Kampfpreise beim Altersvorsorgedepot: Jagd auf die Sparer ist eröffnet
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Preiskampf beim Altersvorsorgedepot: Filialbanken und Neobroker buhlen um Sparer
Stand: 13.10.2026, 13:44 Uhr
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Beim Altersvorsorgedepot winken die Neobroker mit attraktiven Konditionen und setzen damit Banken unter Druck. Auch Trade Republic wirft seinen Hut in den Ring.
Die Preisschlacht beim Altersvorsorgedepot hat begonnen, die Anbieter öffnen ihr Visier und wagen sich allmählich aus der Deckung. Beim gesetzlich vorgeschriebenen Standardprodukt für die private Rente, das jeder Anbieter führen muss und bei dem es durch einen einfachen Hebel mehr Geld geben kann, gilt eine Obergrenze von einem Prozent jährlicher Gesamtkosten bis zur Auszahlphase.
Doch die bisher bekannt gewordenen Angebote wollen locken mit weitaus günstigeren Konditionen. Auch Filialbanken sind mittlerweile ins Rennen eingestiegen. Die Verbraucherzentrale warnt gegenüber echo24, was Sparer hier beachten müssen.
Sparkassentochter lockt mit günstigen Gebühren – nicht nur für Bestandskunden
Gefühlt an jeder Ecke wird die neue staatlich geförderte private Altersvorsorge beworben, ohne dass Sparer sich dabei in Unkosten stürzen sollen. Die Sparkassen-Fondstochter Deka etwa wiederum möchte ab Januar 2027 das AVD im Standardtarif zum Preis von nur 0,1 Prozent effektiver ETF-Kosten pro Jahr in den Filialen über die App der Sparkasse anbieten.
Auch wenn die Konditionen ausdrücklich noch unter dem Vorbehalt der erwarteten Genehmigung der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) stehen. Depotführung und Zulagenverwaltung kosten kein Geld. In der individuellen Variante soll die Aktienquote selbst wählbar sein.
„Wir sind sehr günstig und wettbewerbsfähig aufgestellt“, zitiert die Stimme den Deka-Vertriebschef Dirk Peters, ehemals Vorstandsmitglied bei der Kreissparkasse Heilbronn. „Auch Personen, die keine Sparkassenkunden sind, können das Deka-Altersvorsorgedepot nutzen“, erklärt eine Sprecherin der DekaBank gegenüber echo24.
„Mit dem Abschluss eines Altersvorsorgedepots wird man ohnehin Kunde bei einer Bank“, erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg der echo24-Redaktion. Das Gesetz erlaube ein Verrechnungskonto als Teil des Vertrags. Ein zusätzliches Girokonto oder ein weiteres freies Aktienkonto ist für das Altersvorsorgedepot also nicht erforderlich.
Wo beim Altersvorsorgedepot eine versteckte Kostenfalle lauert
„Verlangt ein Anbieter das trotzdem, verfolgt er damit eigene Interessen: Er möchte Kunden binden, ihnen weitere Finanzprodukte verkaufen und einen späteren Wechsel unbequemer machen“, warnt der Abteilungsleiter für Altersvorsorge, Banken und Kredite.
Das sei nicht per se unzulässig und hänge immer auch vom konkreten Werbekontext ab. Kostet das Zusatzprodukt aber Geld, kann das Angebot irreführend sein. Beworben und im Produktinformationsblatt ausgewiesen werden dann nur die Gebühren des Altersvorsorgedepots. Die Kosten des Zusatzprodukts stehen dort nicht, obwohl das die Bedingung für das AVD ist.
Der gesetzlich vorgesehene Kostenvergleich werde so teilweise unvollständig und intransparent. Gegen solche Praktiken können Verbraucherzentralen vorgehen, erklärt Nauhauser. Betroffene können unter Umständen auch selbst Schadensersatz verlangen, wenn ein konkreter Schaden durch fehlgeleitete Werbung nachweisbar ist. Wer Angebote vergleicht, sollte die Kosten aller Zusatzprodukte hinzurechnen.
Wie setzt sich der Kostendeckel von 1 Prozent für das Standarddepot zusammen?
Depot- und Verwaltungskosten: die laufenden Gebühren des Anbieters für Kontoführung und Depotverwaltung. Transaktionskosten: beim Kauf oder Verkauf einzelner Posten oder einer Umschichtung innerhalb des Depots. Laufende Fondskosten (TER): die genutzten Fonds oder ETFs, die automatisch vom Vermögen abgezogen werden. Abschluss- und Vertriebskosten: über die Laufzeit verteilte, anteilige Provisionen und Vertriebsgebühren.
Filialbanken sind auf Provisionen aus: „Standarddepot wird nicht die erste Empfehlung“
Wenn jemand persönlichen Kontakt vor Ort braucht, etwa weil er kein Onlinebanking nutzt oder nutzen kann, für den ist ein Abschluss in einer Filiale eine Alternative. „Man sollte sich bewusst machen, dass Berater in der Filiale in der Regel über Provisionen vergütet werden. Das setzt Anreize, Geldanlagen mit hohen Provisionen zu empfehlen“, sagt Bankenexperte Nauhauser zu echo24.
Die Provisionen machen einen nicht unerheblichen Teil der Abschluss- und Vertriebsvergütungen aus – diese können die erzielbare Rente erheblich schmälern. Eine gesetzliche Begrenzung der Kosten gibt es nur beim Standarddepot. Dort sind die effektiven Gesamtkosten auf 1 Prozent pro Jahr gedeckelt.
Bei allen anderen Altersvorsorgedepots können höhere Provisionen das Produkt über die 1-Prozent-Gesamtkostenmarke heben. Allerdings gilt auch dort das allgemeine Transparenz- und Informationsrecht und dass alle Gebühren in den Vertragsunterlagen und dem vorgeschriebenen Kostenausweis ersichtlich sind. „Kunden müssen sich darauf einstellen, dass das günstigere Standarddepot nicht die erste Empfehlung ist“, so Nauhauser.
Auch Christian Hecker, Gründer des Neobrokers Trade Republic, warnt in der Bild, dass „die Taktik vieler klassischer Banken so einfach wie langweilig ist: mit null Euro in die Filiale locken und dann ein Produkt für ein Prozent verkaufen.“ Damit würden eben tausende Berater von Sparkassen und Volksbanken ihr Geld verdienen. Anleger sollten sich davon aber in ihrer Entscheidung nicht beeinflussen lassen und diese fünf Fehler beim Start vermeiden.
Für welchen Service Vermögensverwalter guten Gewissens Gebühren verlangen können
Aus Perspektive der Sparer ist entscheidend, dass sie für das bezahlte Entgelt eine angemessene Gegenleistung erhalten, die in ihrem Interesse liegt, erklärt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Diese Gegenleistungen rechtfertigen moderate Gebühren:
- Die Einrichtung und Verwaltung des Vertrags.
- Die Fondsauswahl.
- Umschichtungen des angelegten Kapitals (etwa von riskanteren Aktien zu sicheren Anleihen oder umgekehrt).
Wenn ein Neobroker wie Scalable Capital ein Standarddepot mit einem Lebenszyklusmodell für höchstens 0,15 Prozent im Jahr anbieten kann, müsse ein Anbieter mit deutlich höheren Gesamtkosten erklären, welche zusätzliche Leistung er dafür erbringt.
Bei Scalable Capital müssen Kunden im ersten Jahr voraussichtlich sogar gar nichts bezahlen. Depotführung, Sparpläne, Ein- und Auszahlungen sollen ebenfalls umsonst zu haben sein. Das Angebot ist allerdings laut Focus Online zeitlich limitiert bis Ende 2027.
Wie teuer ist ein Anbieterwechsel beim AVD?
In den ersten fünf Jahren dürfen der bisherige und der neue Anbieter für die Übertragung jeweils maximal 150 Euro verlangen – danach dürfen Sparer kostenlos wechseln. Erhöht der Anbieter aber seine Kosten, können Sparer jederzeit kostenfrei wechseln, wie die Verbraucherzentrale informiert.
In diesem Fall darf der neue Anbieter keine Abschluss- und Vertriebskosten auf das übertragene Kapital erheben, allerdings kann eine Verwaltungspauschale anfallen. Die Übertragung des Anlagevermögens sollte beim ersten Finanzdienstleister in Abstimmung mit dem künftigen beantragt werden, damit die Förderung erhalten bleibt.
So teuer ist das Altersvorsorgedepot bei anderen Neobrokern und Banken
Trade Republic kündigte in der Bild an, keine Depotgebühren und keine Kosten für die Sparpläne zu verlangen. Circa 50 ETFs sollen sogar ohne laufende Fondskosten (TER) angeboten werden. „Das kostenlose Altersvorsorgedepot ist ein langfristiges Versprechen.“, so Trade-Republic-Chef Hecker.
Bei DWS, einer Fondstochter der Deutschen Bank, liegen die jährlichen Kosten bei der entwickelten Standardvariante voraussichtlich bei 0,1 Prozent in den ersten zwei Jahren und danach bei 0,28 Prozent, wie die dpa berichtet. Allerdings wird dieses Angebot nur digital verfügbar sein.
Deutschlands größtes Geldhaus hat zudem ein erweitertes Vorsorgedepot mit Beratung in Planung, für das es pro Jahr ein Entgelt von 0,99 Prozent erheben möchte. Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Mauderer sagte, die Rentenreform habe „das Potenzial eines echten Gamechangers“.
Der Smartbroker+ hat angekündigt, für das Standarddepot in den ersten drei Jahren bis zu einer Anlagenhöhe von 25.000 Euro Depot-, Sparplan- und Orderkosten zunächst nicht zu berechnen, wie Focus online schreibt. Weil die günstigen Konditionen aber nicht für Jahrzehnte garantiert sind, kann das für Anleger langfristig teuer werden, so das Portal weiter. Das sollten Anleger bei der langfristigen Bewertung berücksichtigen.
Quirion, die digitale Vermögensverwaltung der Quirin Privatbank, geht beim AVD eine Kooperation mit dem US-Vermögensverwalter Vanguard ein und drückt die laufenden Fondskosten für das Standardprodukt, bestehend aus zwei ETFs, auf 0,07 Prozent des Depotwertes pro Jahr. Depot-, Service- oder Verwaltungsgebühren werden bei diesem Basismodell mit zwei ETFs (mit weltweit gestreuten Aktien beziehungsweise Anleihen) zum Start nicht fällig.
Warum die Anbieter den Sparern noch keine finalen Verträge vorlegen können
Die vollständigen langfristigen Konditionen nach dem ersten Jahr stehen allerdings bisher nicht fest, hinterher könnte es also noch teuer werden. Generell stehen alle aktuellen Angebote zum Altersvorsorgedepot rechtlich unter Vorbehalt, da die offiziellen Zertifizierungsverfahren noch laufen. Anbieter können deshalb zum jetzigen Zeitpunkt noch keine finalen, rechtsverbindlichen Verträge abschließen. Die Vertragsmuster prüft derzeit das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) zusammen mit der BaFin.
Die Anbieter setzen deshalb momentan vorwiegend auf Wartelisten, Vorregistrierungen oder unverbindliche Absichtserklärungen. Sparer sollten sich unverbindlich informieren, aber mit festen Unterschriften oder voreiligen Depotwechseln noch warten, bis die finalen, zertifizierten Produktinformationsblätter vorliegen, rät Finanztip.