Redmagic Astra 2: Das Gamingtablet mit zwei USB-Anschlüssen im Kurztest
Android Redmagic Astra 2: Das Gamingtablet mit zwei USB-Anschlüssen im Kurztest Highendhardware, Flüssigkeitskühlung und eine Lawine an Zusatzfunktionen sollen das Gerät als ultimative Plattform für mo...
- 7 min read
Android
Redmagic Astra 2: Das Gamingtablet mit zwei USB-Anschlüssen im Kurztest
Highendhardware, Flüssigkeitskühlung und eine Lawine an Zusatzfunktionen sollen das Gerät als ultimative Plattform für mobile Spiele platzieren
Georg Pichler
Im Bereich Tablets gibt es üblicherweise zwei Nutzungsszenarien. Das Erste und wohl häufigste ist die Verwendung als "Multimediagerät". Hierauf werden primär Filme und Serien geschaut, Webseiten angesurft und vielleicht auch Mails gelesen und videotelefoniert. Das Zweite ist der Laptop-Ersatz. Hier wird das Gerät mit einem Keyboard-Dock kombiniert und dient nicht nur als "Flimmerkiste" für Videos, sondern auch für produktive Arbeit.
Doch auch dazwischen finden sich Nischen, die manche Hersteller bespielen. Eine davon ist Gaming. Hier sollen Performance, an Spielerinnen und Spieler gerichtete Features kombiniert werden mit einem kompakten Formfaktor. Bedient wird dieser Bereich unter anderem von Redmagic, einer Tochter des chinesischen Konzerns ZTE. Beim kürzlich erschienenen Astra 2 wird am Spezifikationszettel mächtig geklotzt. DER STANDARD hat das ab 700 Euro feilgebotene Gerät einem Kurztest unterzogen.
Das Astra 2 präsentiert sich als sehr flaches Gerät mit Metallrahmen und verglaster Rückseite. Mit seinem 9-Zoll-Display liegt es im Größenbereich anderer Gamingtablets. Ergonomisch gibt es aber Luft nach oben. Die wenig abgerundeten Kanten in Kombination mit der recht glatten Rückseite erfordern Eingewöhnung, bis man heraus hat, wie man es "sicher" in den Händen platziert. Alternativ kann man freilich auch Controller und anderes Zubehör anschließen, wovon auch Redmagic selbst einiges im Programm hat. Neben USB und Bluetooth können hier auch magnetische Pins genutzt werden.
Das Display sticht bereits nach dem Einschalten als sehr hell heraus und ist OLED-typisch auch farb- und kontrasttark. Im Ein-/Ausschalter ist ein Fingerabdruckscanner untergebracht, der auch zuverlässig arbeitet. Dazu kommen entlang der Oberseite zwei Lautstärketasten und ein rot eingefärbter Schieberegler. Dieser versetzt das Astra 2 in den Gamingmodus, doch dazu später mehr.
Unter der Haube läuft der aktuell noch schnellste Smartphone-Chip im Android-Bereich, der je nach Variante mit 12 oder 16 GB RAM kombiniert wird. Beim Testgerät handelt es sich um die Version mit 512 GB Onboardspeicher und 16 GB RAM, für die 100 Euro Aufschlag verlangt werden. Der Performanceunterschied zum 256/12-GB-Modell sollte sich in den meisten Szenarien unter der Wahrnehmungsschwelle bewegen. In Games, die beispielsweise mit vielen hochauflösenden Texturen den Arbeitsspeicher anfüllen, kann der 4-GB-Unterschied aber darüber entscheiden, ob bestimmte Grafikeinstellungen noch ins "Leistungsbudget" passen.
In der Praxis dürften solche Fälle aktuell kaum vorkommen. In Benchmarks platziert sich das Astra 2 im Spitzenfeld rund um Handys wie Samsungs Galaxy S26. In Spielen wie Diablo Immortal oder Asphalt Legends kann man das Grafiklevel auf den vom Spiel erlaubten Höchstwert drehen, ohne dass das Tablet groß ins Schwitzen kommt. Redmagic wirbt mit einer Fülle an Adaptionen und Features für verbesserte Kühlung, reichend von Graphenschichten für bessere Wärmeabfuhr hinter dem Display bis hin zu einer Flüssigkühlung speziell für den Prozessor und seine Grafikeinheit.
Als nettes Feature kann man – optional beleuchtet – auf der Rückseite das Durchfließen des Kühlmittels beobachten. Gegenüber dem Youtuber JerryRigEverything spricht man von einer wachsartigen, fluorierten Flüssigkeit. Dessen Zerlegung eines Redmagic-Handys der gleichen Generation zeigt auch, dass hier nicht getrickst wird, sondern tatsächlich eine piezoelektrisch betriebene Pumpe einen Kühlkreislauf antreibt. Diese kann man auch kurzfristig in einen "Turbo"-Modus schalten, mit dem die Temperaturen rund um den Chip schneller gesenkt werden sollen. In dem Fall kann man sie dann sogar hören.
Inwieweit dieses System einer klassischen Vapor Chamber überlegen ist, lässt sich schwer sagen. Festgehalten werden kann aber, dass sich das Tablet selbst nach langem Betrieb rückseitig zwar erwärmt, aber keine Anstalten macht, in die Knie zu gehen. Bei aufwändigeren Games wird die maximale Bildwiederholrate von 185 Hz aber ganz klar nicht ausgereizt. Die hohe Touchabfragerate führt aber immerhin dazu, dass Eingaben praktisch verzögerungsfrei übernommen werden.
Die Software des Tablets sieht auf den ersten Blick wie ein relativ unverändertes, wenn auch farblich angepasstes Android-System aus. Jedoch ist die deutsche Übersetzung einiger Elemente in einigen Fällen sehr holprig. Dazu hat man nicht nur allerlei Bloatware vorinstalliert, sondern auch eine Vielzahl an Funktionen ergänzt. Teilweise haben diese mit Hardwarefeatures, wie der hohen Bildwiederholrate des Displays oder der Flüssigkühlung zu tun, der Großteil zielt aber auf Gaming ab. Einige davon kennen PC-Spielerinnen und -spieler schon. Etwa die Aufzeichnung des Bildschirms beim Spielen oder dem automatischen "Clippen" von Highlights in bestimmten Games.
Schnell zugänglich sind die Gamingextras, sobald man mit dem roten Schiebeschalter den "Redmagic"-Modus aktiviert. Dann ruft das System eine vereinfachte, auf Spieleinsatz zugeschnittene Oberfläche auf. Die Fülle an Optionen hier ist in Worten schwer zu umschreiben. Vom Unterdrücken von Benachrichtigungen über spezifische Farbanpassungen des Displays je Spiel bis hin zu diversen Ingame-Hilfsfunktionen gibt es hier alles. Gerade in de "Plugin-Bibliothek" gibt es dabei auch Features, die in Multiplayergames die Grenzen des Fairplays überschreiten. So lassen sich etwa Eingabemakros einrichten, die auf bestimmte Informationen am Spielbildschirm hin getriggert werden oder visuelle Markierungen für Schritte und andere Geräusche einblenden.
Auch der eher von zweifelhafter Nützlichkeit geprägte KI-Avatar "Mora" ist nun anfangs hier versteckt. Bei der Vorgängergeneration, etwa am Smartphone Redmagic 10 Air, war das virtuelle "Waifu" bereits am Startbildschirm zu finden. Das ist nun eine optionale Einstellung, was auch in Sachen Energieverbrauch von Vorteil sein dürfte.
Während das System an sich einen gut optimierten Eindruck macht, ist es nicht ganz frei von Fehlern. Während des Tests kam es mehrfach zu Problemen mit der WLAN-Verbindung in Form von kurzen Unterbrechungen und fluktuierender Latenz. Diese schienen vor allem bei niedrigerem Akkustand (unter 40 Prozent) aufzutreten. Da andere Geräte im gleichen Netz keine solchen Defizite zeigten und schnelles Ein- und Ausschalten der WLAN-Verbindung am Tablet verlässlich Abhilfe schaffte, dürfte das Problem keine externe Ursache haben.
Der Softwaresupport für das Astra 2 ist überschaubar, was bei Tablets aber leider nicht untypisch ist. Der Hersteller verspricht zwei Android-Versionsupdates sowie fünf Jahre Sicherheitspatches.
Bei der Akustik hat man bei dem Gerät gute Arbeit geleistet. Die Stereolautsprecher erzeugen einen recht räumlichen und für Tabletverhältnisse auch guten und lauten Klang. Spielen und Videos schauen macht Freude. Für längerfristigen Musikgenuss kommt man freilich trotzdem nicht an einem Lautsprecher oder Kopfhörer vorbei.
Die Akkulaufzeit ist herzeigbar. Selbst wenn man das Gerät ein paar Stunden mit Games fordert, sind üblicherweise noch Reserven für den einen oder anderen Film vorhanden. Aufgeladen werden kann das Gerät mit insgesamt bis zu 75 Watt Ladeleistung. Auf einem Charger, der maximal 60 Watt ausgeben kann, dauert es etwa 30 Minuten, den Akku zur Hälfte zu füllen. Da es einen zweiten Anschluss gibt, kann man auch gleichzeitig anderes Equipment verbinden oder das Tablet dank Support für DisplayPort an einen Bildschirm anhängen.
Eine kurze Erwähnung verdienen auch die Kameras. Das rückseitige Modul fällt in die Kategorie "zweckmäßig". Es liefert zumindest "brauchbare" Fotos, solange die Lichtsituation gut ist. Die Frontkamera allerdings enttäuscht. Hier gibt es standardmäßig recht unscharfe und detailarme Bilder. Gerade bei einem Gerät, das im Bereich Kommunikation am ehesten noch für Videochats genutzt wird, ist das doch eine negative Überraschung.
Fazit
Viel Leistung, gute Hardware, unzählige Features. Am Papier hat das Redmagic Astra 2 viel zu bieten. Und den größten Teil dieser Versprechen löst es auch ein, negativ fällt in puncto Ausstattung nur die Frontkamera auf. Manche Sonderfunktionen können Spielern in Multiplayergames jedoch unfaire Vorteile verschaffen und der Softwaresupport könnte auch besser sein. Für den vorgesehenen Zweck, Gaming, ist es insgesamt ein gutes Gerät.
Dafür muss man es aber auch wirklich wollen. Denn für ein reines Multimediatablet ist es schlicht zu teuer und für den Einsatz als Laptopersatz fehlt es an einem größeren Display und passenden Adaptionen des Androidsystems. (Georg Pichler 26.9.2026)
Testfotos
Forum: 3 Postings
Ihre Meinung zählt.
Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.