New Mexico sperrt Öl-Pipeline: Oracle-Datenzentrum wankt, KI-Blase droht

Künstliche Intelligenz New Mexico sperrt Öl-Pipeline: Oracle-Datenzentrum wankt, KI-Blase droht Datenriese Oracle bittet seine Investoren um Geduld. Daraufhin werden die Schulden des Konzerns teurer un...

  • 4 min read
New Mexico sperrt Öl-Pipeline: Oracle-Datenzentrum wankt, KI-Blase droht

Künstliche Intelligenz

New Mexico sperrt Öl-Pipeline: Oracle-Datenzentrum wankt, KI-Blase droht

Datenriese Oracle bittet seine Investoren um Geduld. Daraufhin werden die Schulden des Konzerns teurer und die Warnungen vor der KI-Blase werden wieder lauter

Die Blockade von New Mexico bringt das Rating des Datenunternehmens ins Wanken. Eine Herabstufung hätte massive Auswirkungen auf die Finanzen des Unternehmens.

Drohende Energieprobleme bei Oracle verängstigen KI-Investoren in den USA. Alles dreht sich um ein fertiges Rechenzentrum in New Mexico mit dem Projektnamen "Jupiter", dem der Strom fehlt. Die Verwaltung von New Mexico sperrte die Freigabe der geplanten Öl-Pipeline bereits zum zweiten Mal. Es ist ein weiterer Rückschlag für KI-Optimisten, der die Angst vor einer KI-Blase befeuert.

Auch die Zivilgesellschaft in den USA wehrt sich lautstark gegen den Ausbau der KI-Konzerne. Oracle befindet sich im Auge des Orkans: zwischen nervösen Investoren, strengen Behörden und einer wütenden Öffentlichkeit. Solange der Konzern stabil bleibt, kann es funktionieren. Sollte er das sichere Auge verlassen, gerät er wohl ins Schleudern. Jetzt könnte ein aufgeschobener Mietvertrag zum Problem werden.

Die Miete, die Oracle an den Investor Blue Owl Capital zahlen muss, ist während der Bauphase geringer als sie während des Betriebs des Rechenzentrums sein wird. Blue Owl rechnet dann mit rund elf Prozent Rendite auf sein Investment von drei Milliarden Dollar, Kredithebel eingerechnet. Weil die Stromversorgung noch nicht gesichert ist, könnte sich jedoch die Inbetriebnahme verzögern. Für diesen Fall will Oracle die höheren Mietzahlungen herauszögern, die fällig werden.

Dafür benachrichtigt Oracle seinen Kapitalgeber, dass ein Fall von "höherer Gewalt" vorliegen könnte, im Vertragsjargon "Force Majeure". Eine solche Klausel befreit eine Vertragspartei von ihren Pflichten, wenn Ereignisse außerhalb ihrer Kontrolle sie daran hindern, diese zu erfüllen. Oracle will damit nicht aussteigen, sondern sich das Recht sichern, später zu zahlen.

Teure Schulden

Der Verweis auf eine höhere Gewalt kommt immer wieder im Fall von Umweltkatastrophen und unvorhergesehenen Einschränkungen zum Tragen. Gemeint sind oft Kriege oder andere Einschnitte außerhalb der Kontrolle der Vertragspartner, die vertragliche Ansprüche unerfüllbar machen. Oracle sieht in der politischen Blockade der Stromversorgung so eine höhere Gewalt. Die Mietansprüche verfallen nicht, sondern werden "nur" verschoben.

Die Credit Default Swaps (CDS) auf Oracle-Schulden stiegen nachdem die Nachricht bekannt wurde. Mit CDS sichern sich Anleger gegen einen Zahlungsausfall ab. Nach Bekanntwerden der Force-Majeure-Mitteilung stieg der Preis dieser Absicherung auf ein Rekordhoch: Wer Oracle-Schulden für fünf Jahre versichern will, zahlt nun jährlich mehr als 2,2 Prozent der versicherten Summe an den Versicherer.

Die Finanzmärkte halten Oracle-Schulden also für riskanter. Das kann die Finanzierung des Konzerns verteuern, denn wer Oracle künftig Geld leiht, dürfte höhere Zinsen verlangen. Auch am Anleihemarkt zeigt sich die Nervosität: Die Rendite einer bis 2056 laufenden Oracle-Anleihe stieg erstmals über acht Prozent. Investoren verlangen also deutlich mehr Rendite dafür, Oracle Geld zu leihen. Jedenfalls wird es für Oracle teurer, Kredite für Investitionen aufzunehmen.

Das entscheidende Rating der Oracle-Anleihe gerät ebenfalls unter Druck. Moody's und S&P führen Oracle derzeit bei Baa2 und BBB. Das ist eine Stufe über "junk", also der schlechtesten Investmentklasse. Fällt Oracle darunter, würden Anleihen im Wert von 120 Milliarden Dollar aus sogenannten "investment grade" Indizes herausfallen. Viele Pensions- und Indexfonds dürfen nur Anleihen mit solider Bonität halten und müssten Oracle-Papiere dann verkaufen, was Oracles Schulden weiter verteuern würde.

Boom oder Bust?

Im Frühjahr 2026 investierte Oracle 28,5 Milliarden Dollar, vor allem in Rechenzentren und den eigenen KI-Sektor. Das ist etwa dreieinhalbmal so viel, wie letztes Jahr. Diese Investitionen erhöhen die Exposure, also die Abhängigkeit des Unternehmens, von den Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz. Neben der Blockade in New Mexico leidet der gesamte KI-Sektor unter hohen Energiepreisen, wachsenden Sicherheitsbedenken der Künstlichen Intelligenz und der Kreisfinanzierung der großen Tech-Konzerne in den USA.

Schon länger warnen Finanzanalysten vor einer möglichen KI-Blase. Grund sind die kreisförmigen Geldflüsse zwischen US-amerikanischen Tech-Giganten. Drei große Gruppen hängen zusammen: Chip-Hersteller wie Nvidia, Datenzentrumsentwickler wie Fluor und Software-Riesen wie OpenAI. Ein beispielhafter Zahlungskreislauf: Microsoft investierte 13 Milliarden in OpenAI. Die gaben den Großteil für die Cloud-Computing-Plattform Azure aus, wodurch Nachfrage nach den Cloud-Diensten von Microsoft entsteht. Beide Firmen verzeichnen einen Umsatzgewinn, der umso größer wird, je mehr Unternehmen an dem Spiel teilnehmen.

Was ist dabei das Problem? Der Rangierbahnhof erzeugt den Schein einer boomenden Industrie, die jedoch – wenn KI nicht den erhofften Ertrag liefern kann – ähnlich wie die Dotcom-Blase platzen kann. Solange die Unternehmen Profite vermelden, ziehen sie weiteres Kapital an. Je mehr Kapital sie anziehen, desto größer der potenzielle Schaden in einer Abwärtsspirale und je höher der Druck, das Spiel am Laufen zu halten. Denn: Wenn einmal eine kritische Masse an Zahlungen ausfällt und die Tech-Riesen sich nicht mehr gegenseitig finanzieren können, kann es schnell gehen. Wann genau das passiert, kann man erst wissen, wenn es für die meisten schon zu spät ist. (Gregor Metz, 28.09.2026)

Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.