Nutzwertanalyse für Korbach: CDU-Antrag stößt auf viel Skepsis

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Nutzwertanalyse für Korbach: CDU-Antrag stößt auf viel Skepsis

Stand: 25.09.2026, 08:00 Uhr

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Das Wolfgang-Bonhage-Museum liegt mitten in der Altstadt.  (Fotos: Stadt Korbach)

Bereits verschoben, soll erneut auf den Prüfstand: Das Dach des Wolfgang-Bonhage-Museums muss saniert werden. Die CDU fordert für diese wie für alle anderen Investitionen eine Nutzwertanalyse. © privat

Die CDU will Korbachs Investitionen mit einer Nutzwertanalyse prüfen lassen, doch Verwaltung und die meisten anderen Fraktionen bezweifeln, dass das funktioniert.

Korbach – Einen sehr genauen Blick auf die künftigen Investitionen der Stadt will die CDU werfen. Sie hat einen Antrag gestellt, die Ausgaben mit einer Nutzwertanalyse zu bewerten. Die Idee: Nur die wirklich wichtigen Ausgaben werden angesichts von Schulden und Zinszahlungen wirklich getätigt. Nur: Nach welchen Kriterien sollen die Ausgaben bewertet werden? Ist die Bewertung am Ende wirklich belastbar? Und ist eine Nutzwertanalyse, die die Alternativen gegeneinander abwägen soll, das richtige Instrument? Treten da Kreiselbau gegen DGH-Renovierung gegen neues Müllfahrzeug gleichrangig gegeneinander an? Die Diskussion am Mittwochabend im Finanzausschuss zeigte: Alle anderen Fraktionen und die Verwaltung haben vor allem eins: Fragen.

CDU: Schuldenspirale bremsen

Vorgelegt hatte den Antrag CDU-Stadtverordneter Markus Drebes. Sein Argument: Die Stadt zahle immer mehr für Kredite, das könne nicht gutgehen. Die Schuldenspirale drehe sich, angetrieben vom Zinseszinseffekt, die Liquiditätsreserve lasse sich kaum noch halten. Werde jetzt nicht gegengesteuert, drohe eine strengere Überwachung durch die Kommunalaufsicht. Eine Nutzwertanalyse sei in der Praxis ein Standardwerkzeug – gelehrt werde sie etwa an der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit (HÖMS).

Manches sei wichtiger als anderes, sagte Drebes – und griff selbst zu einem Beispiel: Eine Rollstuhlfahrer-Rampe sei sehr wichtig, obwohl sie nur einer kleinen Gruppe nütze. Als Negativbeispiel nannte er die geplante Lagerhalle auf dem Hauer-Sportgelände, die der Magistrat nach politischem Widerstand wieder von der Tagesordnung genommen habe.

Sein Parteikollege Heinz Langerzik sprang ihm bei: Man müsse heute überprüfen, ob die eigene frühere Entscheidung noch richtig sei. Später schränkte er allerdings ein – bei bereits laufenden Projekten dürfe man nichts „zurückpfeifen“.

Andere Fraktionen: „Scheingenauigkeit“

Aus den anderen Fraktionen kam kaum Unterstützung. Grünen-Vertreter Peter Koswig nannte die Idee zwar innovativ, warnte aber: Der Nutzen sei am Ende immer subjektiv. Er schlug vor, die Analyse nur auf Projekte ab 100.000 Euro anzuwenden. Deutlich wurde Hans-Jürgen Wüst (Korbacher Bürgerliste): Das Verfahren liefere „subjektive Ergebnisse mit Scheingenauigkeit“. Ähnlich sah es FDP-Mann Heinz-Dieter Helfer.

Kai Schumacher (Freie Wähler) hielt die Idee zwar für interessant, aber praktisch kaum umsetzbar – zu aufwendig, handwerklich schwer zu machen. Das Parlament habe mit Haushaltsansätzen und Sperrvermerken ohnehin schon Mittel in der Hand, um zu steuern. Man könne die Nutzwertanalyse ja gleich selbst einer Nutzwertanalyse unterziehen, witzelte er. Später fragte er, wie überhaupt Kriterien wie Sicherheit, Klimaschutz oder gesetzliche Vorgaben in die Bewertung einfließen sollten. Eine Antwort bekam er nicht.

Verwaltung: Wie viele Punkte bekommt ein Freibad?

Auch aus der Verwaltung kam Skepsis. Fachbereichsleiter Ingo Sahl nannte die Absicht richtig, sah aber ungelöste Probleme in der Umsetzung: Bekommt ein Kreisverkehr acht oder zehn Punkte? Am Ende komme ohnehin nur ein schwammiges Ergebnis heraus – Bürgernutzen lasse sich nicht seriös in Zahlen fassen. Drebes widersprach: Er verstehe nicht, warum das nicht umsetzbar sein solle, schließlich schicke die Stadt die Mitarbeiter selbst zur Weiterbildung an die HÖMS, wo dies gelehrt werde.

Kämmerer Andreas Sinsch machte das Problem am Freibad fest, dessen Sanierung gerade läuft: Bewertet ein Nichtschwimmer das Bad, kommen null Punkte heraus. Bewertet es ein Morgenschwimmer, sind es zehn. Bauamts-Mitarbeiterin Christina Sager-Klauß fragte, wie man beispielsweise das Dach eines Dorfgemeinschaftshauses im kleinen Ortsteil Alleringhausen bewerten solle, wo nur wenige Menschen davon profitieren.

Bürgermeister Kieweg machte bei den politischen Überlegungen deutlich: Er selbst müsse im Zweifel für die Folgen geradestehen. Sein Beispiel: Ein Kanal und eine Straße kosten jeweils eine Million Euro. Was, wenn die Analyse das eine Projekt bevorzugt, während die Stadt aus hoheitlicher Sicht das andere umsetzen muss? Kieweg kündigte bereits ein mögliches „Veto“ an.

Am Ende vertagte der Ausschuss die Entscheidung. Die Stadtverordnetenversammlung berät den Antrag am Donnerstag, 1. Oktober, erneut.

Vergleichende Nutzwertanalyse

Eine Nutzwertanalyse vergleicht Alternativen für dieselbe Aufgabe – nicht unterschiedliche, voneinander unabhängige Bauprojekte gegeneinander. Sie ist ein Verfahren, mit dem sich mehrere Lösungswege für dieselbe Aufgabe vergleichen lassen, wenn sich der Nutzen nicht einfach in Euro beziffern lässt. Am Anfang steht die Suche nach Alternativen: Welche unterschiedlichen Wege gibt es, ein Ziel zu erreichen? Danach legt man Kriterien fest, an denen sich jede Alternative messen lassen muss – etwa Kosten, Wirkung, Umsetzbarkeit oder Dauer. Weil nicht jedes Kriterium gleich wichtig ist, folgt eine Gewichtung: Jedes Kriterium bekommt einen Prozentanteil, alle zusammen ergeben 100. Erst dann kommt der Bewertungsmaßstab ins Spiel, meist eine Punkteskala. Üblich sind fünf Stufen, nicht zehn – je feiner die Skala, desto mehr täuscht sie eine Genauigkeit vor, die das Verfahren gar nicht liefern kann. Am Ende multipliziert man Punktzahl und Gewichtung pro Kriterium und addiert die Werte: Die Alternative mit der höchsten Summe gewinnt.