Nie wieder ist jetzt

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Nie wieder ist jetzt

Stand: 12.10.2026, 07:00 Uhr

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Aufmerksam verfolgt das Publikum den Vortrag zur NS-Geschichte im Tal.

Aufmerksam verfolgt das Publikum den Vortrag zur NS-Geschichte im Tal. © Bettina Eck

Schüler erfahren, wo NS-Größen wie Himmler im Tegernseer Tal lebten. Ein neues regionales Bildungsprojekt setzt sich mit der NS-Geschichte auseinander – um die Herausforderungen der Gegenwart bewältigen zu können.

Tegernsee – Vorträge, Erinnerungstafeln, Führungen und Buchprojekte: Seit mehr als zwei Jahren setzt sich die Interessensgemeinschaft „Gegen das Vergessen – Nie wieder ist jetzt“ mit der Zeit des Nationalsozialismus und dem Kriegsende im Tegernseer Tal auseinander und warnt vor aktuellen Entwicklungen. Jetzt stellten die Heimatforscher Christian Stadler aus Rottach-Egern, Markus Wrba aus Kreuth und Markus Herder aus Gmund mit den Heimatführern Thomas Tomaschek, Rudi Gritsch und Albert Hager ein neues Format der politischen Bildung vor: ein dreigeteiltes Programm wider das Vergessen am Tegernsee. Es leuchtet die unterschiedlichen Aspekte des öffentlichen Lebens im Tegernseer Tal zwischen 1920 und 1945 aus. Es macht deutlich, dass Politik nicht allein in Parlamenten, Regierungssitzen, Bunkern und Schlachtfeldern stattfand, sondern dass die nationalistischen Ideen die Bevölkerung durchdrungen hatten. Geschichte ist plötzlich greifbar. Außerdem zielt das neue Format darauf, dass ähnliche politische Entwicklungen in der Gegenwart erkannt werden können.

Die Konzeption setzt sich aus drei Teilen zusammen: aus einer Führung für Schüler der Realschule Tegernseer Tal und des Gymnasiums Tegernsee, die auf den Lehrplan aufbaut und mit den Fachschaftsleitern besprochen ist. Vergangene Woche waren die drei zehnten Klassen des Gymnasiums – insgesamt rund 60 Jugendliche – in Tegernsee unterwegs. Hier verdeutlichten die Heimatführer unter anderem, wo 1920 die erste Hakenkreuzfahne im Malerwinkel hing. Mündlich tradierte Erlebnisse von Vorfahren oder Bekannten der Heimatführer machten die Stimmung und Gefühlslage von damals noch greifbarer.

So auch beim zweiten Teil, dem anschließenden Vortrag „Gegen das Vergessen – Kriegsende 1945 im Tegernseer Tal“, der in der „Schüler-Version“ im Barocksaal stattfand und den Wrba, Stadler und Herder im dynamischen Wechsel und teils auch in verschiedenen Rollen hielten. Die Schüler steckten auf einer Karte vom Tal Nadeln an ihre Wohnorte und staunten nicht schlecht, als sie bei der Nennung all der Nazigrößen und deren Wohnorte erkannten, wer vor 80 Jahren in ihrer Nachbarschaft wohnte: Reichswehrminister Werner von Blomberg am Sonnenbichl, Generalfeldmarschall Albert Kesselring in Bad Wiessee, Reichsarbeitsminister Franz Seldte in Rottach-Egern, Reichsleiter Presse Max Amann in St. Quirin, Reichsführer SS Heinrich Himmler in Gmund, wie auch General Walter Warlimont vom Wehrmachtsführungsamt.

Christian Stadler zeigte sich überzeugt, dass unter den Bewohnern des Tegernseer Tals auch heute noch Menschen mit brauner Gesinnung seien, die nur auf eine Gelegenheit warteten, ihre Haltung kundzutun. „Wir müssen uns weiter erinnern! Wir dürfen die Erinnerung nicht sterben lassen“, mahnte Stadler. Mit viel Elan und in verschiedene Rollen schlüpfend versuchten die drei Vortragenden, den Jugendlichen das dramatische Kriegsende im Tal näherzubringen.

Am Abend gab es den inhaltlich gleichen Vortrag, allerdings stilistisch an ein erwachsenes Publikum angepasst. Hierzu waren die Eltern der Schüler beider Schulen sowie Interessierte eingeladen. Rund 25 Gäste kamen in den Barocksaal – nicht nur, um sich zu informieren, was ihr Nachwuchs gelernt hatte, sondern um ihren eigenen Wissensstand zu aktualisieren und anschließend noch in kleinen Gruppen zu diskutieren. Am Ende des Tages zeigten sich die Initiatoren, die Jugendlichen und die Lehrer zufrieden. Die Idee, junge Leute politisch zu bilden, indem man sie in ihrer Lebenswirklichkeit abholt, hatte verfangen. Die Initiatoren des Projekts, wollen ihr Konzept weiterentwickeln und immer wieder thematisch neu anpassen.