einen Monat nach der CAR-T-Zell-Infusion war Edeltraud Becker bester Laune: „Mir geht es großartig. Ich hatte nur zwei Tage lang eine erhöhte Temperatur, jetzt bin ich wieder täglich unterwegs beim Nordic Walking.“ Denn auch Bewegung schützt vor Krebs.