Ruheforst Werraland in Heleshausen verdoppelt Fläche – Sonntag freie Führung

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Ruheforst Werraland in Heleshausen verdoppelt Fläche – Sonntag freie Führung

Stand: 16.09.2026, 19:42 Uhr

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Die Wege entstehen im Wald oft von selbst, die Orientierung liefert die Technik: Alexis Prinz von Hessen präsentiert einen der neuen QR-Codes im Ruheforst Werraland bei Herleshausen.

Die Wege entstehen im Wald oft von selbst, die Orientierung liefert die Technik: Alexis Prinz von Hessen präsentiert einen der neuen QR-Codes im Ruheforst Werraland. © Emily Hartmann

Der Ruheforst Werraland bei Altefeld wächst um rund sieben Hektar. Am Sonntag führt Betreiber Alexis Prinz von Hessen Interessierte ohne Anmeldung durch den Wald.

Herleshausen – Der Ruf des Eichelhähers hallt durch die Baumkronen, scharf und unverwechselbar. Für einen Moment scheint er die Stille zu durchbrechen, und doch gehört er zu ihr. Im Ruheforst Werraland auf dem Iberg ist diese Stille nie Abwesenheit von Leben. Sie ist vielmehr das leise Zusammenspiel von Wind, Licht, Vogelstimmen und den Schritten der Menschen, die hier trauern, erinnern oder einfach nur verweilen. Während sich der Wald langsam seinem Herbst nähert, wächst er zugleich weiter. Der Ruheforst Werraland wird derzeit erweitert: Rund sieben Hektar umfasst die bestehende Fläche bislang; noch einmal etwa dieselbe Größe kommt nun hinzu. Überdies sind weitere Bereiche für die Zukunft vorgesehen (wir berichteten).

Für Alexis Prinz von Hessen, der den Ruheforst seit dessen Gründung im Jahr 2012 betreibt, ist das kein abgeschlossener Prozess. „Man ist nie fertig“, sagt er bei einem Rundgang durch das Gelände. „Der Wald entwickelt sich ständig weiter. Er wächst, verändert sich und lebt.“ Dieser Gedanke spiegelt sich auch im Konzept des Ruheforstes wider. Zwar gibt es einen vorgegebenen Hauptweg, doch viele kleinere Pfade entstehen erst mit der Zeit. Nicht am Reißbrett geplant, sondern durch die Menschen selbst. Jeder sucht seinen eigenen Weg zu „seinem“ Baum. So schreibt sich die Nutzung langsam in die Landschaft ein, ohne sie zu dominieren.

Die Linde steht sinnbildlich für den Gedanken des Ruheforstes: Aus dem Alten wächst Neues. Rund um den Baum haben sich bereits junge Nachkommen angesiedelt.

Die Linde steht sinnbildlich für den Gedanken des Ruheforstes: Aus dem Alten wächst Neues. Rund um den Baum haben sich bereits junge Nachkommen angesiedelt. © Emily Hartmann

Behutsamkeit ist überhaupt das Leitmotiv der Erweiterung. Vom Parkplatz aus zieht sich die neue Fläche über den Bereich des Andachtsplatzes den Hang hinauf. Der Platz bleibt ein Punkt der Orientierung, ein Ort für Zeremonien und stille Gedanken. Zwischen jüngeren und alten Bäumen entsteht dabei ein bewusstes Gleichgewicht. Abgängige Bäume werden entnommen, Verjüngung bleibt stehen. Zukunftsbäume werden ausgewählt und besonders geschützt. „Es ist ein Zusammenspiel von Mensch und Natur“, sagt von Hessen. Kaum ausgesprochen, meldet sich erneut ein Eichelhäher aus den Kronen. Als wolle er Zustimmung geben.

Die Erweiterungsfläche zeigt eindrucksvoll, welche Vielfalt hier wächst: Dominierend sind Buchen und Ahorn. Besonders ins Auge fällt eine etwa 70 Jahre alte Linde. Ihre herzförmigen Blätter rauschen sanft im Wind. Rund um sie haben sich bereits junge Ableger entwickelt, als hätte der Baum seine Nachkommen selbst um sich versammelt. Daneben wachsen Eiben, jene sagenumwobenen Bäume, die seit Jahrhunderten als Sinnbild für Beständigkeit und Ewigkeit gelten. Ihr langsames Wachstum und ihre außergewöhnliche Langlebigkeit machten sie schon früh zu Symbolen des Lebens über den Tod hinaus. Nicht zufällig gab die Eibe dem Iberg einst seinen Namen: „Eibenberg“.

Am Rand des Waldes finden sich zudem Elsbeeren und Ulmen. Die Bewirtschaftung folgt dabei strengen Vorgaben: Der Wald ist PEFC-zertifiziert. Das bedeutet unter anderem, dass standortfremde Ziergehölze keinen Platz haben. „Sie gehören einfach nicht hierher“, sagt von Hessen. Stattdessen setzt man auf natürliche Waldentwicklung und heimische Arten. Auch scheinbar liegen gebliebenes Holz erfüllt dabei seinen Zweck. Kronenholz wird bewusst aufgeschichtet und verbleibt im Wald. Was auf den ersten Blick unordentlich wirken mag, schafft Lebensräume für Insekten, Kleinsäuger, Pilze und Mikroorganismen. Nichts wird vorschnell entfernt, vieles bleibt Teil eines größeren Kreislaufs.

Mit der Erweiterung wächst nicht nur die Fläche, sondern auch die Orientierungsmöglichkeit. Neue Informationstafeln weisen den Weg. Darauf verzeichnet sind die Standorte der einzelnen Biotope. Über QR-Codes können Besucher die Lage ihres Baumes außerdem direkt per Smartphone abrufen und sich dorthin navigieren lassen.

Gleichzeitig bleibt der persönliche Kontakt wichtig. Zwar werde die Arbeit mit Social Media zunehmend bedeutender, berichtet von Hessen – wer Fragen habe, suche oft nach wie vor das direkte Gespräch. Termin: Die Gelegenheit dazu bietet sich bereits an diesem Wochenende. Am Sonntag (20. September) beteiligt sich der Ruheforst am bundesweiten „Tag des Friedhofs“. Ab 14 Uhr führt Alexis Prinz von Hessen Interessierte durch den Wald, beantwortet Fragen und erläutert das Konzept der naturnahen Bestattung. Treffpunkt ist direkt am Ruheforst Werraland bei Altefeld. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. (Emily Hartmann)