KI entwirft erstmals funktionsfähige Viren

Revolution oder Risiko KI entwirft erstmals funktionsfähige Viren 14.08.2026, 06:38 Teilen ...

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KI entwirft erstmals funktionsfähige Viren

Revolution oder Risiko KI entwirft erstmals funktionsfähige Viren

14.08.2026, 06:38

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Zwei KI-Modelle konnten anhand einer enormen Menge an DNA-Daten die Regeln erlernen, nach welchen unser Erbgut geschrieben ist. Zumindest so weit, dass sie 16 Bauanleitungen für funktionsfähige Viren vorschlagen konnten. Ein wichtiger Schritt für die Wissenschaft, der aber auch Bedenken weckt, dass solche Genomic Language Models missbräuchlich benutzt werden könnten. SRF-Wissenschaftsredaktorin Cathrin Caprez ordnet ein.

Cathrin Caprez

Wissenschaftsredaktorin

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Cathrin Caprez ist Wissenschaftsredaktorin bei Radio SRF. Sie hat Chemie studiert und danach einige Jahre als Umweltchemikerin gearbeitet, bevor sie Journalistin wurde. Sie interessiert sich für fast alles – je genauer messbar, desto besser.

Was genau macht dieses Experiment so aussergewöhnlich?

Die Art und Weise, wie unser Erbgut geschrieben ist, folgt bestimmten Regeln – manche davon kennt die Forschung, viele dieser Regeln sind aber noch nicht geklärt. Die beiden KI’s in diesem Experiment konnten diese DNA-Grammatik offenbar besser lernen und anwenden, um neue Bauanleitungen für Viren zu entwerfen. Forschende arbeiten seit vielen Jahrzehnten an Viren und wie es möglich ist, sie für verschiedenste Zwecke einzusetzen. Dabei könnte ihnen dieser neue KI-basierte Ansatz einen wichtigen Schritt weiterhelfen.

Für welche Zwecke sollen solche massgeschneiderten Viren denn eingesetzt werden?

Die Forschenden haben die Hoffnung, dass sie mit Hilfe dieser Technik besonders potente Phagen bauen können. Phagen sind Viren, die Bakterien befallen und töten können, welche bei Menschen gefährliche Infektionen verursachen. Die Therapie mit solchen Phagen gilt als wichtiger Ansatz, um antibiotika-resistente Bakterien zu bekämpfen. Viren dienen auch als Transportvehikel, um bestimmte DNA-Abschnitte in Zellen zu schmuggeln, so dass dort beispielsweise ein wichtiges Protein gebaut werden kann. Diesen Ansatz verfolgen Forschende, um beispielsweise Therapien für genetisch bedingte Krankheiten zu entwickeln.

Illustration von Bakteriophagen, die ein Bakterium angreifen.
Legende:

Bakteriophagen sind Viren, die gezielt die Zellen von Bakterien befallen und diese zum Platzen bringen.

Getty Images/Katernia Kon

Könnte diese neue Technik auch verwendet werden, um gefährliche Viren zu entwerfen?

Das könnte sie, darauf weisen die Verfasser der aktuellen Studie explizit hin. So stellten sie der KI absichtlich keine Informationen über Viren zur Verfügung, die Menschen, andere Tiere oder Pflanzen infizieren können – damit das Sprachmodell solche Anleitungen möglichst gar nicht erst lernt. Unabhängige Forschende warnen, dass die aktuell geltenden Regeln für den Einsatz von KI nicht ausreichen würden.

Welche Möglichkeiten gäbe es, KI in der Forschung zu regulieren?

Es gibt bereits verschiedene Regulierungen, die verhindern sollen, dass neue gefährliche Viren entworfen werden. Diese wurden teils nach der Corona-Pandemie auch aktualisiert. In der EU ist eine neue Richtlinie in Ausarbeitung. Jedoch müssen diese Vorschriften noch so ausgebaut werden, dass sie auch den Einsatz von KI enger mit einbinden. Mittlerweile gibt es in den USA Bestrebungen, dass die Regierung mehr Kontrolle über besonders leistungsfähige KI-Modelle ausübt. Eine Möglichkeit besteht darin, dass KI-Unternehmen den vollen Zugang zu den für die Forschung relevanten KI-Modelle regulieren, also die KI beispielsweise nur ausgewählten Forschungsgruppen zur Verfügung stellen, deren Forschungsvorhaben sie kennen.

In den Bereichen wie Chemie oder Biologie gibt es ausserdem die Möglichkeit, bei der Umsetzung eines KI-Resultates im Labor anzusetzen. So stehen die Lieferanten wichtiger Reagenzien wie zum Beispiel künstlichen DNA-Bausteinen unter strenger Kontrolle.

Echo der Zeit, 13.8.2026, 18:00 Uhr