Rund 20 Prozent weniger Strom: Windrad bei Hamberg bleibt hinter Prognosen zurück
Das Windrad Hamberg, das erste im Landkreis Ebersberg, erzeugte im Schnitt 3,0 statt der prognostizierten 3,8 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Die Betreiber wollen dazu keine Fragen beantworten.
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Stand: 05.10.2026, 19:02 Uhr
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Das Windrad Hamberg, das erste im Landkreis Ebersberg, erzeugte im Schnitt 3,0 statt der prognostizierten 3,8 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Die Betreiber wollen dazu keine Fragen beantworten.
Bruck – Die Windenergieanlage in Hamberg bei Bruck war eine Pionierleistung, die gegen enorme Widerstände bestehen musste. Das Initiatoren-Duo Hans Zäuner und Werner Stinauer absolvierte ungezählte Infoveranstaltungen und Behördengespräche, bestritt einen Gutachter-Marathon und verteidigte das Projekt gegen juristische Vorwürfe. Seit Ende 2016 dreht sich jene erste Anlage im Landkreis Ebersberg. Sie ebnete nach der Lockerung der 10-H-Abstandsregel den Weg für die zwei weiteren Anlagen bei Fürmoosen (zwischen Moosach und Bruck, in Betrieb seit Februar 2025) und Pollmoos bei Ebersberg (im Entstehen).
Nun sind der Ebersberger Zeitung Zahlen zugegangen, die nahelegen: Das Projekt Hamberg hält nur teilweise, was seine Initiatoren vor und zu Beginn vorhergesagt haben. Über die Betriebsjahre 2017 bis 2025 erzeugte die Anlage im Gesamtschnitt 3,0 Millionen Kilowattstunden (Mio. kWh) Strom. Im stärksten Betriebsjahr 2023 erzeugte das Windrad 3,7 Mio. kWh. Überdurchschnittliche Ergebnisse lieferten auch die Jahre 2017 und 2019 (je 3,4 Mio. kWh) sowie 2022 und 2024 (je 3,1 Mio. kWh). Diesen stehen die schwachen Jahre 2018, 2020, und 2021 gegenüber, in denen die Anlage 2,8 Mio., 2,9 Mio. und 2,7 Mio. kWh erzeugte. Mit 2,2 Mio. kWh war 2025 das bis dato ergebnisschwächste Betriebsjahr. Die entsprechenden Ertragsdaten konnte die Redaktion per Anfrage an die Bundesnetzagentur als korrekt verifizieren.

Damit bleibt die Anlage bei Hamberg nach neun vollen Betriebsjahren vorläufig rund 20 Prozent unter der durch die Initiatoren wiederholt öffentlich geäußerten Prognose von 3,8 Mio. kWh im Zehn-Jahres-Mittel. Diese fand in Presseartikeln nicht nur dieser Zeitung vor und zu Betriebsbeginn Erwähnung. 2020 fiel gegenüber unserer Redaktion die Angabe von 3,5 bis 4 Mio. kWh, während sich Windenergie-Unterstützer wie das eng mit dem Projekt vernetzte Energieforum Zorneding oder die kommunal getragene Energieagentur Ebersberg-München bei einer Ertragsangabe für das Hamberger Windrad von durchschnittlich 3,5 Mio. kWh bewegten.
Dass auch das zu optimistisch geschätzt war, scheint zwischenzeitlich bei der Energieagentur angekommen zu sein. Die Redaktion konnte nachvollziehen, dass im Zeitraum zwischen 2021 und 2023 ein entsprechender Online-Passus ohne weiteren Hinweis geändert wurde. Statt „pro Jahr ca. 3,5 Millionen Kilowattstunden“ steht dort nun, das Hamberger Windrad erzeuge „bis zu 3,3 Millionen Kilowattstunden im Jahr“. Man beziehe sich auf „Informationen, die die Betreiberinnen und Betreiber der Anlagen der Energieagentur zur Verfügung stellen“, so die Energieagentur.
Projektierer äußern sich nicht
Wie die ursprünglichen Ertragsprognosen zustande kamen, hätte die Ebersberger Zeitung gerne von Hans Zäuner und Werner Stinauer erfragt. Auch über die Gründe für die niedriger ausfallenden Betriebsdaten, sei es Technik oder Windaufkommen, die womöglich gar nicht dem Einfluss der Windenergie-Projektierer unterliegen, hätte die Redaktion gerne berichtet. Ebenso bleibt die Frage offen, wie sich der geringere Ertrag auf die Rentabilität und Amortisation des Projektes und die Zufriedenheit der privaten Anteilseigner auswirkt. Lediglich über Dritte ist zu erfahren, dass das Projekt sehr konservativ kalkuliert sei und deshalb den Betreibern zufolge keine finanzielle Schieflage bestehe. Der Redaktion kommunizierte Hans Zäuner lediglich telefonisch, dass man diese und künftige Anfragen der Ebersberger Zeitung nicht beantworten werde.
Ihre erste Anlage haben die Windkraft-Projektierer Zäuner und Stinauer „Osterkling“ getauft und sie mittlerweile mit „EBE 001“ nummeriert. Die nächsten beiden, in die sie teils als Planer, teils als Anteilseigner, teils über gemeinsame Firmen involviert sind, heißen „Hirtenholz“ (nahe Fürmoosen) und „Föhrenpold“ (nahe Pollmoos) und tragen die Nummern „EBE 002“ und „EBE 003“. Da es sich dem allgemeinen Konsens nach um modernere, viel größere und auf niedrigere Windgeschwindigkeiten ausgelegte Anlagentypen als in Hamberg handelt, wäre ein Schluss vom Ertrag der einen auf die anderen Anlagen unzulässig.
Ertragsprognosen gaben Zäuner und Stinauer auf Anfrage für die beiden neueren Anlagen ebenfalls nicht ab. Für die Anlage „Hirtenholz“ ist im veröffentlichten Verkaufsprospekt eine Jahresetragsprognose von rund 7,1 Mio. kWh hinterlegt. Im ersten, von technischen Schwierigkeiten geprägten Betriebsjahr 2025 waren es tatsächlich 3,9 Mio. kWh, der schrittweise Betriebsstart erfolgte aber erst im Februar. Für das im Bau befindliche „Föhrenpold“ stehen 9,1 Mio. kWh Jahresertragserwartung im Prospekt. Für die Anlage „Osterkling“ bei Hamberg liegt der Redaktion kein Verkaufsprospekt vor.