Schlagerstar Andy Borg kommt nach Baunatal
StartseiteLokalesKreis KasselBaunatalStand: 29.09.2026, 08:00 UhrKommentareUns auf Google folgenAndy Borg bei einem Auftritt in der Sendung „Immer wieder sonntags“ diesen Sommer. © Schneider-Press/abra/Schneide...
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Stand: 29.09.2026, 08:00 Uhr
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Andy Borg tritt morgen in der Stadthaller in Baunatal auf. Im Interview verrät er, was ihn an künstlicher Intelligenz in der Musik maßlos ärgert.
Baunatal – Morgen Abend wird Andy Borg in der Stadthalle in Baunatal auftreten. Wir kamen neulich für zehn Minuten mit der Schlagerikone ins Gespräch, als er zwischen Produktionsterminen fürs Fernsehen und Auftritten im Auto von Österreich zurück nach Deutschland fuhr.
Herr Borg, worauf dürfen die Gäste sich in Baunatal freuen?
Auf einen Schlager-Spaß im wahrsten Sinne des Wortes. Ganz viele Schlager, schöne alte und auch neue und ein bisschen Spaß dazwischen. Michael Heck mit seiner fantastisch tiefen Stimme wird auch dabei sein und Weltstar Peggy March. Auch ich freue mich auf Baunatal. Ich war schon mal dort und habe in Erinnerung, dass den Menschen dort meine Musik wirklich gefällt und sie nicht nur höflich sind.
Wieso kommen Schlager eigentlich immer noch an?
Das ist ein kleiner, aber fester Teil unserer Kultur. Bei Schlagern haben unsere Eltern und Großeltern schon mitgesungen. Nehmen wir das Lied „Memories of Heidelberg“ von Peggy March oder ihr Evergreen „Romeo und Julia“, das sind Gassenhauer wie wir in Österreich sagen. Wenn man Deutsch als Muttersprache hat und auch gern zum Tanzen geht oder auf eine Feier, kann man an solchen Liedern nicht wirklich vorbeikommen. Am Ende ist es natürlich Geschmackssache, wie so vieles im Leben, was wir uns gern mal zum Ausgehen als kleines Extra gönnen.
Auf der Bühne verkaufen Sie gute Laune. Darf ein Sänger und Entertainer auch mal unbequem sein, etwa mit einer Meinung anecken?
Ich dachte schon, Sie würden mich jetzt fragen, ob ich immer gut gelaunt sei, das hätte ich verneint. Denn ich bin ja bekanntlich ein Morgenmuffel. Die Öffentlichkeit ist außerdem ja kein einzelner Mensch, dem man gegenübersitzt, in die Augen schaut und mit dem man höflich und im Vertrauen bespricht, was einem gerade so auf dem Magen liegt. Deshalb halte ich mich lieber zurück mit politischen Äußerungen und mit meiner Meinung zu mehr oder weniger weltbewegenden Dingen, weil die dann in der Folge oft aus dem Zusammenhang gerissen Schlagzeilen machen. Dafür bin ich zu gerne Unterhalter und dafür bin ich zu lange in der Branche. Im November werde ich 66 Jahre alt.
Apropos Geburtstag, was bedeutet das Älterwerden für Sie und wie lange möchten Sie noch auf der Bühne stehen?
Mein Geburtstag selbst bedeutet mir überhaupt nichts, weil ich weiß, dass die wirklich wichtigen Dinge, die einschneidenden Erlebnisse, nicht an so einem Jahrestag oder an Weihnachten passieren. Ans Aufhören denke ich überhaupt nicht, meine Arbeit ist mein Lebenselexier.
Mit den Jahrzehnten hat sich in Ihrer Branche viel verändert. Stört Sie da was?
Also an die Instrumentierung und Art, den deutschen Schlager im modernen Gewand zu präsentieren, daran habe ich mich inzwischen gewöhnt und da hab ich mir auch selbst schon was abgeschaut. Deswegen gehe ich allerdings nicht jeden Trend mit, wenn er mir nicht steht. Ich, der Andy Borg, bin ja sozusagen zur Welt gekommen, als die Neue Deutsche Welle über Deutschland geschwappt ist. Die ist lange vorbei, aber uns und den Schlager gibt es noch. Aber was mich wirklich stört, und das ist auch wieder interessant zu beantworten, ist, dass jetzt die künstliche Intelligenz, in die Musik eingreift.
Was stört sie an der KI?
Sie kann nichts anderes, als auf schon Gehabtes zugreifen. Man greift zurück auf große Erfolge, mischt die dann wahllos aneinander und leider hört man erst beim zweiten Hinhören, selbst wir als Fachleute, dass ein Text oder eine Melodie von einer künstlichen Intelligenz erzeugt wurden und eben nicht von lebendigen Textdichtern und Songschreibern, die das Gefühl für den Zeitgeist und vor allem die Kreativität für Neues mitbringen. Und das ärgert mich maßlos, weil eben ganz viele Menschen darauf hereinfallen.
Was wäre eigentlich, wenn Sie noch mal am Anfang Ihrer Karriere stehen würden? Würden Sie noch genauso machen?
Wenn ich irgendetwas anders machen würde, dann würden wir zwei jetzt nicht telefonieren. Dann würde ich nicht nach Baunatal kommen, dann wäre alles nicht so, wie es jetzt ist in diesem Augenblick, und worüber ich mich freue.
Wollen Sie mal verraten, was Sie tun, wenn Sie abends von der Bühne gehen, vielleicht etwas, was viele noch nicht wissen?
Ich weiß nicht, ob das Publikum irgendwas von mir nicht weiß. Meinen Hochzeitstag könnte ich nie vergessen, weil mich meine Fans auf Facebook oder einem sonstigen Social-Media-Kanal daran erinnern würden. Wenn ich von der Bühne gehe, haben wir uns zur Tradition gemacht, dann kriege ich immer ein Bussel von meiner Frau und sie merkt an meinem Blick, wie es mir gefallen hat.
Ein Blick reicht?
Ja. Sie sieht, ob ich mit mir oder auch der Technik zufrieden bin. Es ist ja auch nach 40 Jahren Bühnenerfahrung noch jeder Abend anders. Auch wenn man in dieselbe Stadt kommt, ist keiner wie der andere. Nach dem Auftritt und den Autogrammen fahren wir gemeinsam ins Hotel. Viele Kollegen und Kolleginnen schließen allein ihre Hotelzimmer auf. Die gehen dann in ein dunkles, fremdes Zimmer. Aber mit meiner Frau ist praktisch mein Zuhause immer dort, wo wir an dem Abend sind. Und das ist so viel wert.
Sie tauchen in den Schlagzeilen kaum auf. Wieso ist das so?
Die Presse ist still, wenn es um mein Privatleben geht, weil wir da auch eine Grenze ziehen und es außerdem einfach unspektakulär ist. Meine Frau geht neben der ganzen Organisation und den Vertragsgesprächen einkaufen, macht die Wäsche und kocht dann was. Das finden viele wahrscheinlich nicht zeitgemäß. Ich bin Mechaniker, Hobbygärtner und meine Frau ist Bankkauffrau. Meine Berufung habe ich zum Beruf machen dürfen. Allein das ist zu schön, um wahr zu sein.
Schrauben Sie eigentlich gelegentlich mal an Autos?
Wenn was Kleines kaputtgeht, repariere ich es manchmal. Doch meist fehlt mir die Zeit.
Es gab noch nie eine Schlagzeile, über die Sie sich mal geärgert haben?
Wissen Sie, die Schlagzeilen, über die ich mich ärgern könnte, schreiben Menschen, die mich nicht wirklich kennen und denen es völlig egal ist, wie ich das finde. Über so etwas rege ich mich nicht oder nur kurz auf, dafür bin ich zu sehr Wiener, ein gemütlicher.
Andy Borg wurde 1960 in Wien als Adolf Andreas Meyer geboren. Beruflich war er zunächst Mechaniker und später Alleinunterhalter. 1982 hatte er seinen großen Durchbruch mit „Adios Amor“. Borg kann auf 36 Alben zurückblicken. Er moderierte die Schlagerparade der Volksmusik, den Musikantenstadl und seit 2018 den Schlager-Spaß mit Andy Borg. Seinen Künstlernamen wählte er in Anlehnung an den Tennisspieler Björn Borg. Seit 1999 ist er mit seiner Frau Birgit verheiratet, die auch seine Managerin ist. Er lebt in Deutschland.