Schießevent samt Polizisten mit Puppe mit Rendi-Wagners Gesicht

Parcours mit sexualisierter Darstellung der Ex-SPÖ-Chefin lockte Hobbyschützen und Exekutivbeamte nach Kennelbach (Bezirk Bregenz). ÖVP-Landesrat und Ex-Landespolizeichef als Ehrenschutz

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Schießevent samt Polizisten mit Puppe mit Rendi-Wagners Gesicht

Vorarlberg

Parcours mit sexualisierter Darstellung der Ex-SPÖ-Chefin lockte Hobbyschützen und Exekutivbeamte nach Kennelbach (Bezirk Bregenz). ÖVP-Landesrat und Ex-Landespolizeichef als Ehrenschutz

14. Oktober 2026, 13:29

Es ist ein zwielichtig aussehender Gewölbekeller mit einer Couch und einem Couchtisch. Die Hobby-Ausstatter haben eine männliche Puppe in schwarzer Hose und weißem Hemd auf die Couch gesetzt, die eine Heinz-Christian Strache-Maske als Gesicht trägt. Auf dem Schoß des Strache-Dummys sitzt eine spärlich bekleidete Frau im Lack-Body und einem Sex-Spielzeug in der Hand. Auf ihren Kopf wurde das Gesicht der ehemaligen SPÖ-Bundesvorsitzenden Pamela Rendi-Wagner geklebt.

Zielscheibe mit der Silhouette einer Person, auf die mehrere Treffer abgegeben wurden. Die Trefferpunkte sind auf verschiedene Bereiche der Figur verteilt, insbesondere im Torso- und Arm-Bereich. Oben und unten auf dem Blatt sind QR-Codes sichtbar.
So nüchtern wie diese Zielscheiben sahen jene im "Erlebnis-Parcours" der Voralrberger Schießfans nicht aus.

Wir befinden uns mitten im sogenannten "Überraschungsparcours" des 16. Internationalen Verteidigungsschießen in der Vorarlberger Gemeinde Kennelbach. Schon 2023, unmittelbar nach dem Event schrieb die deutsche Fachzeitschrift für Schusswaffen Caliber über mehrere Seiten in begeistertem Ton über die alle drei Jahre im deutschsprachigen Raum stattfindende Veranstaltung. Über 200 Teilnehmer aus Österreich, der Schweiz, Deutschland und Luxemburg nahmen an dem Bewerb unter dem Motto "Ibiza, wie es wirklich war" teil – neben Hobbyschützen zahlreiche Polizeibeamte und Bundesheerangehörige, wie Ergebnislisten zeigen.

Zielscheibe

Anders als etwa ein schwarzer Mann im violettfarbenen Hoodie aus Pappe waren die Attrappen von Strache und Rendi-Wagner keine Zielscheiben im Parcours. Eine reichhaltige Bebilderung des Areals gab es in besagter Fachzeitschrift, die ihren Artikel sogar mit einem halbseitigen Foto der Couch-Szene illustrierte. Doch abseits von einem Fachpublikum bekam damals niemand die Veranstaltung und die sexistische und erniedrigende Aufmachung mit. Erst jetzt, drei Jahre später, berichtete zuerst die Krone darüber und verbreitete das entwürdigende Foto der Ex-Politikerin gleich mit. DER STANDARD sieht bewusst von einer Veröffentlichung des Bildes ab.

Erst Ende September gab es eine Debatte der Grünen im EU-Parlament über den grassierenden Missbrauch von Bildern von Frauen durch sexualisierten Deepfakes im Internet. Betroffen sind neben prominenten Frauen aus Kultur und Sport auch besonders oft Politikerinnen. Bei der Puppe mit Rendi-Wagner-Maske handelt es sich nicht um ein virtuelles Deepfake, sondern ein oberflächliches analoges Fake – ein Angriff auf die Würde der Politikerin ist sie dennoch.

"Ehrloser" Ehrenschutz

Laut dem Fachmagazin Caliber wurden unter den Teilnehmern 138 dem internationalen Korps "Polizei" zugeordnet, davon 51 aus Österreich. Der gesamte Caliber-Artikel wurde als PDF auch auf der Seite Landespolizeisportvereins Oberösterreich veröffentlicht. Dort gab es auch eine Ergebnisliste mit den Namen von teilnehmenden.

Die SPÖ-Landtagsabgeordnete Manuela Auer wies in einer Aussendung am Mittwoch darauf hin, dass als Ehrenschutz des "ehrlosen Schießevent" der Landesrat für Sicherheit Christian Gantner (ÖVP) und der damalige Landespolizeidirektor von Vorarlberg, Hans-Peter Ludescher fungierten. In einer Anfrage an die Vorarlberger Regierung will Auer nun auch wissen, welch organisatorische und finanzielle Unterstützung es für den Event vom Land gab.

Die Grünen-Abgeordneten Nina Tomaselli und Meri Disoski brachten am Mittwoch eine parlamentarische Anfrage bei Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) ein, in der sie unter anderem fragen: "Welche Konsequenzen zieht Innenminister Karner aus der entwürdigenden Darstellung von Pamela Rendi-Wagner?"

"Besonders befremdlich ist, dass auf der aktiven Homepage des Landespolizeisportvereins Oberösterreich auch ein Bericht veröffentlicht wird, dessen Aufmacherfoto ausgerechnet die entwürdigende Darstellung von Pamela Rendi-Wagner zeigt", schreiben die Grünen Politikerinnen in ihrer Anfrage und meinen damit besagten Caliber-Artikel.

Auch DER STANDARD bat das Innenministerium um eine Stellungnahme, diese blieb bisher unbeantwortet.

Bundesheer dementiert Teilnahme

Weitere 28 Teilnehmer wurden dem Korps "Armee" zugeordnet, darunter 13 aus Österreich. Auf Nachfrage des STANDARD dementierte Bundesheer-Sprecher Michael Bauer das, trotz anderslautender Berichte: "Das Bundesheer war bei dieser Veranstaltung nicht dabei. Die Offiziersgesellschaft Vorarlberg schießt zwar in diesem Keller, aber nicht zu diesem Zeitpunkt." (Colette M. Schmidt, 14.10.2026)