Venedig-Filmfestspiele: Reunion der alten Meister
Das älteste Filmfestival der Welt startet vom 2. bis 12. September in seine 83. Ausgabe und bringt im Wettbewerb eine Reunion der alten Meister. Werner Herzog trifft auf Nanni Moretti, Danny Boyle auf die südkoreanische Regielegende Lee Chang Dong. Auch ohne Blockbuster-Produktionen fehlt es nicht an Glamour: Rooney und Kate Mara spielen Zwillingsschwestern, Robert Pattinson, Penelope Cruz und Javier Bardem reisen an. Kurz vor der Eröffnung sorgte der israelisch-palästinensische Konflikt für Deb
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Venedig-Filmfestspiele
Das älteste Filmfestival der Welt startet vom 2. bis 12. September in seine 83. Ausgabe und bringt im Wettbewerb eine Reunion der alten Meister. Werner Herzog trifft auf Nanni Moretti, Danny Boyle auf die südkoreanische Regielegende Lee Chang Dong. Auch ohne Blockbuster-Produktionen fehlt es nicht an Glamour: Rooney und Kate Mara spielen Zwillingsschwestern, Robert Pattinson, Penelope Cruz und Javier Bardem reisen an. Kurz vor der Eröffnung sorgte der israelisch-palästinensische Konflikt für Debatten.
Online seit gestern, 20.43 Uhr
Einer der meisterwarteten Wettbewerbsfilme stammt von Lance Oppenheim, dem mit 30 Jahren jüngsten Regisseur im Wettbewerb. In seinem Spielfilmdebüt „Primetime“ verkörpert Pattinson den US-Fernsehjournalisten Chris Hansen, der mit der NBC-Show „To Catch a Predator“ bekannt wurde: Darin wurden mutmaßliche Sexualstraftäter mit versteckter Kamera gestellt und öffentlich bloßgestellt. Der Film begleitet Hansen auf dem Höhepunkt seiner Macht und stellt die Mechanismen dahinter aus.
Der Hype um den Film ist bereits groß. Pattinson, der dieses Jahr in einer ganzen Reihe neuer Kinofilme zu sehen ist, dürfte mit der ambitionierten Rolle nicht nur auf dem roten Teppich, sondern auch im Gespräch über mögliche Filmpreise eine zentrale Rolle spielen.
Medien und Macht stehen auch im Mittelpunkt des heurigen Eröffnungsfilms: „Ink“ von Danny Boyle erzählt, wie Rupert Murdoch (Guy Pearce) die britische Boulevardpresse revolutionierte und sich „The Sun“ unter dem skrupellosen Chefredakteur Larry Lamb (Jack O’Connell) zur meistverkauften Zeitung Großbritanniens entwickelte.
Israelisch-palästinenischer Konflikt im Fokus
Festivaldirektor Alberto Barbera hatte die heurige Ausgabe als „Spiegel der Gegenwart“ angekündigt – Kino sei ein „Fenster, durch das wir unser Verständnis von Geschichte, Geografie, aktuellen Ereignissen und Politik filtern“, so Barbera. Der brisante Gegenwartsbezug holt das Festival nun bereits im Vorfeld ein: Wenige Tage vor Beginn steht einmal mehr der israelisch-palästinensische Konflikt im Fokus.
Die zunächst abgesagte Eröffnungspressekonferenz findet nun doch statt. Das Festival widersprach Berichten, die Streichung habe mit dem politisch aufgeladenen Klima zu tun, und berief sich auf Terminkollisionen. Offen bleibt, wie stark das Politische auch abseits davon die öffentlichen Auftritte und Pressekonferenzen prägen wird. Im Programm laufen zwei Filme aus Palästina, auch im Wettbewerb wird der Gaza-Krieg mit dem Dokumentarfilm „Naza“ von Yuval Abraham und Rachel Szor thematisiert: Die beiden Koregisseure vom oscarprämierten „No Other Land“ beschäftigen sich darin mit der Situation im Gazastreifen.
Appell von „Venice4Palestine“
Barbera ist zudem mit dem Appell der Gruppe „Venice4Palestine“ konfrontiert, unterzeichnet von Hunderten Künstlerinnen und Filmschaffenden – darunter Annie Ernaux, Roger Waters und Matteo Garrone. Darin werden konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der Palästinenser gefordert, unter anderem das Hissen der palästinensischen Flagge während des Festivals.
Dominanz männlicher Regisseure
Doch der Nahost-Konflikt ist nicht die einzige Debatte, die das Festival vor seiner Eröffnung einholte – auch die männliche Dominanz sorgt für Unmut. Von 21 Wettbewerbsfilmen stammt nur einer von einer Frau als alleiniger Regisseurin – wobei bei „Naza" zwei Regisseure (ein Mann, eine Frau) gemeinsam zeichnen. Als Soloregisseurin ist die dänische May el-Toukhy mit „Woman Unknown" im Rennen, einem Drama über eine junge Haushälterin im Nachkriegskopenhagen.
Barbera begründete den niedrigen Frauenanteil mit schlechteren Zugangschancen in der Branche – ein Argument, das andere Festivals nicht gelten lassen: Cannes kommt im selben Jahr auf 23 Prozent Regisseurinnen im Wettbewerb, die Berlinale auf 40 Prozent.
Rooney und Kate Mara als Zwillinge
Unter den gut etablierten Namen ist unter anderem der 83-jährige deutsche Filmemacher Herzog, der nach sieben Jahren Spielfilmpause seinen neuen Film „Bucking Fastard“ präsentiert: die Geschichte zweier symbiotischer Zwillingsschwestern (Rooney und Kate Mara), die am Rande der Gesellschaft leben und beginnen, sich durch eine Bergkette zu graben.
Im Interview bezeichnete Herzog den Film als Abschluss eines „opernhaften Triptychons“ neben „Fitzcarraldo" und „Grizzly Man“. Auch Moretti ist nach 20 Jahren Venedig-Absenz mit „Succedera questa notte“ im Wettbewerb vertreten.
CIA-Agenten und Tech-Milliardäre
Als ein heißer Favorit auf den Goldenen Löwen gilt Martin McDonaghs „Wild Horse Nine" – eine düstere Komödie über CIA-Agenten, die kurz vor dem chilenischen Putsch 1973 auf die Osterinsel geschickt werden, mit Sam Rockwell, John Malkovich, Steve Buscemi und Tom Waits.
Florian Zellers „Bunker" schickt Bardem als Architekten, der den Bau eines Luxus-Survivalbunkers für einen Tech-Milliardär (Paul Dano) übernimmt – während seine Frau (Cruz) seine Werte zunehmend hinterfragt. Zeller erklärte gegenüber „Variety", er habe, inspiriert von Stanley Kubricks „Eyes Wide Shut“, bewusst ein reales Ehepaar besetzt.
Ebenfalls im Rennen: Casey Afflecks Gothic-Mystery „Company" – angesiedelt an einem einzigen Winterabend 1975 in Colorado, an dem eine geheimnisvolle Frau eine Feiertagsrunde aufmischt und die Geschichte eines einsamen Einsiedlers erzählt, mit Nick Nolte und Ben Mendelsohn.
Elon-Musk- und Oasis-Doku außer Konkurrenz
Abseits des Wettbewerbs sorgt Alex Gibneys rund vierstündiger Dokumentarfilm „Musk" außer Konkurrenz für Gesprächsstoff – ebenso wie die Oasis-Doku „Don’t Look Back in Anger" mit Liam und Noel Gallagher, die für die Wiederannäherung der zerstrittenen Brüder und ihre Reunion-Tour steht.
George Clooney und die 93-jährige Ellen Burstyn werden mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk geehrt. Burstyn spielt zudem in Maggie Gyllenhaals Kurzfilm „Flesh Impact" – die gleichzeitig Jurypräsidentin ist, eine Doppelrolle, die am Lido bereits für Gesprächsstoff sorgt.
Österreich ist mit Manuel Wetschers Tiroler Coming-of-Age-Drama „Eklipse" in der Nebenreihe „Orizzonti“ vertreten. Während die ansteckende Krankheit seines Vaters verschwiegen wird, findet der Protagonist Tomy auf einer Alm zu seiner eigenen Stimme.