Nvidia: 1,5 Millionen GPUs in Ohio, 105 Milliarden Dollar Risiko
Nvidia hat gemeinsam mit dem Projektentwickler SB Energy Grundstück, Stromanschluss und Gebäudehülle des PORTS-Pike Technology Campus in Pike County, Ohio, gesichert und lässt dort ausschließlich eigene KI-Rech...
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Nvidia hat gemeinsam mit dem Projektentwickler SB Energy Grundstück, Stromanschluss und Gebäudehülle des PORTS-Pike Technology Campus in Pike County, Ohio, gesichert und lässt dort ausschließlich eigene KI-Rechenkapazität aufstellen. Im KI-Segment wird auch weiterhin geklotzt, statt zu kleckern.
Wer gerade einen Gaming-PC aufrüstet, sieht in Ohio die Ursache der eigenen Rechnung: Der Standort steht für genau jene Nachfrage, die den Speichermarkt seit Mitte 2025 leerfegt und die von AMD prognostizierte Dauer der Speicherkrise begründet. Für Konsumenten trüben sich die Aussichten indes weiter ein.
Bemerkenswert ist dabei weniger die Ankündigung selbst als der Abstand zwischen der offiziellen Pressemitteilung und der Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht.
Nvidia sichert OpenAI mit 4,25 Gigawatt in Ohio ab
SB Energy baut, besitzt und betreibt die Anlage und vermietet sie für 20 Jahre an OpenAI. Nvidia stellt die Kreditabsicherung für Land, Strom und Gebäudehülle. Die erste Ausbaustufe ist auf 4,25 IT-Gigawatt ausgelegt, eine Option auf die restlichen 3,75 IT-Gigawatt hält sich das US-Unternehmen vorerst noch offen.
Wichtiger als die Einzelsummen ist die Reihenfolge der einzelnen Größen: erst die Rechenkapazität, dann die Erzeugung, dann das Netz. Für 8 IT-Gigawatt errichten SB Energy und Softbank mindestens 10 Gigawatt an neuer Kraftwerksleistung und investieren mindestens 4,2 Milliarden US-Dollar in die Netzinfrastruktur.
Nvidia beteiligt sich zusätzlich mit 1,5 Milliarden US-Dollar an SB Energy. Als Rechenplattform kommt Nvidias DSX-Stack aus GPUs, CPUs und Netzwerktechnik zum Einsatz. Entwickelt wird der Campus mit AEP Ohio sowie dem US-Energie- und dem Handelsministerium. Das Gelände selbst ist ein Rückbauprojekt:
Der Campus reindustrialisiert dafür die stillgelegte Urananreicherungsanlage Portsmouth ("PORTS"). Erste Kapazitäten sollen demnach ab 2028 schrittweise ans Netz gehen. Angekündigt hatten beide Unternehmen den Aufbau von 10-Gigawatt-KI-Fabriken bereits im September 2025.
1,5 Millionen GPUs pro Hardware-Generation
Nvidia selbst beziffert eine solche Ausbaustufe des Standorts auf rund 1,5 Millionen eigene GPUs. Das entspräche einem Umsatz von 150 bis 200 Milliarden US-Dollar je Hardware-Generation. Die Zahlen stammen aus einem Blogbeitrag von Jensen Huang und sind Projektionen, kein bereits verbuchter Umsatz.
Über die 20-jährige Laufzeit kalkuliert der Konzern mit mehreren Aufrüstzyklen: Die Immobilie bleibt, die Beschleuniger werden ausgetauscht. Für OpenAIs zugesagte und geplante Nvidia-Infrastruktur nennt Huang rund 12 Gigawatt bis 2030, bei Ausübung der Option in Pike County etwa 16 Gigawatt.
Daraus leitet er ein Geschäftsvolumen von rund 600 Milliarden US-Dollar bis 2030 ab, ausdrücklich als Chance und nicht als Auftragsbestand.
Die Pflichtmitteilung beziffert Nvidias Risiko
Nvidias Zahlungsverpflichtung aus den Restwertgarantien ist im Formular 8-K vom 17. August 2026 auf 105 Milliarden US-Dollar gedeckelt. Die offizielle Pressemitteilung nennt diese Zahl nicht. Sie findet sich ausschließlich in der Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht, die PCGH eingesehen hat.
Wirksam werden die Garantien erst, wenn der Vermieter die Betriebsbereitschaft der jeweiligen Mietfläche nachweist. Das wird ab 2028 erwartet. Auslöser einer Zahlung wäre eine Insolvenz von OpenAI oder ein ausbleibender Mietzins. Nvidia könnte den Vertrag dann übernehmen, die Fläche neu vermieten lassen, verkaufen oder die Entscheidung bis zu einem Jahr aufschieben.
OpenAI hat zugesagt, Nvidia jeden gezahlten Betrag zu erstatten. Die Verpflichtung endet unter anderem, sobald OpenAI ein ausreichendes Kreditrating erreicht.
Zirkelfinanzierung? Huang verneint, die Verflechtung bleibt
Auf die Frage nach zirkulärer Finanzierung antwortet Huang mit einem ganz klaren Nein und verweist darauf, dass OpenAI die Miete zahlt. Nvidia sichert den Standort ab, investiert in den Vermieter, liefert als einziger die KI-Rechenkapazität und verdient an jeder Ausbaustufe erneut. Ursprünglich stand ein Backstop von bis zu 250 Milliarden US-Dollar im Raum.
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Nach Investorenkritik fiel die Konstruktion kleiner aus. Als Sicherheitsnetz führt Nvidia die Verwertbarkeit an: Cuda mache die Systeme fungibel, die Kapazität ließe sich an andere Mieter weiterreichen.
Was der Ausbau für Hardware-Preise in Deutschland bedeutet
Für den deutschen Markt verlängert das Projekt in Ohio genau jene Nachfrage, die DDR5-Speicherkits hierzulande zuletzt um mehr als 420 Prozent verteuert hat. Dieser Zusammenhang ist mittelbar, aber dokumentiert: KI-Rechenzentren binden DRAM und HBM in Mengen, mit denen der Endkundenmarkt nicht konkurrieren kann.
Kurzfristig ändert der Vertrag in Pike County daran nichts, denn dort läuft vor der ersten Ausbaustufe kein einziger Beschleuniger. Mittelfristig zementiert er jedoch die Prioritäten: Nvidia beschreibt sich seit November 2025 selbst als Anbieter von KI-Rechenzentren, nicht mehr als Gaming-Unternehmen.
Wer 2027 auf sinkende Preise für Arbeitsspeicher und Geforce-Grafikkarten spekuliert, plant damit gegen einen 20-Jahres-Vertrag. Die meisten Branchenbeobachter und Marktforscher gehen inzwischen davon aus, dass sich die Speicherkrise bis mindestens 2030 fortsetzen und auch GPUs noch teurer machen wird.
Weitere Informationen liefert die offizielle Pressemitteilung von Nvidia.
- Für PC-Spieler und Aufrüster spricht der langfristige KI-Ausbau gegen eine schnelle Entspannung bei RAM- und GPU-Preisen, weil Rechenzentren weiterhin große Mengen an Speicher und Beschleunigern binden.
- Kurzfristig verschärft der Standort in Ohio die Lage jedoch nicht, denn die ersten Kapazitäten sollen erst ab 2028 in Betrieb gehen.
- Für Nvidia-Anleger ist die Konstruktion relevant, weil der Konzern bei einem Zahlungsausfall von OpenAI Garantien von bis zu 105 Milliarden US-Dollar übernehmen müsste.
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Quelle: Nvidia