Sabotage an Stromleitungen: Polizei stürmt Fahrzeug, Sabotage-Verdächtiger auf der Flucht
Ein Mann hat sich zu den Angriffen auf die Stromversorgung bekannt. Die Polizei hat sein Auto gestürmt, der Mann ist auf freiem Fuß. Laut Reul werde er nicht weit kommen. Qu...
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Ein Mann hat sich zu den Angriffen auf die Stromversorgung bekannt. Die Polizei hat sein Auto gestürmt, der Mann ist auf freiem Fuß. Laut Reul werde er nicht weit kommen.
Quelle: DIE ZEIT, dpa, epd, AFP, Reuters,
edd
Aktualisiert am 4. September 2026, 19:42 Uhr
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295 KommentareDie Polizei hat laut NRW-Innenminister Herbert Reul das Fahrzeug des Mannes gestürmt, der mehrerer Sabotageaktionen gegen die deutsche Stromversorgung verdächtigt wird. Der Zugriff sei in Niederzier bei Düren in Nordrhein-Westfalen erfolgt, sagte der CDU‑Politiker. Jetzt sei der 48-jährige Mann vermutlich zu Fuß unterwegs. Laut Reul gibt es keine weiteren Indizien, dass der Verdächtige besonders gefährlich sei. Zuvor hatte Bild über den Zugriff berichtet.
Das Fahrzeug des Verdächtigen habe im Wald gestanden, sagte der Leiter der Staatsschutz-Abteilung im nordrhein-westfälischen Innenministerium, Markus Gemünd. Ein Spezialeinsatzkommando habe es gestürmt. Der Mann habe sich aber nicht in dem Wagen befunden. Jetzt werde das Fahrzeug auf Spuren durchsucht. Der Mann werde nicht weit kommen, sagte Reul weiter.
Nach Recherchen der ZEIT gibt es mehrere Indizien, die darauf hinweisen, dass der Verdächtige tatsächlich für die Anschlagsserie auf die Umspannwerke verantwortlich sein könnte. Der Mann namens Daniel V. war nach ZEIT-Informationen in der Vergangenheit nie mit Extremismus oder politischen Äußerungen aufgefallen. Er studierte Medizin, arbeitete jedoch schon seit Langem nicht mehr als Arzt. Vor etwa einem Jahr habe er Kontakt zu mehreren Angehörigen abgebrochen.
Sprengstofffunde in Wohnung des Mannes
Während einer Pressekonferenz hatte Reul zuvor gesagt, in der Wohnung des Mannes in Gevelsberg sei Sprengstoff gefunden worden. Es habe sich um die Stoffe Kaliumnitrat und Kaliumperchlorat gehandelt, hieß es später ergänzend.
Der Mann soll mehrere Bekennerschreiben zu den Sabotageversuchen verfasst haben. Darin habe er sich zum Kampf gegen fossile Energieträger bekannt. »Nach aktuellem Stand muss man von Klimaextremismus ausgehen«, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) auf derselben Pressekonferenz. Eine abschließende Beurteilung sei aktuell jedoch noch nicht möglich.
Detailliertes Täterwissen in Schreiben
»Wir prüfen, ob der Verfasser tatsächlich mit den Taten zu tun hat«, sagte auch Reul. Stand jetzt bewerte man die Briefe als authentisch. Das Schreiben mit Namen und Adresse des Mannes enthalte detailliertes Täterwissen zu den Sabotageakten. Die Familie des Verdächtigen bestätigte gegenüber der ZEIT, dass es sich um die Handschrift von Daniel V. handle. Reul sagte aber auch: »Wenn jemand seinen Namen druntersetzt, ist er nicht zwingend der Verantwortliche.«
Neben einem möglichen linksextremistischen Hintergrund werde weiter auch eine mögliche »fremdstaatlich gesteuerte Sabotage« nicht ausgeschlossen. Man prüfe, ob der Verdächtige allein gehandelt habe und ob es Verbindungen zu ähnlichen Vorfällen in Brandenburg gebe.
Mehrere Gefährdungslagen für Deutschland
Unbekannte hatten am Dienstag Sabotageakte gegen Umspannwerke in Bergheim bei Köln und im brandenburgischen Jänschwalde verübt. Offenbar wurden feuerwerksähnliche Raketen mit leitfähigem Material über Höchstspannungsleitungen gelenkt, sodass es zu Kurz- beziehungsweise Erdschlüssen kam. Am Donnerstag fand die Polizei in NRW in Dormagen und in Weisweiler weitere Abschussvorrichtungen.
Nach Dobrindts Worten hat Deutschland aktuell »mit unterschiedlichen Bedrohungs- und Gefährdungslagen gleichzeitig« zu tun. Dazu gehörten Sabotage, Spionage, Cyberangriffe, verdeckte Aktionen, Extremismus und Staatsterrorismus. »Wir schützen uns zunehmend auch gegenüber all diesen Bedrohungslagen«, sagte der CSU-Politiker.
Polizeieinsatz in Sachsen
In Sachsen ist es an diesem Freitag zu einem Polizeieinsatz gekommen, bei dem es laut einem Medienbericht um einen weiteren mutmaßlichen Sabotage-Vorfall gehen soll. Die Polizeidirektion Görlitz bestätigte einen laufenden Polizeieinsatz. Nähere Details wurden »aus ermittlungstaktischen Gründen« zunächst nicht genannt. Die Beamten seien nördlich von Bautzen im Einsatz, hieß es lediglich.
Die Bild-Zeitung berichtete, dass bei zwei Umspannwerken Spreng- und Brandvorrichtungen gefunden worden seien. Die Anschlagsziele sollen laut dem Bericht an der Grenze zu Brandenburg liegen, wo die Firma LEAG Braunkohle fördert und in den Kraftwerken Jänschwalde und Boxberg in Sachsen verstromt.