Philipp Tingler stieg wegen Insa Wilkes Rückkehr beim Bachmannpreis aus
Literatur Philipp Tingler stieg wegen Insa Wilkes Rückkehr beim Bachmannpreis aus Juryprotest ließ den ORF die Verkündung der Nachfolgerin von Klaus Kastberger verschieben Michael Wurmitzer ...
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Literatur
Philipp Tingler stieg wegen Insa Wilkes Rückkehr beim Bachmannpreis aus
Juryprotest ließ den ORF die Verkündung der Nachfolgerin von Klaus Kastberger verschieben
Michael Wurmitzer
Drei Rücktritte an einem Tag, das konnte einen im August schon erstaunen. Brigitte Schwens-Harrant, Feuilletonchefin der Furche, Mara Delius von der Welt und der Schweizer Kritiker Philipp Tingler hatten alle via Social Media kundgetan, nicht mehr zur nächsten Bachmannpreis-Jury gehören zu wollen. Es hätte aber ein noch größeres Oho geben können, hätten sie ihren ursprünglichen Plan umgesetzt, von dem Tingler jetzt dem Spiegel erzählte.
Am Samstag während der heurigen 50. Austragung des Klagenfurter Wettlesens hatte die Jury demnach zufällig davon erfahren, dass Insa Wilke kommendes Jahr als Juryvorsitzende zurückkommt. Die Entscheidung hätte am Sonntag im Zuge der Preisverleihung bekanntgegeben werden sollen.
"Die gesamte Jury bis auf den heimlich eingeweihten Vorgesetzten wäre also zusammen mit der restlichen Öffentlichkeit überrumpelt worden. Das ist nur herausgekommen, weil die ORF-Landesdirektorin sich beim Juryessen am Samstagabend vor der Preisverleihung verplappert hat“, erinnert Tingler das. Und weiter: "Es hat sich schnell herauskristallisiert, dass meine Co-Jurymitglieder Mara Delius, Thomas Strässle, Brigitte Schwens-Harrant und ich der Auffassung sind: Wir müssen etwas unternehmen." Was? "Wir haben am Sonntagmorgen erklärt: Entweder wird diese Verkündigung gestrichen, oder wir vier treten live während der Sendung zurück."
Verschoben
Die Drohung zeigte Wirkung: „Das hat natürlich eine Art von anaphylaktischem Schock bei den ORF-Verantwortlichen ausgelöst. Die haben das dann eiligst abgesagt. Später wurde uns aber trotzdem erklärt, Insa Wilke sei für 2027 gesetzt. Also haben wir die Konsequenz gezogen und unseren Rücktritt erklärt."
Die Entscheidung für Wilke, der Tingler in dem Interview eine Entwicklung von einer "germanistischen Klassensprecherinnen-Auslegung zu einer identitätspolitischen Kategorisierung von Literatur" attestiert, wurde daraufhin erst im Juli verkündet. (wurm, 25.9.2026)
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