Bis zu 25.000 Nordkoreaner bauen Russlands Drohnen – unter „sklavereiähnlichen“ Bedingungen
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Schein-Studenten bauen Putins Killer-Drohnen: Nordkorea schleust Tausende Arbeiter nach Russland
Stand: 25.09.2026, 18:35 Uhr
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Nordkoreanische Arbeiter montieren in Russland Kampfdrohnen – als Schein-Studenten getarnt, unter totaler Kontrolle Pjöngjangs.
Moskau/Pjöngjang – Laut einem Bericht (Quelle auf Englisch) der multilateralen Sanktionsüberwachungsgruppe des UN-Sicherheitsrats (MSMT) hielten sich bereits Ende 2025 in Russland zwischen 15.000 und 30.000 nordkoreanische Arbeitskräfte auf. Bis zu 1.000 von ihnen arbeiteten in strategisch wichtigen Betrieben wie Rüstungsfabriken, Stahlwerken und Werften.
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Dieser Artikel von Ankar Kir & Serhiy Dubyna entstand in Kooperation mit Euronews
Das ukrainische Portal „Ukraïnska Prawda“ bestätigt (Quelle auf Russisch) ebenfalls, dass bis zu 25.000 nordkoreanische Bürger in der Sonderwirtschaftszone „Alabuga“ in Tatarstan Drohnen montieren. Dort entstehen russische Varianten der iranischen „Shahed“-Drohnen („Gerań‑2“).

„Radio Swoboda“ meldet (Quelle auf Russisch) ähnliche Zahlen und ergänzt, dass nordkoreanische Staatsbürger offiziell als „Studienten“ registriert werden. So umgehen Moskau und Pjöngjang offenbar die UN-Sanktionen, die seit 2017 den Einsatz nordkoreanischer Arbeitskräfte im Ausland untersagen. Russland stellte 2025 mehr als 36.400 Visa für Nordkoreaner aus, davon 35.800 Studentenvisa.
Nordkoreaner im ganzen Land verteilt
Nordkoreanische Arbeitskräfte sind heute über ganz Russland verteilt: von den traditionellen Einsatzgebieten im Fernen Osten – Wladiwostok, Chabarowsk und Sachalin – bis zu neuen Standorten wie Moskau, Sankt Petersburg und Irkutsk. Sie werden vor allem in Branchen eingesetzt, die als besonders arbeitsintensiv gelten und in denen russische Unternehmen kaum ausreichend einheimisches Personal finden.
Zum wichtigsten Zentrum ihrer Beschäftigung entwickelte sich die Republik Tatarstan an der Wolga, vor allem die Sonderwirtschaftszone „Alabuga“. In den meisten Recherchen gilt sie als einer der Hauptstandorte für die Montage von Kampfdrohnen, die für Russlands Krieg gegen die Ukraine von zentraler Bedeutung geworden sind.
Dort arbeiten nach Angaben der US-finanzierten, russischsprachigen Medien Current Time und Radio Swoboda nordkoreanische Arbeitskräfte an den Montagebändern. Die dort produzierten Drohnen setzte Russland für Angriffe auf ukrainische Städte und Infrastruktur ein, häufig in Kombination mit Raketenangriffen, um die Luftabwehr der Ukraine zu überfordern.
Schein-Studenten als Hebel zur Sanktionsumgehung
Obwohl die Sanktionen des UN-Sicherheitsrats seit 2017 den Export nordkoreanischer Arbeitskräfte verbieten, haben Russland und die DVRK laut MSMT-Bericht ein ganzes System zur Umgehung dieser Auflagen aufgebaut. Dieses System stützt sich vor allem auf die großflächige Vergabe irreführender Visa und die Kooperation staatlicher Stellen beider Länder.
Nordkoreaner erhalten massenhaft Studenten- und Touristenvisa. So verschleiern die Behörden ihren tatsächlichen Status und legalisieren ihre Arbeit in russischen Betrieben. Nach Recherchen wurde dafür sogar russisches Recht angepasst, um rechtliche Schlupflöcher zu schaffen, mit denen „Studenten“ offiziell Einkommen erzielen können, obwohl sie kaum oder gar nicht an Lehrveranstaltungen teilnehmen.
Der Bericht beschreibt zudem Fälle, in denen russische Universitäten gegen Bestechungsgelder Schein-Studienplätze anboten. Vermittler aus Drittstaaten, darunter Belarus, organisierten Einreise und Verteilung der Arbeitskräfte und fungierten als Schnittstelle zwischen nordkoreanischen Behörden, russischen Unternehmen und Bildungseinrichtungen.
All das zeigt den systematischen Charakter des Modells: Pjöngjang nimmt so offenbar Millionen Dollar ein, während Russland damit den Arbeitskräftemangel in strategischen Branchen ausgleicht. Beide Seiten profitieren wirtschaftlich und militärisch, während die betroffenen Arbeiter selbst kaum von ihrer Arbeit in Russland profitieren.
Strenge Kontrolle und „sklavereiähnliche“ Zustände
Die Arbeitsbedingungen nordkoreanischer Beschäftigter in Russland bleiben laut MSMT extrem hart und vollständig vom Regime in Pjöngjang kontrolliert. Ihr durchschnittliches Jahreseinkommen liegt bei rund 7.500 Dollar, doch Nordkorea zieht dem Bericht nach den Großteil dieser Summe ein, indem es Zwangsabgaben und Gebühren erhebt, die direkt an staatliche Stellen fließen.
Der Bericht schätzt, dass allein 2025 bis zu 800 Millionen Dollar aus der Arbeit nordkoreanischer Bürger im Ausland an das Regime flossen. Dieses Geld dient demnach vor allem der Finanzierung des Atom- und Raketenprogramms, aber auch der Sicherung der Herrschaft von Kim Jong Un und der loyalen Eliten rund um die Partei- und Militärführung.
Die Arbeiter leben faktisch unter Dauerüberwachung durch nordkoreanische Sicherheitsdienste. Ihre Bewegungsfreiheit ist stark eingeschränkt, Kontakte zu russischen Bürgern sind untersagt, und Verstöße können nach Angaben von Menschenrechtsgruppen zu Repressionen gegen die Betroffenen oder ihre Familien in Nordkorea führen.
Sie wohnen in abgeschotteten Wohnheimen, zu denen Außenstehende keinen Zugang haben. Menschenrechtsorganisationen sprechen von „sklavereiähnlichen“ Bedingungen und verweisen auf fehlende Freiheit, Isolation und totale Abhängigkeit der Menschen vom Regime. Radio Swoboda (RFERL) und Current Time berichten (Quelle auf Russisch) übereinstimmend über ein systematisches Ausmaß der Ausbeutung nordkoreanischer Arbeitskräfte in russischen Betrieben.
Nordkoreas Kriegsunterstützung für Moskau
Im Oktober 2024 meldeten die Geheimdienste Südkoreas, der USA und der Ukraine übereinstimmend, dass Nordkorea Tausende Soldaten nach Russland entsende. Auf dem BRICS-Gipfel im selben Monat räumte Russlands Präsident Wladimir Putin ihre Präsenz ein, nannte aber keinen konkreten Auftrag und versuchte, die Bedeutung des Einsatzes herunterzuspielen.
Russische Militärs bestätigten später, dass nordkoreanische Einheiten beim Abwehrkampf gegen den erfolgreichen ukrainischen Vorstoß in der Oblast Kursk eingesetzt werden. Diese Offensive begann im August 2024 und brachte ukrainischen Truppen zeitweise Geländegewinne, die Russland mit zusätzlichen Kräften wieder rückgängig machen wollte.
Das Regime von Kim Jong Un baute anschließend umfangreiche Waffenlieferungen an Russland auf: Artilleriegranaten, ballistische Raketen, Schusswaffen und weitere Munition. Auch nordkoreanische Militärausbilder wurden entsendet, um russische Truppen sowie verbündete Kontingente im Umgang mit den gelieferten Systemen zu schulen.
Die Einnahmen soll Pjöngjang in den Kauf moderner Waffen, in umfangreiche Wohn- und Industrieprojekte und nach Einschätzung von Experten in die Weiterentwicklung seines Atomprogramms investieren. Beobachter halten es für möglich, dass Moskau diese Bestrebungen mit technischem Know-how unterstützt und im Gegenzug von Nordkoreas Erfahrung im Raketenbau profitiert.
Russlands Bedarf an billigen Arbeitskräften
Russland leidet wegen des Kriegs gegen die Ukraine und der Mobilisierung unter einem akuten Arbeitskräftemangel. Nordkoreaner sollen Lücken in der Rüstungsindustrie schließen, besonders in der Drohnenproduktion, in der viele gering bezahlte Arbeitskräfte gebraucht werden, um eine hohe Stückzahl an Systemen möglichst schnell auf die Produktionslinien zu bringen.
Die Deutsche Welle berichtet (Quelle auf Russisch), dass sich die Zusammenarbeit zwischen Moskau und Pjöngjang nach dem Besuch von Kim Jong Un in Russland deutlich intensiviert habe. Damals vereinbarten beide Seiten, die militärische und industrielle Kooperation auszuweiten, wozu auch der verstärkte Einsatz nordkoreanischer Arbeitskräfte in sensiblen russischen Industriebetrieben zählt.
Wachsende internationale Kritik
Der Einsatz nordkoreanischer Arbeitskräfte in russischen Rüstungsbetrieben ruft international Kritik hervor. Vor allem westliche Staaten und Verbündete der Ukraine sehen darin eine gezielte Aushöhlung des UN-Sanktionsregimes, das eigentlich Nordkoreas Einnahmequellen für sein Atomprogramm beschränken soll.
Die USA, Südkorea und Japan werten dies als Verstoß gegen UN-Sanktionen. Menschenrechtsorganisationen verweisen auf massive Ausbeutung und die indirekte Finanzierung des nordkoreanischen Atomprogramms, das seit Jahren im Zentrum internationaler Sicherheitsdebatten steht.
Experten warnen, dass die Kooperation das militärische Potenzial beider Staaten stärkt. Sie befürchten, dass sich so eine Art „Sanktionsallianz“ herausbildet, in der autoritär regierte Länder ihre jeweiligen Beschränkungen gegenseitig ausgleichen und internationale Vereinbarungen systematisch unterlaufen.
Folgen für den Krieg in der Ukraine
Russland setzt täglich Hunderte Drohnen gegen Ziele in der Ukraine ein. Moskau setzt dabei zunehmend auf die Massenproduktion günstiger unbemannter Fluggeräte, die in Schwärmen die ukrainische Luftabwehr überlasten sollen und dabei sowohl militärische als auch zivile Objekte treffen.
Gleichzeitig weitet Russland den Einsatz schnellerer Drohnen mit höherer Reichweite und Schlagkraft aus, deren Bekämpfung besonders schwierig ist. Diese Systeme können tiefer in das ukrainische Hinterland vordringen und wichtige Energie- oder Logistikzentren bedrohen.
Die großangelegte Drohnenproduktion, an der nordkoreanische Arbeitskräfte beteiligt sein sollen, erhöht direkt die Intensität dieser Angriffe. Sie verschafft Russland die Möglichkeit, Verluste schnell zu ersetzen und den Druck auf die ukrainische Luftverteidigung aufrechtzuerhalten, was den Verlauf des Kriegs weiter zu Ungunsten Kyjiws beeinflussen könnte.