Meinung: News des Tages: CDU sucht Richtung, Trumps Abschiebemaschinerie, jung gebliebene Ältere

Friedrich Merz und die CDU suchen den richtigen Kurs. US-Präsident Donald Trump hat eine erbarmungslose und teure Abschiebepraxis eingeführt. Und die Generation 55 plus fühlt sich jung und naiv. Das ist die Lage am Montagabend.

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Meinung: News des Tages: CDU sucht Richtung, Trumps Abschiebemaschinerie, jung gebliebene Ältere

1. Das Ende einer Volkspartei

Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich am Tag eins nach dem politischen Beben erneut zu seiner Zukunft geäußert: Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ist die CDU am Sonntag erstmals in ihrer Geschichte mit 4,9 Prozent der Stimmen aus einem Landtag geflogen. Schon direkt nach den ersten Hochrechnungen, da lag die CDU noch bei mehr als fünf Prozent, stellte Bundeskanzler Merz klar: Er werde daraus keine persönlichen Konsequenzen ziehen.

Gespannt erwartete das politische Berlin seine Pressekonferenz keine 20 Stunden später, am Montagmittag. Bleibt er? Ja, er bleibt. (Hier geht es zum Liveblog .)

Kanzler Merz: »Dramatisches, einmaliges Ergebnis«

Kanzler Merz: »Dramatisches, einmaliges Ergebnis«

Foto: Annegret Hilse / REUTERS

Es sei ein »dramatisches, einmaliges Ergebnis«, dass die CDU in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Landtag geflogen ist, sagte Friedrich Merz nach den Sitzungen der Parteiführung. Seine Partei sei »nur noch in Teilen« eine Volkspartei, so Merz weiter. »Wir haben auf zu viele Fragen keine Antworten mehr.« (Lesen Sie hier mehr .)

Anders als bei seiner Erklärung am Sonntagabend habe sich Merz heute auch inhaltlich geäußert und etwa durchblicken lassen, »dass die Koalition ein Gerechtigkeitsproblem hat«, schreiben meine Kollegen Christian Teevs und Paul-Anton Krüger. So habe sich Merz etwa zu den großen Unterschieden zwischen gesetzlich und privat Versicherten geäußert und Verbesserungen versprochen, schreiben sie. Auch die geplante Rentenreform dürfte noch heftig diskutiert werden, insbesondere die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren, landläufig als Rente mit 63 bekannt.

»Die allgemeine Stimmung in der CDU ist von Ratlosigkeit geprägt, doch betont wird, dass weder im Präsidium noch im Vorstand Merz offen infrage gestellt worden sei«, fassen Christian und Paul-Anton ihre Eindrücke vom heutigen Tag zusammen.

  • Lesen Sie seine Analyse der Merz-Rede und der Reaktionen hier: Nach dem Wahldesaster kommt der Kanzler mit einem überraschenden Vorstoß 

2. Das zynischste One-Way-Ticket der Welt

Im Wahlkampf hatte Donald Trump angekündigt, so viele irregulär eingewanderte Menschen auszuweisen wie kein Präsident vor ihm – bis zu 20 Millionen Menschen. Um sein Versprechen zu erfüllen, ist dem US-Präsidenten fast jedes Mittel recht. Beamte der Einwanderungsbehörde ICE jagen Einwanderer, zuletzt nahmen sie im Schnitt mehr als tausend Menschen pro Tag fest.

Abschiebeflug aus El Paso, Texas: Mehr als tausend Migranten werden pro Tag festgenommen

Abschiebeflug aus El Paso, Texas: Mehr als tausend Migranten werden pro Tag festgenommen

Foto: Planet Pix / ZUMA Press Wire / action press

Recherchen von Reportern des SPIEGEL und 25 weiteren Medien legen nun die Umrisse einer einzigartigen Abschiebemaschinerie offen. Jene Migranten, die nicht in ihre Heimat geschickt werden können, weil die Länder sich querstellen oder den Menschen dort Verfolgung droht, schiebt die US-Regierung in Drittstaaten ab.

»Die Idee, potenzielle irreguläre Einwanderer abzuschrecken, indem man sie in Drittstaaten schickt, ist nicht neu. Doch keine Regierung der Welt verfolgt sie so systematisch und skrupellos wie die von Donald Trump«, schreiben meine Kolleginnen Muriel Kalisch, Dajana Kollig, Anna Lauterjung und mein Kollege Steffen Lüdke. (Lesen Sie hier mehr .)

Das internationale Rechercheteam hat mit 33 Abgeschobenen gesprochen, die in Ländern gestrandet sind, deren Sprache sie oft nicht sprechen, in denen sie niemanden kennen, schon gar keine Anwälte. Die USA bezahlen für diese menschenverachtende Praxis viel Geld. Allein bis Ende Juni hat die Trump-Regierung mindestens 410 Millionen Dollar für die Aufnahmedeals mit Drittstaaten eingeplant.

  • Lesen Sie hier die ganze Geschichte: »Wie bin ich hier nur reingeraten?« – so funktioniert Trumps skrupellose Abschiebemaschinerie 

3. Generation gefühltes Alter

Neulich hat mir meine zwölfjährige Tochter eine Standpauke gehalten. Die neue Jeans, die ich mir gekauft habe, sei zu weit, so was würden die Jungs aus ihrer Klasse tragen. »Aber sie ist bequem«, lautete meine schwach vorgetragene Verteidigung. Immerhin, sagte sie, würde ich nicht »saggen«. »Du meinst, auf halb acht tragen?«, fragte ich. Wieder vernichtender Blick.

Senioren machen Selfie (Symbolbild): Ab wann ist man eigentlich alt?

Senioren machen Selfie (Symbolbild): Ab wann ist man eigentlich alt?

Foto:

RgStudio / E+ / Getty Images

Seitdem frage ich mich, ob ich jetzt offiziell ein Berufsjugendlicher bin. Falls ja, wäre ich damit immerhin nicht allein. Eine Studie, für die mehr als tausend Menschen im Alter 55 plus zu ihrer Gefühlslage interviewt wurden und die heute veröffentlicht wurde, ergab: Die Gruppe der 55- bis 59-Jährigen fühlt sich im Schnitt mehr als sieben Jahre jünger, als sie ist. Bei den Menschen ab 70 Jahren sind es sogar rund acht Jahre. (Lesen Sie hier mehr .)

Meine Kollegin Julia Köppe hat die Ergebnisse analysiert und Expertinnen und Experten dazu befragt. Die Arbeit förderte interessante Widersprüche zutage: Demnach wollten etwa 93 Prozent möglichst lange eigenständig leben. »Doch nur etwa ein Viertel der Befragten gab an, das eigene Haus oder die Wohnung sei rundum altersgerecht«, schreibt Julia.

  • Lesen Sie hier die ganze Geschichte: »Für mich ist irgendwie jeder Tag ein Sonntag« 

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Für Gutverdienende werden Rente und Krankenkasse 2027 noch teurer als erwartet: Jedes Jahr steigen die Grenzen, bis zu denen Beiträge zu Sozialversicherungen fällig werden. 2027 aber besonders stark – und das nicht nur wegen der Sonderbelastung durch die Gesundheitsreform.

  • Verlegerin Antje Kunstmann ist tot: Sie wurde als »Verlegerin mit dem langen Atem und dem großen Herzen« ausgezeichnet, ihr Verlag hat unter anderem Kinderbücher und internationale Literatur im Programm. Nun ist Antje Kunstmann im Alter von 77 Jahren gestorben.

  • Europas Geheimdienste warnen vor russischem Angriff: Ein tschechischer Geheimdienstchef hält einen begrenzten Vorstoß gegen Nato-Gebiet binnen Monaten für möglich. Baltische Kollegen warnen dagegen vor Panik und Überreaktionen.

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

Norbert Dickel und Jürgen Klopp im Jahr 2011

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Foto:

Anke Fleig / Sven Simon / picture alliance

»Wenn Jürgen Klopp einen anschreit, dann gehst du in die Knie«: BVB-Stadionsprecher Norbert Dickel hat Jürgen Klopp aus nächster Nähe erlebt, in dessen Zeit als Trainer von Borussia Dortmund. Ein Interview mit einem glühenden Fan .

Was heute weniger wichtig ist

Dolly Parton (2014)

Dolly Parton (2014)

Foto: Will Oliver / EPA

Tagessiegerin: Dolly Parton, kürzlich im Alter von 80 Jahren gestorben, erhält im US-Bundesstaat Kalifornien künftig einen Ehrentag. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom unterzeichnete das entsprechende Gesetz. Er soll am 25. September begangen werden, in Anlehnung an Partons Song »9 to 5«. In der US-Schreibweise wird der 25. September zu »9/25«. »Wir könnten uns alle eine Scheibe von Dolly abschneiden«, sagte Newsom. »Mit diesem Gesetz wollen wir nicht nur einen Ehrentag für Dolly Parton festlegen, sondern auch eine jährliche Erinnerung schaffen, die uns daran erinnert, so zu leben, wie sie es getan hat: fröhlich, liebenswürdig und mit ganzem Herzen.«

Mini-Hohlspiegel

Hinweis auf einem Campingplatz auf Sylt (Schl.-Holst.)

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Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons

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Thomas Plaßmann

Und heute Abend?

Schauspielerinnen Seydoux, Haase: Ein Ereignis

Schauspielerinnen Seydoux, Haase: Ein Ereignis

Foto: Thibaud Moritz / AFP / dpa

Könnten Sie ins Kino gehen und sich dort mit einem ernsten Thema beschäftigen: Fast jede fünfte Frau und rund jeder siebte Mann auf der Welt sind als Minderjährige Opfer sexueller Gewalt geworden. Weil die Täter in der Regel aus dem Umfeld der Kinder stammen, wird man statistisch gesehen nicht nur Opfer kennen – sondern auch Täter.

Um diese erschütternde Tatsache dreht sich »Gentle Monster«: Eines Tages steht die Polizei vor der Tür des Landhauses von Pianistin Lucy (Léa Seydoux) und will den Laptop und die Festplatten ihres Mannes Philip (Laurence Rupp) mitnehmen. Sie kann nicht begreifen, was geschieht, und macht sich auf die Suche nach Erklärungen.

»Seydoux bei dieser Suche zuzuschauen, ist wie immer ein Ereignis«, schreibt meine Kollegin Hannah Pilarczyk in ihrer Rezension des Films. Zwar sei »Gentle Monster« mit seinen verschiedenen Erzählsträngen stellenweise überladen, findet Hannah, »aber zu keinem Zeitpunkt melodramatisch« .


Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Michail Hengstenberg, Autor im Kulturressort