Kind und Beruf: Regionales Gefälle im Betreuungsangebot
Knapp 70 Prozent der Kinder bis zum Alter von fünf Jahren haben in den letzten zwölf Monaten eine Betreuungseinrichtung besucht. Die Zahl stieg in den letzten Jahren deutlich. Allerdings zeigen Daten der Statistik Austria vom Donnerstag nach wie vor große regionale Unterschiede im Betreuungsangebot generell und speziell, was die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung betrifft. Diese ist weiter überwiegend Sache der Mütter.
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Kind und Beruf
Knapp 70 Prozent der Kinder bis zum Alter von fünf Jahren haben in den letzten zwölf Monaten eine Betreuungseinrichtung besucht. Die Zahl stieg in den letzten Jahren deutlich. Allerdings zeigen Daten der Statistik Austria vom Donnerstag nach wie vor große regionale Unterschiede im Betreuungsangebot generell und speziell, was die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung betrifft. Diese ist weiter überwiegend Sache der Mütter.
Online seit gestern, 21.06 Uhr
(Update: gestern, 15.18 Uhr)
Die Zahl der Kinder in elementaren Bildungseinrichtungen – Krippen und Kindergärten – belief sich 2025/26 auf 332.468 (66,9 Prozent). Gegenüber 2016/2017 entspreche das einer Zunahme von acht Prozentpunkten, wie es am Donnerstag hieß. Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) und Manuela Lenk, die fachstatistische Generaldirektorin der Statistik Austria, präsentierten Zahlen und Trends dazu bei einer Pressekonferenz in Wien.
Die Statistik Austria veröffentlichte ebenfalls am Donnerstag den aktuellen Monitoringbericht im Auftrag des Familienministeriums unter dem Titel „Statistiken zur Elementaren Bildung 2025/2026“. Der Bericht erscheint jährlich, er dreht sich um das bundesweite Betreuungsangebot, regionale Unterschiede und im Zusammenhang damit um das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Kind.
Regionale Unterschiede „weiterhin beträchtlich“
In den letzten beiden Halbjahren besuchten laut dem Bericht 36 Prozent der Kinder im Alter bis zu zwei Jahren und fast 95 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen eine Betreuungseinrichtung. Knapp 60 Prozent der Kinder wurden in einer Krippe oder einem Kindergarten betreut, der den Eltern eine Vollzeiterwerbstätigkeit ermöglicht, so Lenk in einer Presseaussendung: „Die regionalen Unterschiede sind jedoch weiterhin beträchtlich.“
Diese zeigen sich bereits bei den bis Zweijährigen. Hier beträgt der österreichweite Durchschnitt laut Statistik 35,8 Prozent. Deutlich darüber liegt Wien mit 46,1 Prozent, gefolgt vom Burgenland mit 42,7 und Niederösterreich mit 41,5 Prozent. Schlusslicht ist die Steiermark mit 24,0 Prozent nach Oberösterreich mit 26,3 Prozent. Am stärksten stieg der Anteil seit 2016/2017 mit 18,6 Prozentpunkten in Niederösterreich, am geringsten mit 8,5 Punkten in Tirol.
Vereinbarkeit von Job und Kind
Bei den Betreuungsquoten der Drei- bis Fünfjährigen liegen Niederösterreich (97,9 Prozent), das Burgenland (97,1 Prozent) und Tirol (96,5 Prozent) über dem österreichweiten Durchschnitt von 94,5 Prozent. Am unteren Ende der Tabelle findet sich wiederum die Steiermark mit 89,3 Prozent. In dieser Altersgruppe haben sich die Zahlen in den letzten zehn Jahren nur leicht verändert.
Die Statistik Austria schlüsselt in ihrem Bericht die Zahlen auch nach dem „Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf“ (VIF) auf. Auch der fällt je nach Bundesland stark unterschiedlich aus. Insgesamt belief sich der Anteil der Kinder bis zum Alter von fünf Jahren 2025/26 in solchen „VIF-konformen“ Betreuungseinrichtungen österreichweit auf 59,6 Prozent, ein leichter Rückgang gegenüber 60 Prozent 2024/2025.
Schlaglicht auf Teilzeitquote
In der Altersgruppe bis zwei Jahre lag Wien mit 88,5 Prozent deutlich über dem Bundesschnitt von 61,6 Prozent, die Steiermark (32,5 Prozent) und Oberösterreich (27,0 Prozent) waren die Schlusslichter. Etwas geringer fielen die Unterschiede bei den Drei- bis Fünfjährigen aus, sie reichten von 39,0 Prozent in Kärnten bis zu 88,9 Prozent in Wien. Lank sprach von einem generell deutlichen Stadt-Land-Gefälle.
Die Zahlen werfen auch ein Schlaglicht auf die Verteilung von Voll- und Teilzeitbeschäftigung bei Frauen und Männern. Laut dem Monitoringbericht arbeiteten zuletzt 18,6 Prozent der Mütter mit Kindern unter 15 Jahren in Vollzeit, 53,2 Prozent in Teilzeit. „Auf die Erwerbstätigkeit der Männer hat die Vaterschaft hingegen kaum Einfluss“, heißt es. Das sei ein „klares Bild“, sagte Lenk, acht von zehn Vätern arbeiteten in Vollzeit.
Anteil steigt mit Alter der Kinder
Generell steige der Anteil der Kinder, die eine Krippe, einen Kindergarten oder Hort besuchen, mit dem Alter, so die Statistik Austria. Bei unter Einjährigen lag er zuletzt bei 3,6 Prozent, bei den Einjährigen bereits bei 35 Prozent.
Bei den Zweijährigen lag er bei 66,8 Prozent, unter den Dreijährigen bei 89,8 und bei den Vierjährigen bei 95,4 Prozent. Im Alter von fünf Jahren besuchten fast alle Kinder (98,1 Prozent) eine Betreuungseinrichtung. Vor allem bei den Ein- und Zweijährigen nahm der Anteil in den letzten zehn Jahren deutlich zu.
Laut dem Monitoringbericht standen 2025/26 bundesweit 9.262 institutionelle Betreuungseinrichtungen für Kinder bis zu einem Alter von fünf Jahren zur Verfügung, darunter 4.700 Kindergärten, 2.903 Kinderkrippen und Kleinkindbetreuungseinrichtungen sowie 1.659 „altersgemischte Betreuungseinrichtungen“, Horte inklusive.
Sprachkenntnisse als Herausforderung
Eine Herausforderung für Betreuungseinrichtungen sei der große Anteil von Kindern mit nicht deutscher Muttersprache. Unter den Drei- bis Fünfjährigen macht er österreichweit mittlerweile 32,1 Prozent aus, in Wien 60 Prozent. Familienministerin Bauer sah hier bei der Pressekonferenz die Familien, vor allem Mütter, gefordert und verwies auf das Integrationspflichtengesetz. „Was es braucht, sind Eltern, die selbst Deutsch lernen.“
Die Ministerin sah aber auch das Engagement des Bundes bestätigt. Seit Beginn der Kostenbeteiligung 2008 sei die Besuchsquote in Kinderbetreuungseinrichtungen stark gestiegen. Aber: „Mir ist vollkommen bewusst, dass wir weiterhin am Ausbau der Kinderbetreuung arbeiten müssen.“
Es gebe mitunter regional noch zu wenige Plätze, auch die Betreuungszeiten reichten oft nicht aus. Es sei ihr aber wichtig, dass Betreuung eine Entscheidung der Eltern sei, so Bauer bei der Pressekonferenz. Es sei nicht Aufgabe des Staates, und niemand müsse seine Entscheidung rechtfertigen. Eltern müssten „volle Wahlfreiheit“ haben.
Kritik und Forderung nach Ausbau
Die FPÖ nahm die Zahlen zu den Sprachkenntnissen zum Anlass für Kritik. „Das ist die Folge der Politik der offenen Grenzen für die Masseneinwanderung der Systemparteien“, so Familiensprecherin Ricarda Berger in einer Aussendung.
Auf einen anderen Aspekt konzentrierten sich die Arbeitnehmervertretungen: Der Ausbau der elementaren Bildung gehe zwar voran, merkten Arbeiterkammer (AK) und Österreichischer Gewerkschaftsbund (ÖGB) in einer Aussendung positiv an. Die neuen Zahlen belegten allerdings auch große regionale Unterschiede. Die Arbeitnehmervertretungen forderten daher eine Personaloffensive sowie einen besseren Betreuungsschlüssel.