Parking Day: Straße in St. Ingbert wird kurz zur autofreien Zone

Statt Autolärm gab es am Samstag in der Ludwigstraße Musik, Mitmachaktionen und Spielmöglichkeiten für Kinder beim ersten Parking Day in St. Ingbert. Wie das bei Besuchern und Passanten ankam.

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Parking Day Straße in St. Ingbert wird kurz zur autofreien Zone

St. Ingbert · Statt Autolärm gab es am Samstag in der Ludwigstraße Musik, Mitmachaktionen und Spielmöglichkeiten für Kinder beim ersten Parking Day in St. Ingbert. Wie das bei Besuchern und Passanten ankam.

21.09.2026 , 18:21 Uhr

Am Parking Day in St. Ingbert konnten die Anwohner die Ludwigstraße mal ganz anders nutzen.

Am Parking Day in St. Ingbert konnten die Anwohner die Ludwigstraße mal ganz anders nutzen.

Foto: Christine Funk

Zwei Sessel mitten auf der Ludwigstraße, Picknickdecken und Menschen, die dort sitzen, wo sonst Autos parken. Beim ersten Parking Day in St. Ingbert bekommt die Straße für einige Stunden eine andere Funktion. Eine Lese-Ecke lädt zum Verweilen ein, daneben stehen Tischfußball und Sackhüpfen bereit. Mit Spaßrädern können Besucher ausprobieren, wie ungewohnt sich Fortbewegung anfühlen kann.

Parking Day: So könnte die „Traumstraße“ aussehen

Für den Parking Day ist der untere Abschnitt der Ludwigstraße an diesem Samstag für den Autoverkehr gesperrt. Die Aktion findet im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche statt, die jedes Jahr vom 16. bis 22. September dazu aufruft, nachhaltige Mobilität auszuprobieren und den öffentlichen Raum neu zu denken. Organisiert wird der Parking Day vom Mobilitätsforum St. Ingbert, einem Zusammenschluss örtlicher Akteure: Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC), Verkehrsclub Deutschland VCD, Fuss e.V. und Klima Fit. Unterstützt wird die Veranstaltung von der Biosphären-VHS St. Ingbert.

Schon am Eingang zur Ludwigstraße fällt eine große Bilderwand ins Auge. Hobbyfotografen zeigen dort ihre Vorstellungen von einer „Traumstraße“. Auf einem der Bilder sind auf beiden Seiten der Straße Fahrradwege zu sehen. „Das ist realistisch, das lässt sich leicht umsetzen“, sagt Stefan Schillo und deutet auf die Aufnahme. Andere Vorstellungen seien dagegen „ein bisschen Wunschdenken“, ergänzt er. Anne Hadamitzky vom Verkehrsclub Deutschland und des Vereins Fuss erklärt, dass das Bild mit den beiden Fahrradwegen mithilfe künstlicher Intelligenz bearbeitet wurde. Zu sehen ist die Kaiserstraße in Rohrbach.

Bilderstrecke zuletzt aktualisiert:

19.09.2026

Wie schön wäre eine Dorflinde mit Sitzgelegenheiten

Einige Meter weiter liegt eine Decke auf dem Asphalt. Hier können Kinder und Erwachsene mit Stiften ihre Vorstellungen von St. Ingbert in der Zukunft auf Papier bringen. Neben bunten Kinderzeichnungen findet sich auch der Wunsch nach einer Dorflinde mit Sitzgelegenheiten im Schatten. Das Angebot lockt auch Familien an. Anastasia Andreas ist mit ihrem Mann und dem dreijährigen Sohn aus Neuweiler gekommen. Während die Eltern auf der Decke in der Sonne sitzen, entdeckt ihr Sohn die Holzeisenbahn und beschäftigt sich damit. Auch musikalisch wird etwas geboten. Der St. Ingberter Liedermacher Sigi Becker spielt eigene Lieder und sorgt damit für Unterhaltung.

Heike Schröter von Klima Fit St. Ingbert verteilt derweil Pflaumen von einer Streuobstwiese zwischen Oberwürzbach und Ommersheim. Klima Fit St. Ingbert, erzählt sie, ist aus einem Kurs der Volkshochschule hervorgegangen. Die Teilnehmer wurden zu Klimamoderatoren ausgebildet und wollen dazu beitragen, dass sich die Bevölkerung stärker mit dem Klimaschutz beschäftigt. Eine konkrete Forderung hat Schröter ebenfalls: „Wir hätten gerne Tempo 30 in der Innenstadt.“

Wie viel Fläche der Mensch eigentlich für seine Ernährung und seinen Lebensstil beansprucht, erklärt Eva Maschino vom Biosphärenzweckverband Bliesgau am Stand zum „Weltacker“. Die Idee dahinter: Wird die weltweit verfügbare Ackerfläche gerecht auf alle Menschen verteilt, stehen jedem Menschen derzeit etwa 2000 Quadratmeter zur Verfügung. Deutschland beansprucht dabei deutlich mehr als diese 2000 Quadratmeter pro Kopf, rund 4300 Quadratmeter. „Wenn wir mehr benötigen, nehmen wir anderen etwas weg“, erklärt Maschino. Mit dem Thema Weltacker gehen Ea Maschino und Philipp Klein auch in Schulen. Beim Parking Day können Besucher unter anderem raten, wie viel Ackerfläche verschiedene Länder pro Kopf beanspruchen.

Für Andreas Meiser vom VCD Saarland ist die Premiere gelungen. „Wir haben gutes Wetter und sind zufrieden mit der Beteiligung“, sagt er.

Viele Informationen zum Busangebot

Wie Mobilität auch ohne das eigene Auto funktionieren kann, lässt sich am Ende der Straße erkunden. Dort informiert Sarah Zettel an einem roten Ingo-Bus über Busverbindungen und Reiseziele. Auf ihrem Tisch liegen zahlreiche kleine Hefte mit Linien, Fahrzielen und Fahrzeiten im Saarpfalz-Kreis.

Margit Hoffmann schaut sich das Angebot genauer an und erkundigt sich nach den Preisen für eine Busfahrt. Normalerweise fährt sie mit dem Auto. Besonders gerne würde sie einmal mit ihrem vierjährigen Enkel Fabian eine Rundfahrt durch St. Ingbert machen. Der Junge liebt Busfahren und Autofahren, erzählt sie. Ein Polizeibus wäre allerdings noch besser, sagt Hoffmann schmunzelnd. (sm/lwg)