Physiotherapeutin kündigt allen – dann rettet ein Anruf die Praxis

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Physiotherapeutin kündigt allen – dann rettet ein Anruf die Praxis

Stand: 30.09.2026, 20:33 Uhr

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Nachfolge gesichert: Die Physiotherapie-Praxis von Ilka Stemmermann (l.) in Bassum hat in Marie Dunker eine neue Inhaberin gefunden und muss deshalb doch nicht schließen.

Nachfolge gesichert: Die Physiotherapie-Praxis von Ilka Stemmermann (l.) in Bassum hat in Marie Dunker eine neue Inhaberin gefunden und muss deshalb doch nicht schließen. © Fabian Pieper

Dreieinhalb Jahrzehnte leiteten Ilka Stemmermann und Meike Salomon die Praxis gleichberechtigt. Doch im Frühjahr starb Salomon. Die Zukunft der Praxis stand auf der Kippe.

Bassum – Dass die Physiotherapie-Praxis von Ilka Stemmermann noch eine Zukunft hat, war eine ganze Zeit lang ungewiss. So ungewiss sogar, dass sie bereits ihren Mitarbeiterinnen gekündigt und den Mietvertrag beendet hatte. Dann aber klingelte das Telefon in der Praxis am Mühlenweg in Bassum. Am anderen Ende der Leitung: Marie Dunker, eine nach beruflicher Veränderung strebende Physiotherapeutin mit einer Jobanfrage. Und nur wenige Minuten später war aus einer Initiativbewerbung für eine Stelle schon beinahe faktisch eine Nachfolge für die auf der Kippe stehende Praxis geworden. Heute steigt Dunker in das Unternehmen ein – und die Praxis hat wieder eine Zukunft.

Dabei lief es dort sehr gut, wie Stemmermann berichtet: Vor 35 Jahren hatte sie die Praxis gegründet, noch heute steht sie am selben Standort wie damals, am Mühlenweg 18. Von Anfang an mit dabei war Meike Solomon. Dreieinhalb Jahrzehnte leiteten Stemmermann und Salomon die Praxis gleichberechtigt. Doch im Frühjahr starb Salomon nach kurzer, schwerer Krankheit.

Für Ilka Stemmermann brach eine Welt zusammen

Damit brach für Stemmermann gleichermaßen eine Welt zusammen wie eine wichtige Stütze in der Praxis weg. Eine Zukunft für die Praxis? Nicht in Sicht. „Es ist schwierig, Physiotherapeuten zu finden“, weiß sie. Ganz besonders solche, die sich auch eine Teilhabe an einer Praxis vorstellen können. Deshalb seien die Kündigungen für die angestellten Physiotherapeutinnen Julia Merz und Verona Borchers sowie die gute Seele der Praxis, Anke Diekmann, bereits ausgesprochen gewesen. Die Rechnung hatte Stemmermann da aber noch ohne Dunker gemacht.

Die Kündigungen waren bereits ausgesprochen

„Ich wollte mich verändern“, gibt sie ihre Motivation wieder, weshalb sie Ende Juni zum Telefon griff und bei Stemmermann anrief. „Manchmal muss man nur den Mut haben, einfach mal anzurufen“, sagt Dunker und lächelt. Sie fragte nach einer Stelle – und dürfte mit der Gegenfrage wohl kaum gerechnet haben. „Ich habe sie direkt gefragt, ob sie die Praxis übernehmen möchte“, gibt Stemmermann den weiteren Verlauf des Telefonats wieder und grinst ebenfalls. Der Samen war gesetzt, und noch am Ende derselben Woche erwuchs daraus eine Pflanze, als Dunker das restliche Praxis-Personal bei einem gemeinsamen Abendessen kennenlernte. Dunker: „Es fühlte sich gut an.“

Marie Dunker wollte sich beruflich verändern

Die Sache war abgemacht. In den vergangenen Wochen arbeiteten beide intensiv auf den heutigen Tag hin. Selbst Marie Dunkers Ehemann Hannes sowie Tochter Lotta (12) und Sohn Johann (9) packen mit an: Die Praxis verändert sich optisch ein wenig, aus den gelben Wänden etwa werden weiße. „Sie bringt ihre eigene Note hier rein“, ist Stemmermann offen dafür und hilft auch selbst mit, die Praxisräume umzugestalten. Kommendes Jahr wolle sie sich allerdings selbst nach dann fast 40 Jahren als Physiotherapeutin zurückziehen.

Bis dahin geht sie mit neuem Schwung in die Arbeit. Sie lächelt ihre neue Kollegin an: „Sie ist sehr energiegeladen und gibt mir Kraft!“ Stemmermann benutzt Adjektive wie „empathisch“, „schwungvoll“ und „energiegeladen“, um Dunker zu beschreiben. Die wiederum hat ebenfalls nur Gutes zu sagen: „Wir haben uns von Anfang an verstanden und ergänzen uns richtig gut!“

Patienten sind erleichtert, dass es weitergeht

Auf Dunker warten jetzt abgesehen von der neuen Umgebung ein paar Veränderungen: Sie muss sich zum Beispiel um die Bürokratie kümmern, die auch Stemmermann nicht unbedingt liegt. Das habe in der Vergangenheit Meike Salomon gemacht, erzählt sie. Jetzt erhalten sie Unterstützung von deren Ehemann Andreas sowie weiteren erfahrenen Physios aus ihrem Bekanntenkreis.

Und von den Patienten. Denn auch die mussten ja zwischenzeitlich um den Fortbestand ihrer Stammpraxis bangen. „Sie sind erleichtert, dass es weitergeht“, berichtet Stemmermann. „Sie waren erst sehr traurig und jetzt sehr happy.“ Das lassen die Patienten auch Dunker spüren: „Alle sind total offen und freundlich, man fühlt sich wohl!“ Es seien sogar noch Kapazitäten für weitere Patienten vorhanden, sagen beide. Und das, wo Dunker von einem Mangel an Physios spricht mit teils wochenlangen Wartezeiten selbst für akute Beschwerden.

Jetzt wartet die seit 2011 als Physiotherapeutin arbeitende 38-Jährige selbst nur noch auf eine Sache: dass es endlich losgeht. „Ich freue mich riesig“, unterstreicht sie, die vor Aufregung die Füße kaum habe stillhalten können. Ab heute darf sie endlich ran in ihrer neuen Praxis – einer Praxis mit einer neuen Zukunft. Dem Telefon sei Dank.