Sabine Zech ist tot: Erste Oberbürgermeisterin stimmte gegen eigene SPD

Die frühere Hammer Oberbürgermeisterin Sabine Zech ist am Samstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Am 11. Dezember 1985 rettete sie das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium – mit ihrer Stimme gegen die eigene Fraktion.

  • 4 min read
Sabine Zech ist tot: Erste Oberbürgermeisterin stimmte gegen eigene SPD

Stand: 20.07.2026, 18:21 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Alt-Oberbürgermeisterin Sabine Zech 2018 in ihrem Haus in Hamm-Süden.

Hamms erste Oberbürgermeisterin: Sabine Zech regierte die Stadt von 1984 bis 1994. Im Ruhestand lag ihr klassische Musik am Herzen. Jetzt ist sie im Alter von 85 Jahren gestorben. © Robert Szkudlarek/Digitalbild/Szkudlarek Robert

Die frühere Hammer Oberbürgermeisterin Sabine Zech ist am Samstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Am 11. Dezember 1985 rettete sie das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium – mit ihrer Stimme gegen die eigene Fraktion.

Hamm – Sabine Zech war zehn Jahre lang erste Bürgerin der Stadt – und die erste Oberbürgermeisterin überhaupt. Sie galt als couragiert und verschaffte sich durch unkonventionelle Entscheidungen Anerkennung und Respekt. Am Samstag ist Zech unerwartet im Alter von 85 Jahren gestorben.

Kommunalwahl 1989 mit Manfred Hemmer, Sabine Zech und Johannes Rau

Konnte mit mächtigen Männern umgehen: Zech 1989 mit dem Abgeordneten Manfred Hemmer (links) und Ministerpräsident Johannes Rau. © Reiner Mroß/Westfälischer Anzeiger

Zech stammte aus Berlin. Nach Hamm kam sie der Liebe wegen. Ihren Mann hatte sie in einer Berliner Bäckerei kennengelernt; sie jobbte dort neben ihrem Jurastudium als Verkäuferin, wie sie in einem WA-Gespräch vor ihrem 80. Geburtstag erzählte. Die Zechs zogen von der Spree an die Lippe, bekamen zwei Kinder und bauten ein außergewöhnlich rundes Haus im Hammer Süden. Er ließ sich als Anwalt nieder, sie ging in die Finanzverwaltung des Landes.

In die Politik stieg Sabine Zeche ein, weil sie in ihrer neuen Heimat einiges für verbesserungswürdig hielt. Dass Jungen und Mädchen im Hamm der 1960er Jahre noch getrennt unterrichtet wurden, hielt sie für ein Unding. Ihren eigenen Kindern wollte sie das nicht zumuten. 1968 trat sie in die SPD ein.

1969 als einzige Frau im Rat

Es war wohl genau der richtige Zeitpunkt: Zech zog bereits 1969 als damals einzige Frau in den Rat ein. Ihr Wahlkreis in Hamm-Süden war eigentlich konservativ. Aber Zech kümmerte sich um die Probleme im Viertel. Das kam an. Und das imponierte auch der Parteispitze. Oberbürgermeister Werner Figgen protegierte sie und baute sie schließlich zur Nachfolgerin auf. 1984 wurde sie erste Oberbürgermeisterin in der Hammer Stadtgeschichte.

Ihre Amtszeit war turbulent. 1985 erlebte sie die Feuerkatastrophe im Stadion der Partnerstadt Bradford, bei der 56 Menschen ums Leben kamen. Am Mahnmal in Hamm hat sie zu jedem Jahrestag einen Kranz niedergelegt. Aufsehen erregte auch der Diebstahl ihres Dienstwagens mitsamt Amtskette 1991 in der polnischen Partnerstadt Kalisz.

Die Rettung des „Stein“

Der Tag der Sabine Zech war aber der 11. Dezember 1985. Damals sollte das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium einer Gesamtschule weichen. In der entscheidenden Ratssitzung stimmte Zech gegen ihre eigene Fraktion und rettete damit das „Stein“. Viele Bürger zollten ihr Respekt, mit einigen Genossen hatte sie es sich aber verscherzt.

1989 wurde Zech noch im Amt bestätigt. Anfang der 1990er Jahre riefen führende Hammer Sozialdemokraten jedoch zum Sturz ihrer OB auf. Das Vertrauen sei zerstört, hieß es damals. Konkrete Vorwürfe gegen Zech erwiesen sich als haltlos. Und Teile der Basis standen loyal zu ihrer Oberbürgermeisterin. Zur Kommunalwahl 1994 trat sie zwar nicht mehr an; absetzen ließ Zech sich jedoch nicht.

Oberbürgermeisterin Sabine Zech tauft 1989 eine Boing 737-300 der Lufthansa auf den Namen "Hamm".

Mit Schmackes: Oberbürgermeisterin Sabine Zech tauft 1989 in Frankfurt am Main eine Boing 737-300 der Lufthansa auf den Namen „Hamm“. © Lufthansa

Was bleibt von Zechs Amtszeit? Sie stieß einiges in Hamm an: Gleichstellungsstelle, Woche der Brüderlichkeit, Radio Lippewelle, Klassiksommer, der Neubau des Gustav-Lübcke-Museums und die Eröffnung des Allee-Centers fallen in ihre Amtszeit. Mit der Zukunftsaktion Kohlegebiete (Zak) suchte sie Entwicklungsmöglichkeiten für das Revier.

Und sie setzte sich für ein neues OB-Modell ein. Sie selbst leitete den Rat ehrenamtlich, Chef der Verwaltung war der Oberstadtdirektor – auch bei gleichem Parteibuch eine konfliktträchtige Kombination. Zech favorisierte das süddeutsche Modell eines hauptamtlichen Stadtoberhauptes. 1999 war es so weit, allerdings nicht mehr für Zech selbst, sondern für Thomas Hunsteger-Petermann (CDU).

Kulturell und gesellschaftlich engagiert

Zech kehrte als Professorin an die Finanzhochschule in Nordkirchen zurück. 2009 ging sie in den Ruhestand. Sie engagierte sich weiter gesellschaftlich und kulturell; an der Musikschule spielte sie Bratsche. Der SPD blieb sie immer treu. Und mit ihren alten Widersachern hat sie sich versöhnt.

Wer ihr in den vergangenen Jahren begegnete, traf eine Frau, die ihre Meinung ebenso freundlich wie bestimmt formulieren konnte.

Sabine Zech hinterlässt ihren Mann, zwei erwachsene Kinder und Enkel.