Österreich rutscht im europaweiten Öffi-Ticket-Ranking von Greenpeace ab

Teurere Preise Österreich rutscht im europaweiten Öffi-Ticket-Ranking von Greenpeace ab Die Kostensteigerung bewertet die Umweltorganisation kritisch. Dank des Klimatickets nimmt die Alpenrepublik denn...

  • 4 min read
Österreich rutscht im europaweiten Öffi-Ticket-Ranking von Greenpeace ab

Teurere Preise

Österreich rutscht im europaweiten Öffi-Ticket-Ranking von Greenpeace ab

Die Kostensteigerung bewertet die Umweltorganisation kritisch. Dank des Klimatickets nimmt die Alpenrepublik dennoch eine Vorreiterrolle in Europa ein

Benedikt Narodoslawsky

Wie gut sind die Öffi-Tickets in Europa? Diese Frage beantwortet die internationale Umweltorganisation Greenpeace in einem neuen Bericht, in dem sie 30 europäische Staaten samt ihrer Hauptstädte miteinander verglich. Greenpeace recherchierte unter anderem, wie hoch die Fahrpreise in den EU-Ländern, Norwegen, Großbritannien und in der Schweiz sind, ob die Öffis ein einfaches Ticketsystem wie ein landesweites Jahresticket anbieten und inwiefern die Länder sozial benachteiligte Gruppen in der Preisgestaltung berücksichtigen.

Die Rangliste führt Luxemburg mit Abstand an, gefolgt von Malta und Slowenien. In Luxemburg und auf Malta ist der Öffi-Verkehr gratis, Slowenien hat laut Greenpeace das billigste landesweite Ticket.

Ein Zug der ÖBB mit der Aufschrift „KlimaTicket“ fährt auf Gleisen entlang. Im Vordergrund sitzt eine Person in einer orangenen Warnweste auf einem Klappstuhl neben den Gleisen. Der Himmel ist klar und blau, im Hintergrund sind Strommasten und eine Lärmschutzwand sichtbar.
Mit dem Klimaticket, das im ganzen Land gilt und nahezu alle Öffis umfasst, nimmt Österreich in Europa eine Vorreiterrolle ein. Die schwarz-rot-pinke Regierung hat es allerdings wegen des Spardrucks deutlich verteuert.

Österreich zählt mit Platz 4 europaweit zu den Vorreitern, hat aber im Vergleich zur vorangegangenen Bewertung aus dem Jahr 2023 einen Platz verloren. "Grund dafür sind die überdurchschnittlich stark gestiegenen Fahrpreise für Bus und Bahn", erklärt die Umwelt-NGO. Seit der letzten Auswertung stieg der Preis des Klimatickets hierzulande um ein Viertel an (plus 27,9 Prozent). Nur in Deutschland – das in der Wertung Platz fünf belegt – sei der Preisanstieg des Deutschland-Tickets noch höher ausgefallen (plus 28,6 Prozent), erklärt Greenpeace.

Pluspunkte für Österreich

Die schwarz-rot-pinke Regierung verteuerte das Klimaticket aufgrund des Sparzwangs. Die Preissteigerung hatte im Vorfeld der Steuerreform zu politischen Diskussionen geführt. Dass Österreich im Greenpeace-Ranking dennoch gut abschneidet, hängt damit zusammen, dass erst sechs der 30 untersuchten Staaten ein landesweites Ticket anbieten, das (nahezu) alle Öffis umfasst.

Positiv merkt Greenpeace außerdem an, dass Senioren, Jugendliche und Menschen mit Behinderung das österreichische Klimaticket um ein Viertel günstiger bekommen und die Mehrwertsteuer auf Öffis mit 10 Prozent niedriger ausfällt als im Durchschnitt (11 Prozent). Die Umwelt-NGO bewertet die Republik insgesamt mit 75 von 100 möglichen Punkten. Im Ranking schneiden Norwegen (3 Punkte), Griechenland (2 Punkte) und Schlusslicht Finnland mit 1,5 Punkten am schlechtesten ab.

Wien auf Platz 8

"Österreich hat nicht die volle Punktzahl bekommen, da die landesweite Fahrkarte mehr als 3 Euro pro Tag kostet – das ist nicht für jeden leistbar", heißt es im Bericht. Greenpeace Österreich fordert deshalb von Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) "Sozialtarife für das Klimaticket, um klimafreundliche Mobilität für mehr Menschen erschwinglich zu machen."

Generell stehen die Hauptstädte in der Punktewertung deutlich besser da als die Länder. Das gilt auch für Wien, das international zu den Städten mit dem besten Öffi-Netz zählt und mit 86,5 von 100 Punkten bewertet wird. Im Ranking verteidigt Wien Platz 8. Dabei sind auch in Österreichs Hauptstadt die Preise deutlich gestiegen. Wegen des klammen Budgets hat die rot-pinke Wiener Stadtregierung die Jahreskarte seit 2012 heuer erstmals von 365 auf 461 Euro um ein Viertel erhöht (plus 26,3 Prozent). Sie orientierte sich dabei an der Verteuerung des Klimatickets.

Neun Hauptstädte günstiger

Die Umweltorganisation befürchtet im Report, dass dadurch "mehr Menschen das Auto nehmen, insbesondere diejenigen, die nicht täglich mit den Öffis unterwegs sind." Warum Wien trotzdem keinen Platz verlor, begründet Greenpeace mit der sozialen Abfederung: Im Zuge der Preissteigerung haben die Wiener Linien den Kreis der Menschen mit Einschränkungen ausgeweitet. Sie können das Wiener Jahresticket um 294 Euro beziehen.

Laut Greenpeace sind die Menschen kaufkraftbereinigt in neun Hauptstädten günstiger unterwegs als in Wien. Zu diesen zählen auch Luxemburg, Valetta und Tallinn, wo die Öffis generell gratis sind. (Benedikt Narodoslawsky, 18.9.2026)

Forum: 67 Postings

Ihre Meinung zählt.

Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.