Romy Schneiders Tochter: Begehren, Routine und Eifersucht sind die Inspiration für Sarah Biasinis neues Buch

Sarah Biasini hat in Metz ihr neues Buch vorgestellt – charmant und mitreißend. Ihr Werk taucht tief in ein Kammerspiel über verborgene Wünsche ein. Wann es auf Deutsch erscheint – und was die Tochter von Romy Schneider über Theater, Zuschauer und Begehren sagte.

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Romy Schneiders Tochter: Begehren, Routine und Eifersucht sind die Inspiration für Sarah Biasinis neues Buch
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Romy Schneiders Tochter Begehren, Routine und Eifersucht sind die Inspiration für Sarah Biasinis neues Buch

Metz · Sarah Biasini hat in Metz ihr neues Buch vorgestellt – charmant und mitreißend. Ihr Werk taucht tief in ein Kammerspiel über verborgene Wünsche ein. Wann es auf Deutsch erscheint – und was die Tochter von Romy Schneider über Theater, Zuschauer und Begehren sagte.

21.07.2026 , 06:58 Uhr

Schauspielerin mindestens in fünfter Generation: Sarah Biasini steht auf Frankreichs Bühnen und hat ein neues Buch geschrieben.

Foto: IMAGO/MAXPPP/imago stock

Im Anzug macht sich Richard auf ins Büro, wie jeden Morgen. In der Haustür fragt er seine Frau Sarah noch: „Kommt dein Liebhaber heute?“. Sie flötet nickend: „Mhm“. Begehren, Routine, Eifersucht – das ist „Der Liebhaber“. Sarah Biasini hat in dem Theaterstück die Ehefrau gespielt – und sich zu ihrem zweiten Buch inspirieren lassen. Es heißt „Jouer l’amant“ (etwa: Den Liebhaber spielen) und wird auf Deutsch erscheinen. In Metz hat Biasini das Buch vorgestellt. In der Hisler-Buchhandlung, die an der Kathedrale, können gut zwei Dutzend Gäste die Augen nicht von ihr lassen und kleben an ihren Lippen. Ein Mann ist aus Belgien angereist. Zu Beginn raunt sich ein Ehepaar zu: „Sie wirkt so natürlich. – Sie ist ihre Tochter? Ja. – Unglaublich, wie sie ihr ähnelt.“ Wer Biasini länger zuhört, wird schnell von ihrer Persönlichkeit eingenommen.

Sarah Biasini, ihre Eltern sind Romy Schneider und Daniel Biasini, lebt in Paris. Neben dem Theater hat die Schauspielerin seit einigen Jahren das Schreiben entdeckt. Ihr Debüt „Die Schönheit des Himmels“ erschien 2021 auf Deutsch. Das Buch erzählt von der Beziehung zur Mutter, von Trauer, vom Weiterleben, von ihrer Tochter. Und wurde ein Bestseller. Mit ihrem neuen Buch darf man in die Theaterwelt eintauchen. „Sarah kämpft für ihre Bedürfnisse. Ich liebe diese Figur“, sagt Biasini über ihren Part. Und man darf einmal anders über Liebe und Begehren nachdenken.

Sarah Biasini hat in Metz ihr neues Werk „Jouer l’amant“ vorgestellt – und humorvoll über die Welt des Begehrens und des Theaters geplaudert.

Foto: Sophia Schülke

„Ich erzähle, was mir während einer Vorstellung durch den Kopf geht“, erklärt Biasini im Gespräch mit Buchhändlerin Madleen Renault. „Mir ist bewusst geworden, wie sehr ich auf der Bühne innere Gedanken der Figur entwickele.“ Das besagte Stück stammt von Literaturnobelpreisträger Harold Pinter. „Immer, wenn ich nicht selbst spiele, denke ich weiter nach, über den nächsten Dialog, über Dinge, die mein Spiel bereichern können, um in meiner Rolle glaubwürdig zu sein.“ Die 48-Jährige hat die Rolle in Paris fünf Wochen lang gespielt, an der Seite von Pierre Rochefort, dem Sohn von Jean Rochefort. Geschaffen wurde die Inszenierung im Sommer 2025 beim Theaterfestival von Avignon. Es ist Theater im Theater: Hausfrau Sarah empfängt mit schönster Regelmäßigkeit ihren Liebhaber Max. Doch in den wechselnden Verkleidungen von Max entblättert sich – Ehemann Richard.

Ihr Buch „Jouer l’amant“ ist kein Tagebuch. Es reflektiert via eines psychologischen Kammerspiels verborgene Begierden und Ängste. Wenn der Ehemann auf den Liebhaber, sein Alter Ego, eifersüchtig wird, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fantasie. „Was ich an Pinters Vorgehensweise zutiefst ehrlich finde, ist die Einsicht, dass wir alle Wünsche haben und es sehr heuchlerisch wäre, zu behaupten, man hätte keine Fantasien, keine Sehnsüchte, keine Wünsche.“ Er räume weiblichen Wünschen einen großen Platz ein.

Das neue Buch von Sarah Biasini wird auch auf Deutsch erscheinen.

Foto: Éditions Stock/Sophia Schülke

Aber, man müsse das Stück ausklammern. „Sonst denkt Ihr noch: Wenn Ihr das Stück nicht gesehen habt, lohnt es sich nicht, das Buch zu kaufen. Oh, doch, doch, doch – also lasst uns aufhören, über das Stück zu reden.“ Ihr Publikum lacht mit ihr. Und sie redet doch weiter über Pinters sexrollenspielendes Ehepaar. „Das Stück hat es mir ermöglicht, Dinge in der Öffentlichkeit auszudrücken, mit Dingen zu spielen, denen ich ganz zustimme.“ Im Jubel läuft sie zu Hochform auf. „Es ist, als stünden die Planeten in einer Reihe. Lasst uns maßlos sein: Das Ganze ist großartig, ich war die beste Schauspielerin der Welt.“ Gassenbübisch im charmantesten Sinne. Und wird direkt wieder sachlich. „Die Rolle der Sarah ist die interessanteste Rolle, die ich bisher gespielt habe. Eine absolut brillante Rolle.“

Schauspieler auf der Bühne denken viel über die Zuschauer im Saal nach, sagt Biasini. „Ob Ihr euch wohl fühlt oder langweilt.“ Biasini vor Publikum wäre nicht Biasini vor Publikum, wenn sie nicht just einen draufsetzen würde: „Ob Ihr schlaft, auch ja euer Telefon ausgestellt habt, ob Sie, da hinten in der letzten Reihe, noch lange dieses Bonbon aus dem Knisterpapier auswickeln.“ Bevor der eine oder andere sich ernsthaft ertappt fühlen könnte, geht Biasini in Charme-Offensive. „Wir denken viel über euch nach, weil wir das für euch machen. Wenn Ihr nicht im Saal seid, können wir nichts tun. Wir sind für euch da und zum Glück kommt Ihr.“ Hach. Welcher Theaterfan hört das nicht gerne. Zumal von einer gefeierten Schauspielerin. Und sie wurde in der französischen Presse für ihr Pinter-Spiel hoch gelobt.

Für Theaterfans hat Biasini noch ein Bonmot. „Der Theaterregisseur Claude Régy hat einmal gesagt, Schauspieler sind nach 30 Vorstellungen gut, die ersten 30“, Biasini pausiert, „sind wir nicht gut“, und lacht. Es steht ihr gut, als Schauspielerin in fünfter Generation. Über die Mutter, das weiß jeder, über die mütterlichen Großeltern sowie über Urgroßmutter und Ururgroßvater auf der großväterlichen Linie. Sie habe eine Schauspielausbildung erhalten, bei der man eigene Lebenserfahrungen nutzen soll. „Mir wurde beigebracht, in meinen eigenen Erfahrungen nach Erlebnissen, Erinnerungen oder Empfindungen zu suchen, die dem ähneln könnten, was die Figur gerade durchlebt.“

Mit Blick auf das Ehepaar, das sie mit Pierre Rochefort in Paris gespielt hat, sagt sie: „Ich glaube, es ist schwer, vor seinem Mann oder seiner Frau man selbst zu sein, zu sagen, was einem durch den Kopf geht.“ Zu ernst lässt es Biasini nicht werden. „Wenn man sich als Klempner verkleidet oder als etwas anderes“, sagt sie leise, es kichert in den Stuhlreihen, „kann man bestimmte Botschaften vielleicht besser vermitteln.“ Wieder Gekicher. „Wir hören jetzt besser auf. Ich habe das Gefühl, dass die Klempner-Assoziation sonst noch schiefgeht.“ Und lacht schelmisch, wobei ihre fröhlich-mädchenhafte Stimme dunkler und voller klingt als beim Sprechen.

Beim Signieren nimmt sich Biasini Zeit, führt kurze Gespräche, geht auf Scherze ihrer Leser ein und treibt sie weiter, fragt nach den Namen. „Wie heißen Sie?“ Lässt sich nicht aus dem Konzept bringen. „Rose-Marie? Das gefällt mir sehr gut!“ Lächelt für gemeinsame Fotos, blättert in einem Vorstellungstagebuch mit eingeklebten Mini-Plakaten, das ihr eine Theaterliebhaberin zeigt. So oder so, redegewandt, publikumsnah und humorvoll hat sie die Menschen im Raum nicht nur unterhalten, sondern mitgerissen.

Die Rechte an dem Roman, erklärt Biasinis französischer Verleger in Paris, wurden in deutscher Sprache an den Wiener Verlag Zsolnay (Hanser Literaturverlage) abgetreten. Kurzum: Das Buch wird auf Deutsch erscheinen. 2027. Die Übersetzung sei in Arbeit, heißt es aus Wien. Wer bis dahin nicht warten kann, hat einen sehr guten Grund, sein/ihr Französisch zu polieren. Warum nicht mit der besseren Hälfte? Der Klempner ist auf Französisch übrigens „le plombier“. (oli)

Sarah Biasini: „Jouer l’amant“, éditions Stock, 192 Seiten. 19 Euro.