Prepper baut illegal zweistöckiges Holzhaus im Wald – Bausatz aus dem Internet
StartseiteLokalesBad TölzJachenauStand: 05.10.2026, 19:01 UhrKommentareUns auf Google folgenEinen zweigeschossigen Schwarzbau hat ein Tölzer in einem unzugänglichen Waldstück in der Jachenau errichtet. © Polize...
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Stand: 05.10.2026, 19:01 Uhr
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Ein 43-jähriger Tölzer hat mitten im Jachenauer Bergwald heimlich ein Haus errichtet. Die Bretter schleppte er nachts durch unwegsames Gelände.
Jachenau/Bad Tölz – Es ist ein recht hübsches Holzhaus. Zweistöckig, grün angestrichen. Im Erdgeschoss führt eine Tür ins Innere. Im Parterre und im ersten Stock gibt es Fenster. Das Problem: Das Gebäude ist ein Schwarzbau, errichtet von einem Tölzer, der wohl der Prepper-Szene zuzuordnen ist, mitten im Wald nahe der Orterer Alm in der Jachenau. Durch Zufall wurden Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten auf den Bau aufmerksam. Als im Zuge der Überwachung Bilder auftauchten, auf denen es so aussieht, als hätte der Mann eine Waffe in der Hand, alarmierte der Forstbetrieb die Polizei.
Schon vor einem Jahr werden Bretter entdeckt – abgedeckt mit Laub
Die Geschichte ist fast unglaublich. Schon vor über einem Jahr wurde festgestellt, dass jemand einen Stapel Bretter am Forstweg im Bereich der Orterer Alm lagerte. Abgedeckt war das Ganze mit einer Plane und Laub. Viele Monate später stießen Forstmitarbeiter dann einen guten Kilometer entfernt, in unwegsamem Gelände, auf einen vorbereiteten Bauplatz. In akribischer und schweißtreibender Kleinarbeit hatte ein Unbekannter das zuvor gelagerte Holz zu Fuß dorthin geschleppt. Stück für Stück, Brett für Brett, die massive Tür und die Fenster. Wie die Polizei später ermittelte, fanden die Transporte mitten in der Nacht statt, um niemandem zu begegnen. Der eigentliche Bau der Hütte dauerte diesen August vier Wochen.
Foto, das vermeintlich eine Waffe zeigt, geht ans Landeskriminalamt
Im Zuge der Überwachung tauchte immer wieder derselbe Mann auf – in Survival-Kleidung. Ihm konnte irgendwann auch ein Fahrzeug zugeordnet werden. Über das Kennzeichen ermittelte die Polizei die Personalien des Bauherrn. Das Bild mit der vermeintlichen Waffe wurde zwischenzeitlich zur Auswertung ans Landeskriminalamt geschickt. Parallel beantragte die Tölzer Polizei einen Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung des 43-jährigen Tölzers. Während seiner Vernehmung in der Inspektion durchsuchten Beamte die Räumlichkeiten.
Mann besitzt erlaubnisfreie Schusswaffen, die er aber nicht führen darf
„Wir haben ihn hier mit den Bildern aus dem Wald konfrontiert“, sagt der Tölzer Polizeichef Johannes Kufner. In diesem Zuge räumte der Mann auch ein, dass er einige erlaubnisfreie Schusswaffen besitzt. Dazu zählen unter anderem historische Vorderladerwaffen. Das Problem: Nur der Besitz ist erlaubnisfrei. „Er darf sie aber nicht führen“, sagt Kufner. Sichergestellt wurde bei der Wohnungsdurchsuchung zudem eine Armbrust. In der Vernehmung habe der Tölzer angegeben, „dass ihm die Waffen nur zur Verteidigung dienten“, so Kufner. Das Haus im Wald habe er sich als „Rückzugsort“ geschaffen.
Bausatz für Haus im Internet bestellt
Den Bausatz für das Gebäude hatte sich der 43-Jährige im Internet bestellt – für 5000 Euro, wie er gegenüber der Polizei angab. Damit niemand von seinen Plänen Wind bekam, versteckte er das Material, bis er es in die Jachenau transportierte. Die zweigeschossige Bauweise ist übrigens einem einfachen Umstand geschuldet: Längere Bretter passten nicht in seinen Kleinwagen. So habe er sich entschieden, eher in die Höhe als in die Breite zu bauen, berichtet Kufner.
Forstbetrieb: „Der Bau muss wieder weg“ – nur wie, das ist offen
Was mit dem Haus mit der Grundfläche 4,5 auf 3,5 Meter passiert, muss nun der Forstbetrieb entscheiden. „Stehenbleiben kann es natürlich nicht“, sagt Kufner. Das betont auch Robert Krebs, Leiter des Tölzer Forstbetriebs. „Der Bau muss wieder weg.“ Wie das über die Bühne gehen wird, das müsse besprochen werden. „Allerdings warten wir ab, bis die Ermittlungen und das Verfahren abgeschlossen sind“, sagt Krebs. Die Kosten wird aber vermutlich der Verursacher tragen müssen. Der Tölzer wird sich wohl zudem wegen Verstößen gegen das Naturschutzgesetz, gegen das Baurecht, wegen des illegalen Führens von Waffen sowie wegen Sachbeschädigung von Waldboden und Bäumen verantworten müssen. Für Kufner beweist der Ermittlungserfolg in diesem Fall eines: „Bei uns bleibt nichts unentdeckt.“
Polizei ordnet Tölzer der Prepper-Szene zu
Weitere Funde bei der Hausdurchsuchung zeigten, dass der Mann der Prepper-Szene zuzuordnen sein dürfte. Das sind Menschen, die davon ausgehen, dass bei Katastrophen staatliche Hilfen versagen oder nicht rechtzeitig ankommen, und sich deshalb akribisch auf Notsituationen vorbereiten. Grundsätzlich ist eine Vorbereitung auf Krisenfälle natürlich sinnvoll. Gerade die extreme Prepper-Szene zieht aber auch Verschwörungstheoretiker und Extremisten an. In einzelnen Fällen werden dann nicht nur Lebensmittel oder Medikamente gehortet, sondern auch in größerem Umfang Waffen.
Kein Zusammenhang mit Prepper-Fässern
Kein Zusammenhang besteht zwischen dem Tölzer und dem Prepper-Lager, das im vergangenen Sommer im Karwendel entdeckt worden war. „Das haben wir überprüft“, sagt Kufner. In den neun großen Fässern, die eine Einheit der Bundeswehr mit ihren Maultieren, Pferden und einem Esel aus dem schwer zugänglichen Gelände ins Tal brachte, befanden sich Medikamente, Batterien, ein Schlafsack, Hundefutter, ein Zelt, ein Feldbett und jede Menge Lebensmittel. Teilweise waren diese bereits 2014 abgelaufen.