Recht auf Ganztag: Ferienbetreuung wirft Fragen auf – GEW warnt vor Mehrbelastung im Werra-Meißner-Kreis
Ab dem neuen Schuljahr haben Grundschüler bundesweit Anspruch auf Ganztagsbetreuung. Im Werra-Meißner-Kreis müssen dafür 8 von 12 Ferienwochen abgedeckt werden – wie genau, ist noch unklar.
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Stand: 08.08.2026, 06:30 Uhr
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Ab dem neuen Schuljahr haben Grundschüler bundesweit Anspruch auf Ganztagsbetreuung. 8 von 12 Ferienwochen müssen ebenfalls abgedeckt werden – wie genau, ist im Werra-Meißner-Kreis noch unklar.
Werra-Meißner – Mit dem Beginn des neuen Schuljahres setzt bundesweit das Recht auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen ein. So auch an den 21 Grundschulen im Werra-Meißner-Kreis. Federführend ist der Landkreis, der sich in der Umsetzung zuversichtlich zeigt. Doch die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Kreiselternbeirat äußern Bedenken an der Umsetzung.
„Bereits jetzt erfüllen alle Grundschulen im Werra-Meißner-Kreis die Anforderungen des Rechtsanspruchs für die Unterrichtszeit“, heißt es vonseiten des Kreises. Seit dem Schuljahr 2021/2022 bieten alle Grundschulen im Kreis ein den Landesprogrammen entsprechendes Ganztagsmodell an. „In der Nachmittagsbetreuung gibt es keine Umstrukturierungen, daher erwarten wir auch keine Probleme zum Start“, sagt Landrätin Nicole Rathgeber.
Ausbau erfolgt stufenweise
Der Rechtsanspruch gilt zunächst für Grundschulkinder der ersten Klassenstufe und wird in den Folgejahren um je eine Klassenstufe ausgeweitet. Ab 1. August 2029 haben laut GEW dann alle Schüler Anspruch auf täglich acht Stunden Unterricht und Betreuung in offenen und gebundenen Ganztagsschulen sowie in Horten. Für die Schaffung neuer und die Erhaltung vorhandener Plätze stellt der Bund den Ländern insgesamt 3,5 Milliarden Euro bereit. Ab 2026 beteiligt sich der Bund zudem an den Betriebskosten.
Sie sagt jedoch auch, dass das Thema ein sehr komplexes sei. Dazu gehört auch das Betreuungsangebot in den Ferien, das zum Rechtsanspruch gehört. „8 von 12 Ferienwochen im Jahr müssen abgedeckt werden“, sagt Rathgeber. Dazu befinde man sich noch in der finalen Abstimmung und es gelte auch, zunächst Erfahrungswerte zu sammeln. Genug qualifiziertes Personal zu finden, sei natürlich eine Herausforderung, die aber aktuell so gut wie jede Branche habe.
GEW äußert Bedenken
Weniger zuversichtlich zeigen sich die zwei Kreisverbände der GEW: „Personalengpässe in der täglichen Betreuung während des Schulalltags führen bereits jetzt schon zu Mehrbelastung“, berichtet Richard Meydorn, Vorsitzender in Witzenhausen. Schule sei leider ein Ort der Mangelverwaltung. „Wie sollte es da bei der Ferienbetreuung plötzlich anders sein und alles reibungslos laufen, wenn dies schon bei der Nachmittagsbetreuung schon nicht reibungslos läuft?“, fragt der Pädagoge.
Es fehle an pädagogisch geschulten und vor allem ausgebildeten Fachkräften, heißt es auch vom Eschweger GEW-Kreisverband, der die Bedenken teilt. Man hätte sich um diese schon seit Jahren im Sinne einer „Ausbildungskampagne für den Ganztag“ bemühen können, sogar müssen.
Kreiselternbeiratsvorsitzender Joachim Damen-Lux sagt, dass die Eltern keine Perfektion von Tag eins erwarten. „Es geht jedoch um Verlässlichkeit.“ Außerdem werde vor allem viel über Personal und Gebäude gesprochen, wenig über die Kinder. Denn es gehe ja nicht nur um einen Jahrgang, sondern darum, ein Bildungsangebot für alle jetzigen und künftigen Grundschüler zu schaffen. Es solle nicht nur eine längere Betreuung sein. Für Damen-Lux stehen vor allem hinter Ferienbetreuung noch einige Fragezeichen.
Vier Sozialräume für die Ferien
Diese soll ab den Herbstferien in jedem der vier Sozialräume angeboten werden. Diese vier Sozialräume sind:
- West: Hessisch Lichtenau, Großalmerode
- Nord: Witzenhausen, Neu Eichenberg, Bad Sooden-Allendorf
- Ost: Eschwege, Wanfried, Meinhard, Berkatal, Meißner, Waldkappel, Wehretal, Weißenborn
- Süd: Sontra, Ringgau, Herleshausen
Aufgrund der bestehenden sozialen Infrastrukturen wurden diese definiert. In diesen Sozialräumen sollen die Ferienangebote der einzelnen Orte gebündelt werden. Darin bestehe laut Kreis eine der größten Herausforderungen, da in vielen Orten unterschiedliche Träger, Vereine und Jugendhilfen für Ferienspiele und ähnliche Angebote sorgen, von denen auch Kinder aus Nachbarorten profitieren könnten. „Wir wollen deshalb in den Herbstferien Erfahrungen sammeln und auf den Rückmeldungen der Schulen und Eltern dann weiter aufbauen“, sagt Landrätin Nicole Rathgeber. Zu den Kosten für die Ferienangebote kann der Kreis noch keine Angaben machen, nur so viel: „Es wird einen Zuschuss geben.“
Die GEW befürchtet, dass für eine flächendeckende und wohnortnahe Betreuung vermutlich Personal und Geld fehlen werden. Die vermutete Konsequenz: Der Anspruch auf Ferienbetreuung kann nicht ohne erhebliche Belastungen für Eltern und Kinder umgesetzt werden. Fahrtwege von 15 bis sogar 25 Kilometern könnten die Folge sein. Auch für den Vorsitzenden des Kreiselternbeirats, Joachim Damen-Lux, ist wichtig, dass es für die Eltern und Kinder auf dem Land keine Nachteile im Vergleich zu den Familien in der Stadt geben soll.
Kosten für Eltern hängen von mehreren Faktoren ab
Was die Qualität des Personals angeht, gibt der Kreis an, dass verschiedene Qualifizierungsprogramme angeboten werden, die auch gut angenommen wurden. Außerdem bestehe ein Vorteil darin, dass vom Betreuungspersonal „viele schon länger dabei sind“, wie die Landrätin sagt.
Die Kosten für die Eltern variieren je nach Schule und gebuchtem Modul. Eine einheitliche Aussage ist laut Kreis daher nicht abzugeben. Die angebotenen Pakete variieren demzufolge je nach Bedarf an den Schulen von 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr. Die Monatsbeiträge würden je nach Paket und Schule von 50 bis 90 Euro variieren. Mittagessen kostet extra. (William Abu El-Qumssan)