Rohstoffe aus der Tiefe: Chancen und Risiken des Bergbaus im Meer
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Rohstoffe aus der Tiefe Tiefseebergbau: Warum der Streit um den Meeresboden weitergeht
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Die internationale Gemeinschaft kommt beim Tiefseebergbau nicht vorwärts. An einer Konferenz mit mehr als 170 Staaten konnten sich die Teilnehmer erneut nicht auf verbindliche Regeln für den Abbau von Rohstoffen am Meeresboden einigen. Gleichzeitig wächst die Unterstützung für eine vorsorgliche Pause. Warum der Streit um den Abbau so gross ist, erklärt SRF-Wissenschaftsredaktorin Cathrin Caprez.
Cathrin Caprez
Wissenschaftsredaktorin
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Cathrin Caprez ist Wissenschaftsredaktorin bei Radio SRF. Sie hat Chemie studiert und danach einige Jahre als Umweltchemikerin gearbeitet, bevor sie Journalistin wurde. Sie interessiert sich für fast alles – je genauer messbar, desto besser.
Was wurde an der Tiefseebergbau-Konferenz beschlossen?
An der Konferenz sollten Regeln für den Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee weiter ausgearbeitet werden. Ein verbindliches Regelwerk ist aber erneut nicht zustande gekommen. Gleichzeitig ist die Unterstützung für ein Moratorium gewachsen, also für eine vorsorgliche Pause beim kommerziellen Tiefseebergbau. Das ist aus Sicht von Umweltschützern und Forschenden ein wichtiger Schritt. Neu dürfen aber auch Unternehmen, die an einem Abbau interessiert sind, als Beobachter an diesen jährlichen Konferenzen teilnehmen. Diese Nähe zwischen Industrie und Behörden wird kritisiert.
Verwalterin des «gemeinsamen Erbes der Menschheit»
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Die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA) mit Sitz in Jamaika hat den Auftrag, Bodenschätze aus der Tiefsee als «gemeinsames Erbe der Menschheit» zu verwalten. Die ISA wurde 1994 durch das Seerechtsübereinkommen der UNO gegründet. Abgesandte aus den 171 Unterzeichnerstaaten und der EU treffen sich jährlich, um verbindliche Regeln für den Bergbau in der Tiefsee in internationalen Gewässern zu erarbeiten. Dieser Auftrag macht die ISA zu einer kleinen Behörde mit einem riesigen Zuständigkeitsgebiet: Die internationalen Gewässer umfassen mehr als die Hälfte der weltweiten Meeresoberfläche.
Aktuelle Generalsekretärin ist die brasilianische Ozeanografin Leticia Reis de Carvalho.
Warum ist der Tiefseebergbau umstritten?
Die Folgen eines Abbaus sind schwer abzuschätzen. Die Menschheit riskiert, das sensible Ökosystem Tiefsee nachhaltig zu beschädigen. Das sagen Umweltschutzverbände, die Forschung, aber auch zivilgesellschaftliche Organisationen. Ihnen angeschlossen haben sich grosse Unternehmen wie BMW, Google, Volvo oder Samsung, die sich bereits verpflichtet haben, keine Metalle aus der Tiefsee zu verarbeiten. Nebst der Gefährdung des Ökosystems befürchten Forschende auch, dass grosse Mengen Kohlenstoff, der im Meeresboden eingelagert ist, durch den Tiefseebergbau in die Atmosphäre gelangen und das Klima aufheizen könnten.
Welche Rohstoffe liegen in der Tiefsee?
Besonders im Fokus stehen sogenannte Manganknollen: metallhaltige Klumpen, die verstreut am tiefen Meeresboden liegen und unter anderem Mangan, Kupfer, Nickel, Kobalt und seltene Erden enthalten. Diese Metalle werden für Batterien, Solarpanels, Smartphones, medizinische Geräte und auch für militärische Anwendungen benötigt.
Wo soll Tiefseebergbau stattfinden?
Ein wichtiges Gebiet liegt im Pazifik zwischen Hawaii und dem US-Festland. Dort geht es um internationale Gewässer, für die ein gemeinsames Regelwerk nötig wäre, damit sich kein einzelner Staat allein an diesen Gewässern bereichern kann. Einzelne Staaten prüfen auch den Abbau in ihren eigenen Hoheitsgebieten im Meer. Norwegen stoppte 2024 entsprechende Pläne, auch wegen innerpolitischer Kritik und rechtlicher Fragen. Die USA wollen den Tiefseebergbau hingegen vorantreiben, um ihre Abhängigkeit von China bei wichtigen Rohstoffen zu verringern.
Wie wirtschaftlich ist der Tiefseebergbau überhaupt?
Das ist noch offen. Bis heute konnte kein Unternehmen überzeugend aufzeigen, wie und wo die Verarbeitung dieser Manganknollen stattfinden soll. Auch die tatsächlichen Metallgehalte der Manganknollen sind nur grob geschätzt. Zudem verändert sich die Nachfrage nach Rohstoffen schnell.
Wird Tiefseebergbau irgendwann Realität?
Die Idee ist bereits mehr als 60 Jahre alt und war immer wieder von grossen Erwartungen begleitet. Mehrmals standen ökonomisch schwache Staaten zum Schluss mit grossen Schuldenbergen da, während sich windige Unternehmer und Investoren gerade noch rechtzeitig aus dem Staub gemacht hatten. Möglich ist deshalb auch, dass nicht der Abbau selbst, sondern allein dieser Glaube an einen Schatz in der Tiefsee schon Teil des Geschäfts ist.
SRF 4 News, 5.8.2026, 16:50 Uhr ; srf/bils;lehl;liea