„Probleme lösen, die niemandem aufgefallen wären“: Kabarettist Helmut Schleich über die Wiesn-Bürokratie

Das Oktoberfest ist durchreguliert bis ins letzte Detail – und die Stadt kämpft sogar gegen eine EU-weite Ausschreibung der Wiesnplätze. Ob die „Ludwig-Thoma-Musikanten" in einem Festzelt noch lange so heißen dürfen, ist dabei eine ganz andere Frage.

  • 2 min read
„Probleme lösen, die niemandem aufgefallen wären“: Kabarettist Helmut Schleich über die Wiesn-Bürokratie

Stand: 19.09.2026, 20:30 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Kabarettist Helmut Schleich macht sich Gedanken über die Bürokratie auf dem Oktoberfest.

Kabarettist Helmut Schleich macht sich Gedanken über die Bürokratie auf dem Oktoberfest. © Achim Schmidt

Wiesn-Zeit in München! Das größte Volksfest der Welt besticht auch durch seine besondere Regel-Flut. Kabarettist Helmut Schleich macht sich Gedanken über die Oktoberfest-Bürokratie. Seine Kolumne:

München – Dass es auf dem Oktoberfest kein Herzkaschperlzelt mehr gibt, das wissen wir. Inzwischen hat man sich daran gewöhnt. So ist es eben: Wer zu wenige Punkte hat, für den ist die Party vorbei. Genau umgekehrt wie beim Führerschein, aber dennoch, alles geregelt, bis ins kleinste Detail.

Ein Volksfest wie ein gigantischer Aktenschrank. Seltsam eigentlich, dass das „Bürokratiemonster“ dennoch in keiner Geisterbahn zu finden ist. Vermutlich war es einfach falsch gekleidet und wurde von den neuen städtischen Sittenwächtern übermalt. Denn das ist ja die wahre Beamtenkunst: Probleme zu lösen, die niemandem aufgefallen wären.

Wem gehört der Vorschriftenkatalog?

In Wahrheit wehrt sich ja die Stadt deshalb auch so vehement gegen eine EU-weite Ausschreibung von Wiesnplätzen. Vom Vorschriftenkatalog fürs Oktoberfest könnte das regulierungswütige Brüssel am Ende klauen. Eher kommt ein neues Automodell durch die EU-Zulassung als ein Mandelstadl auf das Oktoberfest.

Das Motto der Wiesn ist: „Nichts dem Zufall überlassen!“ Lustig kann’s erst werden, wenn auch das letzte Blatt kostenpflichtiges Klopapier nummeriert ist.

Bloß nichts dem Zufall überlassen!

Mich hat überrascht, dass die woken Sittenwächter, Geistesverwandte der Erlanger „Skandal um Rosi“ Zensoren, offensichtlich übersehen haben, dass in einem Festzelt die „Ludwig-Thoma-Musikanten“ aufspielen. Herrje. Die sollten sich schleunigst in Ernst-Toller- oder Erich-Mühsam-Musikanten umbenennen, bevor irgendein städtischer Moralapostel auf die Idee kommt, den Namen „Ludwig Thoma“ zu googeln.

Apropos Apostel. Wie sagte Thoma einst: „Nicht jeder, der im Glauben leuchtet, ist von Erkenntnistau befeuchtet.“

In diesem Sinne: „O‘zapft is!“