Schon der dritte Wirt weg: FC Langengeisling sucht mal wieder einen Pächter

Blauer Hirsch, Blou, Vollhaus: drei Namen, drei nicht allzu lange Gastspiele in der Langengeislinger Vereinswirtschaft. Am Sonntag, 27. September, öffnet das Vollhaus zum letzten Mal. Dann steht das für ein Vereinsheim doch beachtlich ausgestattete Restaurant schon wieder leer.

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Schon der dritte Wirt weg: FC Langengeisling sucht mal wieder einen Pächter

Stand: 25.09.2026, 08:00 Uhr

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Mehr als eine gewöhnliche Vereinswirtschaft hat der FC Langengeisling. Das ist offenbar Fluch und Segen zugleich.

Mehr als eine gewöhnliche Vereinswirtschaft hat der FC Langengeisling – Fluch und Segen zugleich. © FELIX REISER (EA-Archiv)

Blauer Hirsch, Blou, Vollhaus: drei Namen, drei nicht allzu lange Gastspiele in der Langengeislinger Vereinswirtschaft. Am Sonntag, 27. September, öffnet das Vollhaus zum letzten Mal. Dann steht das für ein Vereinsheim doch beachtlich ausgestattete Restaurant schon wieder leer.

Langengeisling – Auch der Club gesteht: Der Spagat ist ein schwieriger. Einerseits den klassischen Erwartungen an einen Vereinswirt entsprechen, andererseits mit gehobener Küche auch externe Gäste locken, um sich finanziell tragen zu können. Nun läuft ein Insolvenzverfahren. Und die Geislinger gehen mal wieder auf Wirtssuche.

Drei Wirte in sieben Jahren

Rückblende: Der Blaue Hirsch von Gerd Hirsch hatte sich seit der Eröffnung im Herbst 2019 wegen seiner ausgezeichneten Küche über Erding hinaus einen Namen gemacht. Das sagt auch der Verein bis heute, obwohl es schon früh Dissonanzen gegeben hat. Die Rede war von Vertragsverletzungen seitens des Wirts, der wiederum dagegenhielt. Der FCL drohte mit Räumungsklage. Dass der Pachtvertrag auf zehn Jahre nur bis Mitte 2023 lief, war das Ergebnis eines Gütetermins bei Gericht.

Dann übernahm Louis Stärkl mit seinem Blou. Nach nur einem Jahr sagte der junge Wirt: „Es wird mir einfach zu viel.“ Teil der Einigung zur Auflösung des Pachtvertrags war, dass Stärkl einen Teil der Pacht während der Leerstandszeit weiterhin übernahm.

Danach sperrte Jozsef Szasz im Juni 2025 sein Vollhaus auf. Doch nur ein gutes Jahr später muss er im Gespräch mit unserer Zeitung vom seit drei Monaten laufenden Insolvenzverfahren berichten und von einer „sehr rationalen und sehr emotionalen Entscheidung“. Schließlich seien viele Freundschaften entstanden, erzählt der 33-jährige Ungar, der in Gerzen im Landkreis Landshut lebt. Er musste aus finanziellen Gründen die Reißleine ziehen. Mit Alexandra Szilágyi (27) aus Freising hat er das Vollhaus geführt, drei Mitarbeitern musste man kündigen. Szasz betont: „Wir haben mit dem FCL keinen Beef.“ Auch wenn das so mancher gerne hören würde, schiebt er hinterher.

Vereinsvize Chris Brader bedauert die Entwicklung. „Die Leute haben‘s eigentlich gut genutzt, auch der Stammtisch war immer da“, berichtet der 34-Jährige. Doch: „Ein reiner Vereinsbetrieb reicht für die Pacht nicht aus.“ Der Verein habe alles getan, „das Ganze zu unterstützen“. Freilich spiele auch die wirtschaftliche Lage eine Rolle: „Man geht auch nicht mehr so oft ins Wirtshaus.“

Doch er kennt auch die Vorwürfe aus dem Vereinsumfeld, etwa, dass die kulinarische Qualität nicht gut genug gewesen sei. Das sei Geschmackssache, findet Brader.

Kioskverkauf „eine sensible Sache“

Er und auch Szasz bestätigen Gespräche zwischen Verein und Wirt und daraus resultierende Konzeptanpassungen. Etwa kleinere Karte, dafür mehr Qualität und schnellerer Service. Brader weiß auch, dass es mit der Erwartungshaltung von Vereinsmitgliedern heutzutage nicht so einfach sei für Wirte.

Ein schwieriges Thema ist der Kioskverkauf. „Vergangene Woche hat ihn der Verein erstmals selber gemacht“, berichtet Brader. Ein Vorwurf, auch seitens Eltern von Nachwuchskickern: Warum macht der Wirt das nicht? „Er hat halt eher gedacht: Die Leute kommen direkt nach dem Spiel zu ihm ins Lokal“, sagt Brader dazu – mit wenig Verständnis allerdings: Man könne doch als Wirt mit (günstigeren) Aktionen wie Fassbier-, Pommes- oder Steaksemmelverkauf auch Werbung fürs Lokal machen. Kürzlich habe man gesehen, was möglich wäre. Der Verein habe beim Kioskverkauf ein super Geschäft gemacht.

Wirt Szasz sagt jedenfalls, dass er mit der jüngsten Konzeptumstellung auch externe Gäste habe locken können. Der Kiosk wiederum sei „eine sehr sensible Sache“. Er könne in dem Kiosk ohne Lüftungsanlage nicht einfach Pommes machen. Er verweist unter anderem auf Hygienevorschriften, auf einen gewissen gastronomischen Standard, für den er Verantwortung trage. „Aber die Hintergründe interessieren die Leute oft nicht“, sagt er. Wenn er denn mal Leberkässemmeln anbiete, werde gefragt, warum er keine Wurstsemmeln habe. So beschreibt er eine von ihm registrierte „standardisierte Unzufriedenheit“. Szasz bedankt sich „bei den Gästen, die uns die Treue gehalten haben“.

Weihnachtsfeier in Eigenregie

Zum Insolvenzverfahren will er sich nicht näher äußern. Brader berichtet zumindest, dass der Wirt deshalb aus dem laufenden Vertrag aussteigen könne.

Ist der eingangs erwähnte Spagat mehr Fluch als Segen? Brader widerspricht nicht: „Auch das müssen wir intern hinterfragen.“ Nun hofft man auf eine langlebigere Lösung, „wir wollen nicht den Erstbesten nehmen“. Vorerst wird der Verein die Herbstzeit und wohl auch die Weihnachtsfeier selbst stemmen. „Restaurant und Ausstattung gehören ja dem FCL“, sagt Brader. Seine Hoffnung ist, dass zum 1. Januar ein neuer Wirt aufsperrt – vielleicht ja dann wieder mit der blauen Vereinsfarbe im Lokalnamen?