Reusser machte in Dijon ihren Frieden mit dem Senf | radsport-news.com
RSNplusFrühes Tour-Aus von 2025 ist vergessen Von Matthias Seng In der Welt-Hauptstadt des Senf im Gelben Trikot: Marlen Reusser (Movistar) | Foto: Cor Vos05.08.2026 | (rs...
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RSNplusFrühes Tour-Aus von 2025 ist vergessen
Von Matthias Seng

In der Welt-Hauptstadt des Senf im Gelben Trikot: Marlen Reusser (Movistar) | Foto: Cor Vos
05.08.2026 | (rsn) – Locker und gelöst stellte sich Marlen Reusser (Movistar) nach ihrem gestrigen Zeitfahrsieg bei der Tour de France Femmes in der Mixed Zone den Fragen der Journalisten – und dabei ging es immer wieder um ein Thema: das “Projekt Dijon“, wie Reusser zunächst auf Deutsch und dann auf Englisch erzählte.
Der Begriff bezog sich nicht nur darauf, dass in der Hauptstadt des Burgund der gleichnamige weltberühmte Senf hergestellt wird, sondern auch auf die letztjährige Tour de France, die Reusser bereits auf der 1. Etappe hatte beenden müssen. “Die Tour war damals nicht mein Hauptziel, aber halt auch wichtig. Und die hat mit einer Lebensmittelvergiftung angefangen, wo auch Senf involviert war“, sagte die Zeitfahrweltmeisterin im Ziel zu RSN und fügte scherzend an: “Ich mochte Senf schon immer, aber seitdem habe ich ein bisschen eine Senf-Aversion entwickelt.“ ___STEADY_PAYWALL___
Daraus entstand dann das von Reusser so genannte “Projekt Dijon“, also in der Welthauptstadt des Senfs in ihrer Spezialdisziplin das Gelbe Trikot zu holen. “Das war das Projekt und dass es geklappt hat, freut mich mega.“
Marlen Reusser (Movistar) im Zeitfahren der Tour de France | Foto: Cor Vos
Dabei ging es am Ende der 21 Kilometer knapp zu. Nachdem sie am Messpunkt nach 9,7 Kilometern noch deutliche 20 Sekunden vor Like Nooijen geführt hatte, büßte Reusser in der Abfahrt Sekunde um Sekunde ihres Vorsprungs ein, um schließlich noch vier davon bis ins Ziel zu retten. Als möglichen Vorteil für die Niederländische Zeitfahrmeisterin machte Reusser deren frühere Startzeit aus. Nooijen ging mehr als eine Stunde vor der Schweizerin ins Rennen – die Fahrerinnen dieser Gruppe waren nur durch eine Minute getrennt, wogegen die späten Starterinnen jeweils zwei Minuten zwischen sich hatten.
“Ich weiß nichts über ihr Zeitfahren, ich habe nichts gesehen. Ich kann mir nur vorstellen, dass, wenn man bei den Leuten mit einer Minute (Abstand) drin fährt, man viele überholen kann. Wir starten hinten mit zwei Minuten (Abstand) und haben Jury dabei“, spekulierte sie, um dann aber keine Zweifel an Noojens Klasse zuzulassen. “Ich weiß nicht, ob das der Grund war - kann sein, dass sie wirklich so gut fuhr, das ist gut möglich, sie ist eine sehr gute Zeitfahrerin.“
Der Blick richtet sich nun auf den Ventoux
Gleiches gilt für Nooijens Landsfrau Demi Vollering (FDJ United – Suez), der Reusser im Zeitfahren 18 Sekunden abnahm. Die Toursiegerin von 2023 liegt als neue Gesamtzweite aber nur 14 Sekunden hinter dem Gelben Trikot und dürfte an den nächsten Tagen zum Angriff blasen. “Wenn mich niemand in diesem Gelben Trikot attackieren würde, das wäre schon ein bisschen schräg“, lachte Reusser mit Blick auf die nun anstehenden bergigen Teilstücke mit der Ventoux-Etappe am Freitag als Höhepunkt.
Demi Vollering (FDJ United – Suez) sitzt der neuen Trägerin des Gelben Trikots im Nacken. | Foto: Cor Vos
“Bis jetzt habe ich mich nicht schlecht gefühlt, es gibt einen riesigen Berg, alles ist möglich. Ich mag diese Art von Anstiege“, zeigte Reusser sich zuversichtlich mit Blick auf den “Riesen der Provence“ Ich hoffe einfach, dass ich an diesem Tag gute Beine habe“, sagte sie. Doch auch die Schlussetappe der Tour wird es rund um Nizza mit vier Passagen über den Col d’Eze nochmals in sich haben. “Die Tour ist erst am Ende zu Ende“, sagte Reusser mit einem Lachen und fügte an: “In Nizza immer noch oder dann wieder in Gelb zu sein, das wäre natürlich sehr, sehr schön.“
Aldag kündigt Attacken an: “Wir wollen die Tour gewinnen“
Das dürfte nicht nur angesichts der knappen Abstände und der starken Konkurrenz schwer genug werden. Rolf Aldag machte nach dem Zeitfahren in der ARD Reussers Team als Schwachpunkt aus. “Das ganz große Problem ist, dass Marlen Reusser eigentlich keine Mannschaft hat und das weiß jetzt jeder. Da waren vier beim Zeitfahren unter den ersten 20 gestartet, das heißt die sind ganz weit hinten im Klassement“, sagte der Sportliche Leiter von Canyon – SRAM – We Femmes, das mit Kasia Niewiadoma (6.) und Antonia Niedermaier (8.) gleich zwei Fahrerinnen in den Top Ten der Gesamtwertung hat.
“Für Marlen wird es sehr, sehr schwer, das Rennen zu kontrollieren, was viele Chancen für andere eröffnet“, so Aldag, der gleich auch eine Kampfansage an die Frau im Gelben Trikot hinterher schickte: “Wir wollen die Tour gewinnen.“