Nina’s Rusty Horns in Homburg: Beim Musiksommer wird alter Jazz frisch aufpoliert

Alte Jazzklassiker hat die Band Nina’s Rusty Horns beim Homburger Musiksommer sehr frisch präsentiert. Sängerin Nina Lentföhr aus Köln und ihre professionelle Unterstützung kamen beim Publikum sehr gut an.

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Nina’s Rusty Horns in Homburg: Beim Musiksommer wird alter Jazz frisch aufpoliert
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Nina’s Rusty Horns in Homburg Beim Musiksommer wird alter Jazz frisch aufpoliert

Alte Jazzklassiker hat die Band Nina’s Rusty Horns beim Homburger Musiksommer sehr frisch präsentiert. Sängerin Nina Lentföhr aus Köln und ihre professionelle Unterstützung kamen beim Publikum sehr gut an.

24.08.2026 , 19:00 Uhr

Mit ihrer charmant-frischen Art begeisterte Sängerin Nina Lentföhr das Publikum auf dem Homburger Marktplatz.

Mit ihrer charmant-frischen Art begeisterte Sängerin Nina Lentföhr das Publikum auf dem Homburger Marktplatz.

Foto: Sebastian Dingler

In der Anfangszeit hatte der Musiksommer in Homburg samstags sehr auf Dixieland und New Orleans-Jazz gesetzt. Nach und nach kam dann mehr Vielfalt ins Spiel, bis hin zu Folklore-Bands, die gar nicht mehr unbedingt ins Genre Jazz passen. Diese stilistische Öffnung tat dem Jazzfrühschoppen sicherlich gut.

Tradtioneller Jazz wirkte hier ganz frisch

Das heißt aber nicht, dass es den guten alten Jazz auf dem Marktplatz gar nicht mehr gäbe: Letzten Samstag wurde ihm noch mal stark gehuldigt. Diese 100 Jahre alten Kompositionen können ja bisweilen etwas verstaubt wirken. Nicht aber bei Nina’s Rusty Horns: Vielleicht ist da zwar schon ein wenig Rost auf den Blasinstrumenten, wie der Bandname aussagt. Aber allein durch die charmante Präsenz von Frontfrau Nina Lentföhr wirkte die traditionelle Musik ganz frisch und staubfrei.

 Vor hundert Jahren wurde Waschbrett statt Schlagzeug gespielt. Hier macht das Johannes Pfingsten sehr gekonnt.

Vor hundert Jahren wurde Waschbrett statt Schlagzeug gespielt. Hier macht das Johannes Pfingsten sehr gekonnt.

Foto: Sebastian Dingler

Die Kölnerin hat die Band vor zehn Jahre gegründet, erzählte sie im Pausengespräch, nachdem sie ein Buch über die Geschichte des Jazz gelesen hatte. „Ich bin da nicht weit gekommen, weil ich mir da immer einzelne Hörbeispiele aus der Anfangszeit angehört habe.“ Die Ursprünge der Jazzmusik aus New Orleans begeisterten Lentföhr so sehr, dass sie sofort wusste, dass sie genau so etwas machen möchte. Ausgebildet ist die Sängerin eigentlich als Sprecherin und übt dieses Metier als freie Mitarbeiterin beim Westdeutschen Rundfunk aus. Die Musik macht sie im Gegensatz zu ihren professionellen Mitmusikern „nur“ nebenher.

Ein Könner am Waschbrett

In der Band fiel vor allem „Schlagzeuger“ Johannes Pfingsten auf: Mit dem Fuß trat er zwar eine gewöhnliche Bassdrum, in den Händen hielt er allerdings statt Schlagzeugstöcken ein Waschbrett. Je drei Finger jeder Hand waren mit Metallkappen versehen, womit er geschickt das geriffelte Blech im Holzrahmen bearbeitete. Das sorgte für ein authentisches Klangbild, verstärkt noch durch die Verwendung einer Tuba als Bass-Instrument. Posaune, Banjo, Gitarre und Saxofon komplettierten die Formation, die auch vor hundert Jahren schon so hätte existieren könne.

Allerdings wohl nur in den USA und mit einer anderen Hautfarbe. „Das waren schwarze Frauen, die diese Songs gesungen haben, oft mit einem wahnsinnigen Selbstbewusstsein“, meinte Lentföhr. Bessie Smith nannte sie da als Vorbild, Ma Rainey und Memphis Minnie – alles Sängerinnen, die noch im 19. Jahrhundert geboren wurden und aus ärmlichen Verhältnissen stammten. „Wir versuchen die Sachen zu spielen, die hier vielleicht nicht so bekannt sind. Entweder muss die Musik richtig interessant sein oder der Text.“

Wie man auch vom deutschen Schlager der 20er-Jahre weiß, konnten die Texte damals schon recht schlüpfrig sein. „You can have my husband but please don’t mess with my man“, hieß es da beispielsweise: „Du kannst meinen Ehemann haben, aber lass bitte meinen Mann (Liebhaber) in Ruhe!“ Lentföhr selbst hat sich sogar daran gewagt, eigene Songs mit ins Repertoire zu nehmen, die sich da nahtlos einfügten. Etwa „Baby, You Can Take Me Home“ über eine Situation, wo man nachts nach der Kneipe nach Hause schlingert. „Die Songs aus der damaligen Zeit erzählen oft eine ganz einfach Geschichte aus der Ich-Perspektive“, sagte die Sängerin zu ihrem gelungenen Versuch, es ihren Vorbildern gleich zu tun.

Abschluss mit einem deutschen Song

Klar, dass es am Ende viel Applaus und Zugaberufe gab. Als Erstes kam dann der Prohibitions-Song „The Stuff Is Here“ zur Aufführung: „Schließt die Fenster, schließt die Türen, der Stoff ist da“, klärte Lentföhr das Publikum auf. Als danach noch mehr nach einer Zugabe verlangt wurde, beschlossen die Rusty Horns das Konzert mit einem bekannten deutschen Lied: „So oder so ist das Leben“ von Theo Mackeben und Hans Fritz Beckmann wurde auch von Hildegard Knef und Udo Lindenberg gesungen und sorgte am Samstag für den besinnlichen Ausklang eines tollen Konzerts, an dessen Ende der tiefste Tuba-Ton stand.

Horst Schimeczek war mit seiner Frau aus dem bemerkenswerten Grund nach Homburg gekommen, weil er hier seiner Meinung nach ein wesentlich besseres Angebot an Gemüse als in Saarbrücken vorfindet. „Wir parken, steigen aus dem Auto und hören Musik – und sitzen jetzt schon seit zwei Stunden hier, weil wir nicht mehr weggehen können.“ Oliver Mombartz war ebenfalls aus Saarbrücken angereist. „Ich fand die Musik prima, sehr schön“, schwärmte er hinterher. Der Auftritt habe ein hohes Niveau gehabt. Herbert Staude aus Rilchingen-Hanweiler hatte ihn auf das Konzert aufmerksam gemacht. Schließlich komme er schon viele Jahre zum Musiksommer. Ihm gefalle die Veranstaltung außerordentlich gut, weil sie so abwechslungsreich sei.

Auch Fleetwood-Mac-Band kam gut an

Am Abend zuvor hatte die Fleetwood Mac-Tribute-Band The Chain aus Groß-Gerau den Marktplatz zum Kochen gebracht. „Ich hätte nicht gedacht, dass da so viele Leute kommen“, meinte ein zufriedener Organisator Raimund Konrad hinterher. Diesen Freitag geht es mit Rock ’n’ Roll und Rockabilly weiter: Das Oktett aus der Südpfalz spielt nicht nur Klassiker aus den 50er- und 60er-Jahren, sondern packt auch aktuelle Hits in ein Rock’n’ Roll-Gewand. Samstags kommt mit The Hotstuff Jazzband eine Formation, die auf den Spitzentrompeter Heinz Dauhrer zugeschnitten ist und die durch die Geschichte des Jazz’ von den 30ern bis in die 70er führt. (sm/ten)