Norwegen: König Haakon gedenkt seines Vaters Harald
Bei Gedenkgottesdiensten in ganz Norwegen haben die Menschen Abschied von König Harald V. genommen. Sein Sohn Haakon VIII. würdigte den Verstorbenen zuvor in seiner ersten Ansprache als neuer König.
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Norwegen nimmt Abschied von König Harald V. Zwei Tage nach seinem Tod fanden am Sonntag im ganzen Land Trauergottesdienste statt. Der neue König Haakon VIII. besuchte gemeinsam mit seiner Familie einen Gottesdienst in der Kirche von Asker südwestlich von Oslo. Zahlreiche Menschen hatten sich dort versammelt, um einen Blick auf den 53-Jährigen und die königliche Familie zu erhaschen.
Haakon wurde von seiner Mutter Königin Sonja sowie seinen Kindern, Kronprinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus, begleitet. Seine Ehefrau, die neue Königin Mette-Marit, nahm aus gesundheitlichen Gründen nicht teil. Die 53-Jährige hatte im Sommer eine Lungentransplantation erhalten und muss sich weiter erholen. Nach Angaben des Hofes soll sie jedoch an einigen anderen Programmpunkten nach Haralds Tod teilnehmen.
Zehntausende trauern
Auch vor dem Osloer Dom hatten bereits am Morgen Hunderte Menschen Schlange gestanden, um einen Platz bei einem Gedenkgottesdienst zu bekommen. Daran nahm unter anderem Regierungschef Jonas Gahr Støre teil.
Seit Haralds Tod am frühen Freitagmorgen haben Zehntausende Menschen ihrer Trauer Ausdruck verliehen. Vor dem Königspalast in Oslo legten sie Blumen, Kerzen und persönliche Botschaften nieder. Allein am Freitag kamen dort mehr als 20.000 Menschen zusammen. Haralds Sarg wurde am Freitagabend vom Universitätskrankenhaus in den Palast gebracht.

Norwegen hat eine nationale Trauerzeit ausgerufen. Im ganzen Land wehen Flaggen auf Halbmast, in Rathäusern liegen Kondolenzbücher aus. Einige Menschen verschoben nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Senders NRK sogar Hochzeiten und Taufen bis nach Ende der Trauerzeit. Ein Termin für Haralds Beisetzung steht noch nicht fest.
Haakon erinnert an seinen Vater
Am Samstag hatte sich Haakon erstmals als König in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung gewandt. Sein Vater habe die Familie stets daran erinnert, dass jeder seinen eigenen Weg finden müsse, sagte er. "Jetzt bin ich an der Reihe."
Haakon würdigte Harald als einen Menschen, der "seinen Werten und seinen Pflichten immer treu geblieben" sei. Es spende "Trost und Kraft, dass so viele gemeinsam mit uns trauern".

Besonders persönlich wurde die Ansprache, als Haakon seinem Vater dafür dankte, ihm und seiner Schwester Märtha Louise ein "wunderbarer Papa" gewesen zu sein. Mit den Tränen kämpfte er auch beim Gedanken an seine Mutter: Harald und Sonja hätten am Samstag ihren 58. Hochzeitstag gefeiert. "Alles Gute zum Hochzeitstag, liebe Mama", sagte er.
Der neue König übernahm den traditionellen Wahlspruch seines Vaters und Großvaters: "Alles für Norwegen." Er versprach zudem, dem Land mit derselben Hingabe zu dienen. Regierungschef Støre fasste den Thronwechsel mit den Worten zusammen: "Eine Epoche ist zu Ende. Eine neue beginnt. Der König ist tot. Es lebe der König."
Erste Termine als neuer König
Haakon absolvierte am Samstag bereits seine ersten offiziellen Audienzen. Er empfing Vertreter der norwegischen Kirche, des Parlaments und des Obersten Gerichts sowie Regierungschef Støre. Am Dienstag soll der neue Monarch vor dem Parlament seinen Eid auf die Verfassung ablegen.

Eine Krönung Haakons und Mette-Marits ist nicht vorgesehen. Norwegen schaffte Krönungen bereits 1908 ab. Wie sein Vater und Großvater könnte Haakon seine Regierungszeit aber bei einer Zeremonie im Nidarosdom in Trondheim segnen lassen.
Harald V. war am Freitag im Alter von 89 Jahren gestorben. Seit dem 17. August war er wegen einer hämolytischen Anämie im Krankenhaus behandelt worden. Gesundheitliche Probleme hatten ihn in seinen letzten Jahren bereits gezwungen, seine offiziellen Termine einzuschränken.
Haakon übernimmt eine belastete Monarchie
Harald hatte seit 1991 auf dem Thron gesessen und galt weithin als Verkörperung eines offenen und toleranten Norwegens. Nach seinem Tod würdigten ihn zahlreiche europäische Königshäuser sowie Staats- und Regierungschefs.
Haakon übernimmt eine weiterhin populäre Monarchie, die zuletzt jedoch durch mehrere Affären belastet wurde. Seine Ehefrau Mette-Marit geriet wegen früherer Kontakte zum verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in die Kritik. Ihr Sohn Marius Borg Høiby wurde im Juni wegen zweier Vergewaltigungen zu vier Jahren Haft verurteilt und legte Berufung ein.
pgr/as (dpa, afp, ap)