Nigel Farage siegt in Nachwahl gegen Mülltonne "Count Binface"
Großbritannien Nigel Farage siegt in Nachwahl gegen Mülltonne "Count Binface" Der britische Rechtspopulist holte in seiner Nachwahl 62,8 Prozent. Sein Gegner, ein Spaßkandidat in Mülltonnenform, konnte...
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Großbritannien
Nigel Farage siegt in Nachwahl gegen Mülltonne "Count Binface"
Der britische Rechtspopulist holte in seiner Nachwahl 62,8 Prozent. Sein Gegner, ein Spaßkandidat in Mülltonnenform, konnte rund 27 Prozent der Wähler überzeugen
Clacton-on-Sea – Der britische Rechtspopulist Nigel Farage konnte die kuriose Nachwahl im Wahlkreis Clacton für sich entscheiden. Der Chef der Partei Reform UK setzte sich mit 62,8 Prozent aller Stimmen gegen seinen Hauptgegner Count Binface, den Spaßkandidaten in Mülltonnenform der in Wahrheit Jonathan David Harvey heißt, durch. Dieser konnte 26,7 Prozent der Wähler bei insgesamt 44,4 Prozent Wahlbeteiligung überzeugen. Bereits bevor das offizielle Wahlergebnis verkündet wurde, sprach Farage von einem "überzeugenden, überwältigenden Sieg". Im Jahr 2024 erhielt er noch 46,2 Prozent der Stimmen, das jedoch bei weit seriöserer Konkurrenz durch die etablierten Parteien und zog damit als Abgeordneter ins britische Unterhaus ein.
Mit seinem Sieg konnte Farage auch seinen Sitz als Abgeordneter im britischen Parlament zurückerobern. Diesen hatte er im Juli in einem taktischen Manöver überraschend niedergelegt. Zuvor war er unter anderem wegen eines umstrittenen Geldgeschenks in die Schlagzeilen und schließlich in den Fokus einer parlamentarischen Untersuchung geraten.
Millionen von Kryptomilliardär
Wie der Guardian zuletzt enthüllte, erhielt Farage kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2024 ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (rund 5,9 Mio. Euro) von Crypto-Milliardär Christopher Harborne, das er nicht als Spende deklariert hatte. Seinen Angaben nach handelte es sich um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen. Der Vorgang wurde vom Beauftragten für parlamentarische Standards untersucht. Nach Farages Abgang wurde die Untersuchung jedoch ausgesetzt. Die Wählerinnen und Wähler sollten über sein Handeln entscheiden, sagte er vor wenigen Wochen bei seinem Rücktritt.
Dass Farage glaubt, die justizielle Aufarbeitung durch ein politisches Votum ersetzen zu können, stieß auf der Insel auf sehr viel Kritik, weshalb durchaus damit zu rechnen ist, dass die parlamentarischen Untersuchen abermals aufgenommen werden, sobald Farage als Abgeordneter zurückkehrt. Es war auch der Hauptgrund, warum große Parteien wie Labour, die Konservativen, die Grünen oder die Liberaldemokraten die Nachwahl boykottierten.
"Glaubwürdige Drohungen"
An der offiziellen Veranstaltung zur Bekanntgabe der Ergebnisse wollte Farage am Freitag nicht teilnehmen. Demnach habe er durch die örtliche Polizei von einer geplanten "organisierten Kampagne" gegen ihn erfahren, die darauf abziele "das Ergebnis zu stören und zu untergraben", sagte er. Die Polizei hingegen sagte, dass man die Sicherheit der Kandidaten extrem ernst nehme und dafür Sorge trage, aber dass es dann letzten Endes die Entscheidung einzelner sei, dem Event auch beizuwohnen. Von einer konkrerten Drohung gegen Farage sprach die Polizei zumindest öffentlich nicht.
"Vor acht Wochen habe ich in Makerfield 95 Stimmen erhalten", sagte Count Binface über die Nachwahl in Manchester, an der er ebenfalls teilnahm und sehr deutlich gegen den nunmehr amtierenden Premierminister Andy Burnham verloren hat. Im Vergleich zu Duellen mit Andy Burnham sei er in solchen "Nigel Farage 1000 Mal beliebter" konstatierte Binface, der sich in den vergangenen Wochen immer wieder mit schlagfertigen Antworten in Interviews hervorhob. Ob Farage deshalb nicht zur Bekanntgabe der Ergebnisse kommt, fragte Binface ironisch?
Ein Sprecher der Reform-Partei fand wenig später deutlichere Worte und teilte der BBC zufolge mit, die Polizei der Grafschaft Essex habe Farage wegen einer "glaubwürdigen Drohung gegen ihn" geraten, nicht an der Veranstaltung teilzunehmen. Die Polizei von Essex teilte der Nachrichtenagentur PA zufolge mit, in Clacton einen Polizeieinsatz "zur Gewährleistung der Sicherheit aller Teilnehmer" durchzuführen. Nach Informationen von PA habe die Polizei allerdings keinem Kandidaten von der Teilnahme an der Auszählung abgeraten.
Allerdings nannte Farage auch einen weiteren Grund: "Ich soll verdammt sein, wenn ich, nachdem ich so einen umfassenden Sieg errungen habe (...) diese Bühne betrete, und dort von Niemanden erniedrigt und beleidigt werden".
Neben Count Binface hatten sich zur Wahl gegen Farage auch noch mehrere weitere Spaßkandidaten, auch solche die es ernster meinten, aber keine der etablierten Großparteien aufgestellt. In Großbritannien gilt es als übliche Respektbezeugung vor seinen Gegnern und dem politischen System, bei der Verkündung des Wahlergebnisses dabeizusein, vor allem als Sieger. Fast immer stehen aber auch unterlegene Kandidaten auf der Bühne dabei, um zu gratulieren. (APA, Reuters, red, 14.8.2026)
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