Niedrigwasser des Rheins: Pegel fällt an wichtiger Engstelle auf Rekordtief
Der Rheinpegel an der wichtigen Engstelle Kaub hat ein Rekordtief erreicht. Am Dienstag wurden nur noch 24 Zentimeter gemessen. Damit wurde das historische Tief für einen einzelnen Messwert von Oktober 2018 ein...
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Der Rheinpegel an der wichtigen Engstelle Kaub hat ein Rekordtief erreicht. Am Dienstag wurden nur noch 24 Zentimeter gemessen. Damit wurde das historische Tief für einen einzelnen Messwert von Oktober 2018 eingestellt, das für den Tagesschnitt liegt bei 25 Zentimetern.
Neue Rekorde sollen schon in den kommenden Tagen folgen: Bis Samstag soll der Pegelstand auf 17 Zentimeter fallen, wie aus Prognosen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes hervorgeht. Die Engstelle Kaub liegt in Rheinland-Pfalz in der Nähe der Loreley und ist für die Binnenschifffahrt enorm wichtig. Der Pegelstand ist ein Referenzwert für die Schifffahrt, der Rhein ist in Kaub tatsächlich noch gut einen Meter tiefer.
Der niedrige Wasserstand nach mehreren Hitzewellen und die geringen Niederschläge dieses Sommers führen dazu, dass Frachtschiffe auf Europas wichtigster Wasserstraße oft nur zu etwa einem Fünftel beladen werden können. Die Ladung muss deshalb auf mehrere Schiffe verteilt werden, was die Kosten erhöht. Händlern zufolge sind die Kosten für den Transport mit Tanker- und Binnenschiffen von Rotterdam nach Karlsruhe am Dienstag auf rund 150 bis 160 Euro pro Tonne gestiegen, verglichen mit 45 Euro Ende Juni.
Pegelstände zur Chefsache erklärt
Zugleich steigt die Nachfrage nach alternativen Transporten auf Schiene und Straße. Das betreffe in erster Linie Futtermittel, wie ein Sprecher des Logistikverbandes BGL der Nachrichtenagentur Reuters sagte. „Andere Massengüter sind in der Regel nicht so zeitkritisch, da sie nicht ‚just in time‘ an Fließbänder oder Supermarktregale gebracht werden müssen, sondern üblicherweise auf Halde gelagert werden“, fügte der Sprecher hinzu.
Allerdings müssen viele Speditionen aufgrund des grassierenden Lkw-Fahrermangels viele Aufträge ablehnen. „Immer öfter muss der Chef selbst wieder ‚auf den Bock‘ steigen, damit die Ware pünktlich im Supermarkt oder das Material am Fließband oder auf der Baustelle eintrifft“, sagte der BGL-Sprecher. „Und ohne Ruheständler, die sich auf Minijob-Basis etwas zu ihrer kargen Rente hinzuverdienen, bliebe heute schon so manches Supermarktregal leer.“
Der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger will die historisch niedrigen Pegelstände auf wichtigen Wasserstraßen wie dem Rhein zur Chefsache machen. „Es ist schon eine sehr angespannte Situation mit dem Niedrigwasser“, sagte der CDU-Politiker zu Reuters TV. Er werde am Donnerstag zu einem Spitzengespräch mit Betroffenen einladen. Dabei werde es sowohl um kurz- als auch um langfristige Maßnahmen gehen. „Wir sind es gewohnt, dass es immer mal wieder zu Niedrigwassersituationen kommt. Aber jetzt ist schon ein sehr früher Zeitpunkt für eine solche Problematik, wie wir sie jetzt erleben.“
Auf dem Rhein werden etwa Rohstoffe wie Getreide, Mineralien, Erze, Kohle und Ölprodukte transportiert. „Die niedrigen Pegelstände des Rheins und vieler anderer Flüsse bremsen den Gütertransport derzeit massiv aus“, sagte der Experte der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Dirk Binding. Das führe zu Engpässen, steigenden Transportkosten und längeren Lieferzeiten. (Reuters)